Griechenland-Krisengespräch
„Es zählt jetzt jeder Tag“

Die Gläubiger machen Druck: Das Spitzengespräch zum Schuldenstreit mit Griechenland zwischen Merkel, Hollande und Tsipras brachte in der Nacht keine Lösung. Einzig über eine Sache herrscht offenbar Einigkeit.
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BrüsselBundeskanzlerin Angela Merkel hat sich zufrieden über das erneute Gespräch mit Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras gezeigt, dringt aber auf Eile in den Finanzverhandlungen mit den Geldgebern des Landes. „So wie ich das verstanden habe, besteht die Bereitschaft zu dieser Zusammenarbeit mit den drei Institutionen“, sagte sie am Donnerstagmorgen in Brüssel mit Blick auf die laufenden Verhandlungen über neue Finanzhilfen für das hochverschuldete Euro-Land. Das nächtliche Gespräch mit Tsipras und dem französischen Präsidenten François Hollande habe „absolute Einigkeit“ darin gebracht, dass Athen die Gespräche mit den drei Institutionen der Geldgeber mit Hochdruck fortsetzen müsse. „Ich hoffe, dass dies auch den notwendigen Fortschritt bringt. Es zählt jetzt jeder Tag.“

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann macht Druck. Er warnte vor einer wachsenden Gefahr einer Staatspleite Griechenlands. Zwar seien die internationalen Partner fest entschlossen, dem hoch verschuldeten Land zu helfen, seine Verwaltung zu verbessern, Wachstumshürden aus dem Weg zu räumen und die öffentlichen Finanzen auf ein solides Fundament zu stellen, sagte Weidmann laut Redetext am Donnerstag in London. „Aber die Zeit läuft ab und das Risiko einer Staatspleite wächst von Tag zu Tag.“

Die Risiken eines solchen Szenarios seien nach seiner Einschätzung besser einzudämmen als noch vor einigen Jahren. „Dennoch sollten sie nicht unterschätzt werden“, sagte der Bundesbank-Präsident. „Aber die Hauptverlierer eines solchen Szenarios wären Griechenland und die Griechen.“

In der Nacht hatten Merkel, Hollande und Tsipras rund zwei Stunden beraten. Am Donnerstag will sich Tsipras erneut mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker treffen. Bei den Institutionen handelt es sich um die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und den Internationalen Währungsfonds (IWF), die mit der griechischen Regierung konkrete Reformen aushandeln sollen. Diese sind Voraussetzung für die Freigabe von Milliardenkrediten an das pleitebedrohte Euro-Land.

Das Spitzentreffen in der Nacht hatte allerdings keine erkennbare Annäherung gebracht. Einziges Ergebnis: Die Verhandlungen zwischen der Regierung in Athen und den Gläubigern sollen intensiviert werden. Tsipras sagte, der Meinungsaustausch habe in einer „sehr guten Atmosphäre" stattgefunden. „Ich glaube, Europa versteht, dass es eine Lösung braucht, die Griechenland die Rückkehr zu Wachstum ermöglicht."

Vor seinem Treffen mit Merkel und Hollande sprach Tsipras auch mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Nach Angaben der griechischen Regierung vereinbarten die beiden Politiker für Donnerstag weitere Gespräche. Zuletzt hatte sich Juncker über den schleppenden Verlauf der Verhandlungen verärgert geäußert und Tsipras ein Treffen verweigert.

Mit Blick auf einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, nach dem Merkel zu einer Einigung bereit ist, wenn Griechenland sich zumindest zu einer größeren Reform bekennt, sagte ein Sprecher der Bundesregierung: „Deutschland akzeptiert nur einen Vorschlag der drei Institutionen. Alles andere ist frei erfunden."

