Griechenland-Krisengespräch

„Es zählt jetzt jeder Tag“

Die Gläubiger machen Druck: Das Spitzengespräch zum Schuldenstreit mit Griechenland zwischen Merkel, Hollande und Tsipras brachte in der Nacht keine Lösung. Einzig über eine Sache herrscht offenbar Einigkeit.
Update: 11.06.2015 - 10:24 Uhr 38 Kommentare

Nächster Krisengipfel scheitert

Nächster Krisengipfel scheitert

BrüsselBundeskanzlerin Angela Merkel hat sich zufrieden über das erneute Gespräch mit Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras gezeigt, dringt aber auf Eile in den Finanzverhandlungen mit den Geldgebern des Landes. „So wie ich das verstanden habe, besteht die Bereitschaft zu dieser Zusammenarbeit mit den drei Institutionen“, sagte sie am Donnerstagmorgen in Brüssel mit Blick auf die laufenden Verhandlungen über neue Finanzhilfen für das hochverschuldete Euro-Land. Das nächtliche Gespräch mit Tsipras und dem französischen Präsidenten François Hollande habe „absolute Einigkeit“ darin gebracht, dass Athen die Gespräche mit den drei Institutionen der Geldgeber mit Hochdruck fortsetzen müsse. „Ich hoffe, dass dies auch den notwendigen Fortschritt bringt. Es zählt jetzt jeder Tag.“

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann macht Druck. Er warnte vor einer wachsenden Gefahr einer Staatspleite Griechenlands. Zwar seien die internationalen Partner fest entschlossen, dem hoch verschuldeten Land zu helfen, seine Verwaltung zu verbessern, Wachstumshürden aus dem Weg zu räumen und die öffentlichen Finanzen auf ein solides Fundament zu stellen, sagte Weidmann laut Redetext am Donnerstag in London. „Aber die Zeit läuft ab und das Risiko einer Staatspleite wächst von Tag zu Tag.“

Die Risiken eines solchen Szenarios seien nach seiner Einschätzung besser einzudämmen als noch vor einigen Jahren. „Dennoch sollten sie nicht unterschätzt werden“, sagte der Bundesbank-Präsident. „Aber die Hauptverlierer eines solchen Szenarios wären Griechenland und die Griechen.“

In der Nacht hatten Merkel, Hollande und Tsipras rund zwei Stunden beraten. Am Donnerstag will sich Tsipras erneut mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker treffen. Bei den Institutionen handelt es sich um die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und den Internationalen Währungsfonds (IWF), die mit der griechischen Regierung konkrete Reformen aushandeln sollen. Diese sind Voraussetzung für die Freigabe von Milliardenkrediten an das pleitebedrohte Euro-Land.

Das Spitzentreffen in der Nacht hatte allerdings keine erkennbare Annäherung gebracht. Einziges Ergebnis: Die Verhandlungen zwischen der Regierung in Athen und den Gläubigern sollen intensiviert werden. Tsipras sagte, der Meinungsaustausch habe in einer „sehr guten Atmosphäre" stattgefunden. „Ich glaube, Europa versteht, dass es eine Lösung braucht, die Griechenland die Rückkehr zu Wachstum ermöglicht."

Vor seinem Treffen mit Merkel und Hollande sprach Tsipras auch mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Nach Angaben der griechischen Regierung vereinbarten die beiden Politiker für Donnerstag weitere Gespräche. Zuletzt hatte sich Juncker über den schleppenden Verlauf der Verhandlungen verärgert geäußert und Tsipras ein Treffen verweigert.

Mit Blick auf einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, nach dem Merkel zu einer Einigung bereit ist, wenn Griechenland sich zumindest zu einer größeren Reform bekennt, sagte ein Sprecher der Bundesregierung: „Deutschland akzeptiert nur einen Vorschlag der drei Institutionen. Alles andere ist frei erfunden."

Tspiras' leere Drohungen

Merkel hatte in den vergangenen Tagen mehrfach betont, dass auf oberster politischer Ebene nur allgemeine Gespräche, aber keine konkreten Verhandlungen über Wege zur Lösung der Schuldenkrise stattfinden könnten. Die Verhandlungen könne Griechenland nur mit den sogenannten Institutionen führen, die früher Troika bezeichnet wurden. Dies sind der Internationale Währungsfonds, die Europäische Zentralbank und die EU-Kommission.

