Griechenland-Paket
Banken dämpfen Hoffnung auf Gipfel-Einigung

Banken und Euro-Länder kommen sich beim angestrebten höheren Gläubigeranteil an einem zweiten Griechenland-Paket näher. Doch die Gespräche verlaufen so zäh, dass eine Einigung heute schon unwahrscheinlich ist.
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Berlin/AthenEin Schuldenschnitt auf griechische Staatsanleihen von rund 50 Prozent rückt immer näher. „Man wird sich auf einen Abschlag von nominal 50 Prozent einigen“, sagte eine mit den Verhandlungen zwischen den europäischen Regierungen und dem Internationalen Bankenverband IIF vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Auf einen geringeren Abschlag werde sich die Politik nicht einlassen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel drängte am Mittwoch auf eine Lösung, die die Staatsschulden Griechenlands auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) senken würde. „Das geht nicht, ohne dass der private Sektor in erheblich höherem Umfang an den Lasten beteiligt wird als das am 21. Juli vorgesehen war“, sagte die Kanzlerin.

Die genannte Zahl entspräche einem Schuldenschnitt von 50 Prozent und einem Beitrag der Banken von mehr als 100 Milliarden Euro.

Die Banken haben bisher laut Branchenkreisen noch nicht so viel angeboten. Sie forderten insbesondere bessere Sicherheiten. Offen ist auch, ob andere Gläubiger wie Hedge-Fonds auf die Forderungen eingehen. Um zu vermeiden, dass der Schritt als Staatspleite gewertet wird, muss der Verzicht auf freiwilliger Basis erfolgen. Für eine Einigung noch am Mittwoch dürfte die Zeit kaum reichen. „Die Einzelheiten des endgültigen Vorschlags und die Alternativen (aus denen die Banken auswählen können)werden in den nächsten Tagen ausformuliert“, sagte ein hochrangiger Banker.

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos rechnet nach einem Bericht der Zeitung „Kathimerini“ ebenfalls mit einem Schuldenschnitt auf die Hälfte. Nach seinen Vorstellungen sollen die Banken 15 Prozent des in griechische Bonds investierten Geldes in bar zurückerhalten, 35 Prozent sollten in neue 30-jährige, mit sechs Prozent verzinste Anleihen gesteckt werden.

Bankenkreisen zufolge kann sich das Verhältnis auch noch ändern. Anders als bei der Einigung im Juli auf einen Schuldenschnitt von 21 Prozent sollen die neuen Papiere nicht vom Rettungsschirm EFSF garantiert werden, als Lockmittel für die Banken solle vielmehr der Bar-Anteil dienen.

Venizelos' Gespräche mit IIF-Direktor Charles Dallara seien am Dienstag „sehr positiv“ verlaufen, hieß es in der Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise. Der erhoffte dreistellige Milliardenbetrag wird allerdings nicht ganz dem griechischen Staat zugutekommen. Weil er im Gegenzug seinen Banken, Versicherern und Pensionsfonds unter die Arme greifen muss, die einen solchen Schnitt nicht verkraften würden, kämen letztlich rund 65 bis 70 Milliarden beim Staat an, berichtete die Zeitung.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Weshalb überhaupt eine Einigung?

    Die Banken haben die Anleihen erworben und Margen zu machen. Das war's.

    Weshalb schaltet sich überhaupt die Politik ein? Es gibt in keinsterweise eine rechtliche Grundlage hierzu.

    Ich halte die Abstimmung des Bundestages für Nonsens und für das Volk für nicht verpflichtend wie eine Abstimmung über's Wetter im nächsten Jahr.

    Nicht zuletzt wurden die Abgeordneten vereidigt mit dem Zusatz: "zum Wohl des deutschen Volkes". Die Entscheidung ist zum Schaden des deutschen Volkes, nicht nach Meinung des deutschen Volkes und wird somit von dem geleisteten Eid nicht abgedeckt. Sie steht auch im Widerspruch zur Expertenmeinung.

    Viele Abgeordneten haben eingestanden, dass das über das sie abstimmen. von Ihnen geistig nicht durchblickt wird. Wenn dies zutrifft, dann kann deren Entscheidung nur die Stimmenthaltung aber niemals ein Votum "dafür" sein.

    Der Bundespräsident sollte sich in die negativen Auswüchse einschalten und für Verantwortlichkeit und Klarheit sorgen. Ich hoffe, dass es noch mutige Abgeordnete gibt, die eine einstweilige Verfügung erwirken.

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