Merkel hatte in den vergangenen Tagen mehrfach betont, dass auf oberster politischer Ebene nur allgemeine Gespräche, aber keine konkreten Verhandlungen über Wege zur Lösung der Schuldenkrise stattfinden könnten. Die Verhandlungen könne Griechenland nur mit den sogenannten Institutionen führen, die früher Troika bezeichnet wurden. Dies sind der Internationale Währungsfonds, die Europäische Zentralbank und die EU-Kommission.

Merkel deutete vor dem Treffen mit Tsipras und Hollande aber Kompromissbereitschaft an, denn sie handele nach dem Motto: "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg." Auch Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hatte sich am Abend vorsichtig zuversichtlich geäußert. Eine Lösung mit Griechenland sei weiter möglich, sagte er. Es gebe nur noch wenige Punkte, die gelöst werden müssten.

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  • @Kersey:
    Danke für den Hinweis. In Deutschland erhalten die Rentner im Schnitt weniger und deutlich später Rente als in Griechenland. Deswegen dürfen die Rentner jetzt auch noch mit dem Verlust des Sparvermögens wg. EZB Zinsmanipulation für die Griechen-"Rettung" büßen.

    In Deutschland ist das pro Kopf Vermögen etwa halb so hoch wie das der Griechen (laut EZB-Bericht!). Deshalb müssen wir auch für die armen Griechen zahlen.

    In Deutschland zahlt jeder Gutverdiener Steuern und wird ggf. bis zum Nordpol verfolgt, wenn er es nicht tut. In Griechenland lacht man über Steuern und hält sein Vermögen sicher in der Schweiz und anderswo. An Verfolgung denkt Herr Tsipras nicht einmal trotz diverser Hilfsangebote der Schweiz. Deshalb muss der deutsche Mittelstand für die griechischen Kleptokraten Steuern zahlen.

    Und die verlorenen ELA-Kredite, die verlorenen Target-Salden und die verlorenen "Rettungs-"Gelder? Dafür dürfen, wenn sie fällig gestellt werden, unsere nicht vorhandenen Kinder bis zum St. Nimmerleinstag zahlen!

    Diese deutsche Regierung ist eine Katastrophe für Generationen! Und es wird immer noch schlimmer.

  • @EM zu Hohenzollern:
    "...wann Mutti den Rock herunterlässt".

    Sind Sie verrückt? Die soll den Rock bloß oben lassen. Lieber zahle ich nochmal 100.000.000.000!

  • Man kann einigermaßen sicher davon ausgehen, dass die scheinheiligen „diesseitigen Akteure“ (Juncker, Merkel, Dijsselbloem, Moscovici, Lagarde und andere aus dem Umfeld der „Troika“) ihren Unmut und ihre angebliche Empörung über das Agieren von Tsipras & Co uns Bürgern lediglich vorspielen. In der Realität haben sie längst „alternativlos“ entschieden, die hellenischen Sünder „um jeden Preis“ in der Eurozone zu halten. Damit stützten sie einmal mehr den im internationalen Vergleich aufgeblähten und hoffnungslos ineffizienten griechischen Staatsapparat zulasten der Steuerzahler hierzulande und anderswo. Sie fürchten ihr Scheitern als „Rettungspolitiker“ wie der sprichwörtliche Teufel das Weihwasser. Selten haben sich rückgratlose Regierende von Drop-outs so zielsicher über den Tisch ziehen und zum Narren halten lassen. Man kann gespannt sein, ob den Teilnehmern der heute im Tiroler Telfs beginnenden Geheimkonferenz der „Bilderberger“ etwas Substanzielles zum Thema einfällt. Sorry, das bleibt ja undercover. - Lassen Sie uns als Multiplikatoren und Wähler das unsere tun, um möglichst vielen bis zur Bundestagswahl 2017 die Augen zu öffnen, was uns die fabelhaften Retter auf deutscher Seite alles eingebrockt haben. Zu denen gehören auch jene unglaublich vielen Bundestags-Abgeordneten, welche in verantwortungsloser Weise und in falsch verstandener Parteiraison die bisherigen „Rettungspakete“ abgenickt haben.

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