Merkel deutete vor dem Treffen mit Tsipras und Hollande aber Kompromissbereitschaft an, denn sie handele nach dem Motto: "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg." Auch Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hatte sich am Abend vorsichtig zuversichtlich geäußert. Eine Lösung mit Griechenland sei weiter möglich, sagte er. Es gebe nur noch wenige Punkte, die gelöst werden müssten.

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38 Kommentare zu "Griechenland-Krisengespräch: „Es zählt jetzt jeder Tag“"

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  • @Kersey:
    Danke für den Hinweis. In Deutschland erhalten die Rentner im Schnitt weniger und deutlich später Rente als in Griechenland. Deswegen dürfen die Rentner jetzt auch noch mit dem Verlust des Sparvermögens wg. EZB Zinsmanipulation für die Griechen-"Rettung" büßen.

    In Deutschland ist das pro Kopf Vermögen etwa halb so hoch wie das der Griechen (laut EZB-Bericht!). Deshalb müssen wir auch für die armen Griechen zahlen.

    In Deutschland zahlt jeder Gutverdiener Steuern und wird ggf. bis zum Nordpol verfolgt, wenn er es nicht tut. In Griechenland lacht man über Steuern und hält sein Vermögen sicher in der Schweiz und anderswo. An Verfolgung denkt Herr Tsipras nicht einmal trotz diverser Hilfsangebote der Schweiz. Deshalb muss der deutsche Mittelstand für die griechischen Kleptokraten Steuern zahlen.

    Und die verlorenen ELA-Kredite, die verlorenen Target-Salden und die verlorenen "Rettungs-"Gelder? Dafür dürfen, wenn sie fällig gestellt werden, unsere nicht vorhandenen Kinder bis zum St. Nimmerleinstag zahlen!

    Diese deutsche Regierung ist eine Katastrophe für Generationen! Und es wird immer noch schlimmer.

  • @EM zu Hohenzollern:
    "...wann Mutti den Rock herunterlässt".

    Sind Sie verrückt? Die soll den Rock bloß oben lassen. Lieber zahle ich nochmal 100.000.000.000!

  • Man kann einigermaßen sicher davon ausgehen, dass die scheinheiligen „diesseitigen Akteure“ (Juncker, Merkel, Dijsselbloem, Moscovici, Lagarde und andere aus dem Umfeld der „Troika“) ihren Unmut und ihre angebliche Empörung über das Agieren von Tsipras & Co uns Bürgern lediglich vorspielen. In der Realität haben sie längst „alternativlos“ entschieden, die hellenischen Sünder „um jeden Preis“ in der Eurozone zu halten. Damit stützten sie einmal mehr den im internationalen Vergleich aufgeblähten und hoffnungslos ineffizienten griechischen Staatsapparat zulasten der Steuerzahler hierzulande und anderswo. Sie fürchten ihr Scheitern als „Rettungspolitiker“ wie der sprichwörtliche Teufel das Weihwasser. Selten haben sich rückgratlose Regierende von Drop-outs so zielsicher über den Tisch ziehen und zum Narren halten lassen. Man kann gespannt sein, ob den Teilnehmern der heute im Tiroler Telfs beginnenden Geheimkonferenz der „Bilderberger“ etwas Substanzielles zum Thema einfällt. Sorry, das bleibt ja undercover. - Lassen Sie uns als Multiplikatoren und Wähler das unsere tun, um möglichst vielen bis zur Bundestagswahl 2017 die Augen zu öffnen, was uns die fabelhaften Retter auf deutscher Seite alles eingebrockt haben. Zu denen gehören auch jene unglaublich vielen Bundestags-Abgeordneten, welche in verantwortungsloser Weise und in falsch verstandener Parteiraison die bisherigen „Rettungspakete“ abgenickt haben.

  • "„Es zählt jetzt jeder Tag“"

    Weshalb erst "jetzt"?
    Die europäischen Politiker haben bereits hunderte Milliarden von Steuergeldern veruntreut und ihre Völker vertragswidrig belastet. Jetzt zählt jeder Tag! Sie sind zur Rechenschaft zu ziehen.

