Griechenland
Merkels angeblicher Referendum-Vorschlag schlägt Wellen

Hat Angela Merkel den Griechen nun eine Abstimmung über den Verbleib in der Euro-Zone vorgeschlagen oder nicht? Das Kanzleramt dementiert, doch Merkel scheint die Griechen einmal mehr gegen sich aufgebracht zu haben.
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AthenWas hat sie gesagt, was hat sie nicht gesagt? Was meinte sie, was nicht? Angebliche Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die am Freitag in einem Telefonat mit Griechenlands Staatspräsident Karolos Papoulias gefallen sein sollen, sorgen für Wallungen in Athen – und könnten den Ausgang der bevorstehenden Parlamentswahlen beeinflussen. Aber ganz anders, als sich das die Kanzlerin wohl wünscht.

Triumph und Zorn, Jubel und Empörung, und viel zerschlagenes Porzellan: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es einmal mehr geschafft, die Griechen gegen Deutschland aufzubringen – so sieht man es zumindest in Athen.

Als der griechische Regierungssprecher am Freitagabend berichtete, Merkel habe in einem Telefonat mit Staatspräsident Papoulias den Griechen geraten, parallel zur Parlamentswahl am 17. Juni eine Volksabstimmung über den Verbleib in der Eurozone zu veranstalten, zeigten sich selbst Merkels politische Verwandte, die Konservativen, tief betroffen.

Das Ansinnen der Kanzlerin wurde als Bevormundung empfunden: der Vorschlag Merkels sei „gelinde gesagt unglücklich“, erklärte Antonis Samaras, der Vorsitzende der konservativen Nea Dimokratia (ND). Zwar ließ das Berliner Kanzleramt am Abend mitteilen, Merkel habe den Griechen gar kein Euro-Referendum vorgeschlagen, die Berichte seien „falsch und werden mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen“.

Athener Regierungskreise bekräftigten indes, Merkel habe diesen Gedanken Staatspräsident Papoulias tatsächlich vorgetragen. Hat Papoulias die Kanzlerin falsch verstanden? Wohl kaum. Der 82-Jährige spricht fließend Deutsch, hat viele Jahre in Deutschland gelebt, an der Uni Köln sogar mit einer deutschsprachigen Dissertation den Dr. jur. gemacht.

Wie immer es auch sei: Die angebliche Merkel-Empfehlung steht im Raum – und erweckt in Griechenland einmal mehr den Eindruck, die Kanzlerin betrachte „Griechenland als ihr Protektorat“, so Alexis Tsipras, der Chef des Bündnisses der radikalen Linken (Syriza). Sie macht sich Hoffnung, bei der Wahl vom 17. Juni mit dem Versprechen, den Sparpakt und die Kreditverträge mit der EU einseitig aufzukündigen, zur stärksten Partei zu werden.

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Mögliches Referendum Hauptthema in griechischen Medien

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  • Viele Politiker haben es immer noch nicht begriffen: der Zug fährt gegen die Wand, Deutschland wird von den anderen heruntergezogen und wird selbst ertrinken, wenn es auf der Euroschiene so weitermacht. Deutschland muss sich also erst einmal freischwimmen, und das heisst, eine eigene Deutsche Währung.

    Das Gegenargument der Aufwertung muss man auch ein wenig differenzierter betrachten:

    1. Deutschland hatte auch zu DM Zeiten Handelsüberschüsse, nicht -defizite.

    2. Eine DM Aufwertung hatten wir ständig seit der DM Einführung und hat Deutschlands wirtschaftlichen und sozialen Wiederaufstieg nach dem Krieg doch nicht aufgehalten, sondern ganz in Gegenteil das Deutsche und in der ganzen Welt bewunderte Wirtschaftswunder erst hervorgebracht!

    3. 40% der Exportprodukte kommen selbst aus Importprodukten und werden also billiger durch eine Aufwertung der DM.

    4. Führt eine Aufwertung der DM zu mehr Kaufkraft der Deutschen Bevolkerung, das heisst, der deutsche Arbeitnehmer kriegt wieder etwas für sein Geld statt ständig zu verlieren, wie unter dem Euro! Das ist die sogenannte Sozialdividende. Deshalb ist ja auch der Lebensstandart in starken Wahrungsländern wie der Schweiz und in der Bundesrepublik zu DM Zeiten so hoch gewesen!

    5. Eine stärkere DM führt zu mehr Innenkaufkraft und damit mehr Importen, was anderen Ländern zugute kommt und deren Wirtschaftleistung fördert und hilft, von Transferleistungen unabhängig zu werden.

    6. Die Abwertungen, zB der griechischen Drachme und der italienischen Lira, führen zu deren Wettbewerbsstärkung und damit der Möglichkeit, nicht auf Pump anderer, sondern eigenständig zu wachsen.

    7. Summa summarum werden Europa und die Welt nicht stärker, wenn die letzten noch funktionierenden Wirtschaften auch noch kurzsichtig kaputtgemacht werden.

    Deswegen brauchen wir in Deutschland und in Europa unsere eigenen Länderwährungen, um dadurch wirtschaftlich wieder in Fahrt zu kommen und unsere politische Freiheit zu retten.

  • Die Frage, ob die Griechen Teil einer Europäischen Einheit sein wollen, sollte schon mal laut und an alle Griechen gestellt werden dürfen. Aber auch an jeden anderen (potentiellen) EU-Bürger. Insofern halte ich Merkels Vorschlag zu einem Referendum schon für gerechtfertigt. Allerdings halte ich die Fragestellung, ob die Griechen den Euro behalten wollen, für falsch. Nach der Volksweisheit, dass beim Geld die Freundschaft aufhört, war die Empörung der Griechen vorhersehbar.
    Hinsichtlich der schrittweisen Umsetzung einer Europäischen Einheit sollten die Griechen vielleicht darüber abstimmen, ob sie der Bundesrepublik Deutschland beitreten wollen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Griechen dazu bereit wären, wenn Frau Merkel dabei ihren Hut nimmt.

  • @PikAs

    "Island"

    ... so ist es!

    http://fortunanetz-forum.xobor.de/t53f2-Island-und-die-Krisenfolgen.html

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