Griechenland
Papandreou - der entzauberte Held

Götterdämmerung bei Griechenlands Sozialisten: Nach dem erzwungenen Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten muss Giorgos Papandreou jetzt auch um den Vorsitz der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) bangen.
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Es war eine lange Nacht. Zwölf Stunden lang tagte diese Woche im Hauptquartier der Pasok an der Athener Hippokrates-Straße der Politische Rat, das zweithöchste Exekutiv-Organ der Partei. Pasok-Chef Giorgos Papandreou führte, wie gewohnt, den Vorsitz. Es habe hitzige Debatten gegeben, aber irgendwie hätten alle „um den heißen Brei herumgeredet“, berichtet ein Teilnehmer.

Das entscheidende Wort, das vielen in der Runde auf der Zunge lag, habe, zumindest in Gegenwart Papandreous, niemand auszusprechen gewagt: Rücktritt. Stattdessen sei von „Handlungsdruck“, von „Führungsfragen“ die Rede gewesen und von „sauberen Lösungen“, die man nun finden müsse. Gegen vier Uhr in der Früh gingen die Genossen erschöpft und ratlos auseinander. Beschlüsse wurden in der Marathonsitzung nicht gefasst.

Dabei hat die Pasok durchaus Entscheidungsbedarf. Während Griechenland immer tiefer in den Schuldenstrudel gerät, durchquert die Partei ein Tal der Tränen. Mit triumphalen 44 Prozent gewannen die Sozialisten die Wahlen vom Oktober 2009. Jetzt liegen sie in den Umfragen nur noch bei blamablen 13 Prozent. Sparkurs und Steuererhöhungen fordern ihren Tribut. Das bekommt auch Papandreou zu spüren.

Vor zwei Jahren hatten 82 Prozent der Griechen eine positive Meinung von dem frisch gewählten Premier. Heute sind es nur noch zwölf Prozent. Giorgos Papandreou, der 2004 zum Vorsitzenden der von seinem Vater Andreas gegründeten gewählt wurde und damals deren Hoffnungsträger war, ist für die Partei zu einer Hypothek geworden. So sehen es zumindest jene, die ihn jetzt beerben wollen.

Dabei hatte der 59-Jährige trotz bereits abbröckelnder Umfragewerte noch vor wenigen Monaten die Partei fest im Griff. Doch dann redete er sich mit seiner unbedachten Ankündigung einer Volksabstimmung über das Sparprogramm um Kopf und Kragen. Nicht nur Griechenlands Partner und Kreditgeber fühlten sich von Papandreou hintergangen. Auch die Partei revoltierte, denn mit dem geplanten Referendum stellte Papandreou Griechenlands Mitgliedschaft in der Euro-Zone zur Disposition.

Anfang November sprach die sozialistische Regierungsfraktion dem Premier zwar noch einmal das Vertrauen aus. Aber um einen hohen Preis: Papandreou musste versprechen, das Amt des Ministerpräsidenten abzugeben. Wenige Tage später übergab er die Amtsgeschäfte an den parteilosen Krisenmanager Lucas Papademos.

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  • Ich erkenne in Griechenland kein europäisches Land mehr. Das sind für mich kulturfremde Orientalen.
    Schade.

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