    Auf welcher Grundlage, wenn nicht auf Basis geschlossener Verträge, wollen diese Politiker weiter agieren. Da sie sich über die Verträge stellen, sind sie "rauszuschmeißen", um das Wort von Merkel bei der Abberufung von Herrn Röttgen zu benutzen.

    Wenn wieder Ordnung ins europäische Haus kommen soll, dann geht dies nur mit der brutalst möglichen Aufklärung. Politiker, die sich über geschlossene Verträge stellen, sind keine verbindlich handelnde Personen, auf denen Säulen aufgebaut werden können. Das sind schlechthin Kriminelle, Betrüger.

  • Moskovici, Wirtschaftkommisar, zitat:
    "Ich mag die griechische Tragödie, aber jetzt müssen wir uns auf das Happy End zu bewegen"
    dazu wikipedia:
    Die griechische Tragödie behandelt die schicksalhafte Verstrickung des Protagonisten, der in eine so ausweglose Lage geraten ist, dass er durch jedwedes Handeln nur schuldig werden kann. Die herannahende, sich immer deutlicher abzeichnende Katastrophe lässt sich trotz großer Anstrengungen der handelnden Personen nicht mehr abwenden. Der tragische Charakter wird auch mit dem Attribut „schuldlos schuldig“ beschrieben

  • Neue Probleme nach Krisentreffen zu Griechenland
    ------------------------------
    Im griechischen Schuldendrama türmen sich nach einem weiteren Krisentreffen in Brüssel schon wieder neue Probleme auf.

    Nach einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofes in Athen sind die im Rahmen des Sparprogramms vor drei Jahren verhängten Rentenkürzungen verfassungswidrig und müssen zurückgenommen werden. Nach Schätzungen der griechischen Finanzpresse muss der Staat damit pro Jahr etwa 1,5 Milliarden Euro mehr aufbringen.

    Ende Juni droht Griechenland die Staatspleite, wenn bis dahin keine Übereinkunft über die Auszahlung von Hilfsgeldern in Höhe von 7,2 Milliarden Euro erzielt wird. Die Geldgeber verlangen von Athen im Gegenzug ein verbindliches Reformprogramm. Dazu sollen unter anderem Rentenkürzungen gehören.

  • Griechische Rentenkürzungen sind verfassungswidrig
    Das oberste griechische Verwaltungsgericht verlangt, dass die Regierung die Rentenkürzungen rückgängig macht. Das würde die Regierung von Alexis Tsipras weitere 1,5 Milliarden Euro kosten.

    http://www.nzz.ch/international/griechische-rentenkuerzungen-sind-verfassungswidrig-1.18560078

    Da hat sich die NZZ gründlich vertan. Nicht die Regierung von Alexis Tsipras weitere 1,5 Milliarden Euro kosten, sondern die Euroländer-Steuerzahler WIRD es weitere 1,5 Mrd. Euro kosten.

  • reg ich mich wieder auf,
    das vervaltungsgericht KANN entscheiden denn das geld wird doch ausgelegt, das wissen die !

  • Tsipras gibt Merkel gnädigerweise Rabatt, damit sie mit geringerem Gesichtsverlust aus der Sache raukommt. Man wird sich schon auf ein schönes Mogelpaket einigen. Tsipras sitzt am Drücker, nicht Erika oder die schwarze Null.

  • @Michael Müller:

    Whowww: „...die von Westdeutschland alimentierten Gebiete ...“

    Na dann mach ich jetzt mal den Varoufakis.

    Zahlen Sie persönlich als WESTDEUTSCHER bitte den Ostdeutschen die Reparationsleistungen zurück die zwischen 1945 und 1989 an die Sowjetunion geleistet wurden.

    Nur noch mal zur Erinnerung: Während in der sowjetischen Besatzungszone alle Wertgegenstände demontiert wurden und unsere Großmütter vergew… wurden gab es bei Ihnen den Marschallplan: http://de.wikipedia.org/wiki/Marshallplan

    Den Krieg haben unserer Vorfahren aber zusammen verloren, oder?

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