Griechenland nach Tsipras' Rücktritt
„Lasst uns weiter Zeit und Geld verschwenden“

Auf Griechenland wartet die nächste Wahl: Premier Tsipras hat mit seinem Rücktritt den Weg geebnet. Und sich damit nicht nur Freunde gemacht. Seine Partei spaltet sich – und viele Griechen sprechen von Geldverschwendung.
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Düsseldorf/AthenKaum sind die ersten Milliarden nach Athen geflossen, beginnt der innenpolitische Umbruch. Premier Alexis Tsipras kündigt seinen Rücktritt an – und macht damit den Weg für Neuwahlen frei. Ein Grund: Tsipras hat den Rückhalt in Teilen seiner Partei verloren – der linksextreme Flügel der Syriza-Partei hat ihm jüngst die Gefolgschaft verweigert. Und sich an diesem Freitag prompt abgespalten.

Umso größer ist dagegen das Vertrauen der Bevölkerung in die Fähigkeiten des 41-jährigen Noch-Regierungschefs. Mehr als 61 Prozent der Befragten äußerten sich bei einer Umfrage Ende Juli positiv über ihn.

Auch in den sozialen Netzwerken wird eifrig über Tsipras Wirken und über seinen Rücktritt diskutiert: Einige User sehen darin ein positives Zeichen, weil er – ähnlich wie das Referendum Anfang Juli – den Demokratiegedanken wahre. Das weiß auch Tsipras – und begründet auf Twitter seinen Rücktritt ebenfalls mit dem Hinweis auf die Demokratie.

Aber auch die Kritiker melden sich zu Wort: Unter dem Hashtag „ekloges2015_round2“ kritisieren die Griechen den Beschluss ihres Premiers. Dass die Neuwahlen auch ordentlich Geld verschlingen werden, ist dem Volk ebenfalls bewusst. Unmut hat sich in Griechenland angesichts der Krise längst in Ironie verwandelt. Eine Userin schreibt etwa: „Lasst uns weiter Zeit und Geld verschwenden, wir haben ja so viel davon.“

Andere bezeichnen die politische Situation als „Chaos“ oder „Show“. Sie sind genervt, dass Tsipras erneut zur Wahlurne ruft – denn das Volk muss nun erneut Reise- und Zeitkosten in Kauf nehmen. „The Coach“ meint etwa: „Früher waren wir sonntags am Sportplatz, im Kino oder auf Ausflügen. Inzwischen wählen wir regelmäßig.“

Neuwahlen hatten sich in der Vergangenheit zwar angedeutet, für den Moment aber kam Tsipras' Rücktritt überraschend. Auch die griechische Presse hielt kurz inne – und hinterfragt die Entscheidung des Ministerpräsidenten kritisch. Von einer „politischen Sackgasse“ schreibt die konservative Zeitung Kathimerini. „Die Uneinigkeiten innerhalb der Syriza-Partei sind der Grund für die Neuwahlen. Dadurch möchte Tsipras seine Macht stärken.“

H Avgi, das Sprachrohr von Syriza, spricht von einem „klaren Auftrag“: Eine stabile Regierung und ein stabiler Kurs im Sinne der Bevölkerung.“ Efimerida ton Syntakton kommentiert: „Tsipras gegen Tsipras. Er kämpft gegen die Abweichler in seiner Partei und gegen sich selbst“. Und Ta Nea warnt: „Das politische Risiko erschreckt den Markt.“

Die Zeitung mit dem klangvollen Namen „Makedonia“ erscheint in Thessaloniki und wird daher im Norden gern gelesen. „Tsipras spielt mit den Wahlurnen“ titelt das konservative Blatt und ergänzt: „Die Wahlen finden aus taktischen Gründen statt.“

Vor der Ausrufung von Neuwahlen müssen laut der griechischen Verfassung aber zunächst die Anführer der drei stärksten Parlamentsfraktionen versuchen, eine neue Regierung zu bilden. Als zweitstärkste Partei nach Syriza bekam zunächst der Chef der konservativen Nea Dimokratia (ND), Evangelos Meimarakis, für drei Tage den Auftrag zur Regierungsbildung.

Drittstärkste Kraft wäre die Syriza-Abspaltung mit mindestens 25 Abgeordneten, gefolgt von der Neonazi-Partei Goldene Morgenröte mit 17 Abgeordneten. Scheitern alle Versuche, muss Präsident Prokopis Pavlopoulos Neuwahlen ansetzen.

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Kommentare zu " Griechenland nach Tsipras' Rücktritt: „Lasst uns weiter Zeit und Geld verschwenden“"

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  • Die Währung Euro ist inzwischen zum Götzen geworden , dem man alles unterordnet,
    alles opfert. Wie hieß es einst auch: Wir bekennen uns ...zum Euro.

  • „Lasst uns weiter Zeit und Geld verschwenden“
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    Griechenland hat die ersten 23 Milliarden bereits erhalten.
    Tsipras tritt zurück.
    Griechenland ist für Monate wieder gelähmt.
    Die Verträge werden wieder neu verhandelt, Tsipras will sie in der Luft zerreißen.
    Die restlichen Milliarden fließen sowieso.
    Die Syriza hat sich gespalten.
    Griechenland hatte bereits zwei "Hilfspakete" und einen "Schuldenschnitt". Hinzu kommen noch 92 Milliarden an "ELA-Krediten".
    Jetzt folgt ein drittes "Hilfspaket" von 86 Milliarden.
    Was hat sich geändert? NICHTS!

    Irland, Portugal und Spanien haben die Krise hinter sich gelassen; Griechenland NICHT!
    Hier sind nur die Schulden gewachsen.

    Griechenland ist ein Agrarland, kann sich aber nicht einmal selbst versorgen.
    Griechenland importiert Tomaten aus Holland, Gurken aus Spanien Milch aus Deutschland und Olivenöl aus Italien.

    Soll Griechenland jetzt mehr Schafskäse und Ouzo exportieren?

  • Griesenland hat sehr viel Geld gewonnen. Mit der Zeit ist das so eine Sache. Der Niedergang get zwar stramm Richtn viertes Hilfspaket weiter, man weiss jedcch nicht ob die Grieche in einer Zeit ohne Euro-Transferzahlungen diesen lebensstandard selbst erwirtschaften werden können.

    Tsipras macht jetzt erstmal seinen verdienten und geplanten Urlaub, nachdem die Schafsböcke im Regen stehen und die Euros im Trockenen sind. Eigentlich ideale Umtände um sih Taktike und Strategien zurecht zu legen wie man nach den Neuwahlen die von der nicht mehr greifbaren Vorgängerregierung zugesagten Reformen unterlaufen kann. es wird amüsant werden.

    Hoffentlich war die Abstimmung zur eurovernichtung namentlic. Dann können die jasagenden Hohlköpfe sich bei der nächsten Wahl schon heut eauf thematisch hübsch verzierte Wahlplakate freuen. Die wissen jetzt wahrscheinlich nicht mehr genau vor wem sie mehr Angst haben sollen. Vor Kauder und Merkels Rache oder vor den Wählern.

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