Griechenland Papandreou stemmt sich gegen Umschuldung

Griechenland lehnt nach den Worten von Ministerpräsident Papandreou eine Umschuldung weiter ab. Auf die Konservativen im eigenen Land kann er bei seinem Sanierungsplan aber nicht setzen.
Update: 17.05.2011 - 21:20 Uhr 9 Kommentare
Griechenlands Premier Papandreou: Kosten der Restrukturierung größer als potentieller Nutzen. Quelle: Reuters

Griechenlands Premier Papandreou: Kosten der Restrukturierung größer als potentieller Nutzen.

(Foto: Reuters)

Athen/MeschedeDie Regierung von Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou sowie europäische Institutionen und andere Mitglieder der Eurogruppe seien der Meinung, dass die Kosten einer Restrukturierung den potenziellen Nutzen bei weitem übertreffen würden, sagte Papandreou am Dienstag auf einer Wirtschaftskonferenz.

Die Euroländer erwägen in dem bislang erfolglosen Kampf gegen die Schuldenkrise inzwischen eine "sanfte Umschuldung", bei der Griechenland mehr Zeit für die Rückzahlung seiner Darlehen bekommen würde.

Konservative wollen nicht mit Sozialisten zusammenarbeiten

Unterdessen wies der Parteichef der oppositionellen Konservativen in Griechenland die Forderung der EU nach einer Zusammenarbeit mit der von den Sozialisten geführten Regierung zurück. Antonis Samaras sagte am Dienstag, er halte den bisherigen Kurs der Sozialisten im Kampf gegen die Schuldenkrise für falsch und werde den von der EU geforderten zusätzlichen Sparmaßnahmen nicht zustimmen.

Der Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, hatte bei einem EU-Finanzministertreffen in Brüssel am Montag gefordert, die regierenden Sozialisten und die Konservativen müssten sich demonstrativ auf einen gemeinsamen Kurs gegen die Finanz- und Schuldenkrise einigen. Die von der EU gewünschten Maßnahmen sehen unter anderem eine schnellere Privatisierung vor, auch wurde die Verlängerung der Kreditlaufzeiten diskutiert.

Parteichef Samaras sagte, er stimme zwar mit der EU über die Ziele der Maßnahmen überein, halte aber die bisher in Griechenland verfolgte Wirtschaftspolitik für nachweislich falsch. Wenn Maßnahmen schlecht für das Land seien, dürfe man ihnen nicht zustimmen.

Zurzeit besucht eine Delegation von Abgesandten der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) Athen, um zusätzliche Maßnahmen mit der Regierung zu diskutieren. Der Finanzstaatssekretär der Bundesregierung Jörg Asmussen sagte, es sei wahrscheinlich, dass die Abordnung ihren Besuch um eine Woche verlängere, um festzustellen, ob Griechenlandein zweites Hilfspaket bedürfe.

Schatzwechsel zu niedrigeren Zinsen verkauft

Mit dem Verkauf kurzfristiger Schatzwechsel erzielte Griechenland am Dienstag einen Erlös von 1,63 Milliarden Euro zu einem niedrigeren Zinssatz als im Vormonat. Wie die Behörde für öffentliche Schulden mitteilte, wurden die Schatzwechsel zu einem Zinssatz von 4,06 Prozent abgesetzt - am 19. April hatten die Investoren 4,10 Prozent verlangt. Das jüngste Angebot sei auf eine große Nachfrage gestoßen und mehrfach überzeichnet gewesen.

Merkel fordert einheitliches Rentenalter für Europa

Angesichts der Milliardenhilfen für angeschlagene Euro-Staaten hat Bundeskanzlerin kritisierte Angela Merkel (CDU) unterdessen das frühe Renteneinstiegsalter und die Urlaubsregelungen in einigen Ländern. Es gehe nicht nur darum, keine Schulden zu machen, sagte die CDU-Vorsitzende bei einer Parteiveranstaltung am Dienstag in Meschede in Nordrhein-Westfalen. "Es geht auch darum, dass man in Ländern wie Griechenland, Spanien, Portugal nicht früher in Rente gehen kann als in Deutschland, sondern dass alle sich auch ein wenig gleich anstrengen - das ist wichtig."

Nach heftigem Streit wird in Deutschland derzeit das Renteneinstiegsalter schrittweise von 65 auf 67 Jahre heraufgesetzt.

Merkel fügte weiter hinzu: "Wir können nicht eine Währung haben und der eine kriegt ganz viel Urlaub und der andere ganz wenig. Das geht auf Dauer auch nicht zusammen." Gesetzlich festgelegt sind in Deutschland mindestens 20 Tage Urlaub.

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9 Kommentare zu "Griechenland: Papandreou stemmt sich gegen Umschuldung"

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  • Das wäre zwar ein Weg, aber viel zu teuer für uns. GR hat nur 2 % vom gesamten Wirtschaftsvolumen im EURO-Raum. Wenn GR austreten würde, könnte sich GR über eine schlappe Drachme wieder erholen, ohne dass es zu weiteren Generalstreiks kommen muss. Der EURO würde ein kleine kurzfristige Delle im Wechselkurs bekommen. Leicht auszuhalten, sogar gut für die deutsche Exportwirtschaft, damit für Beschäftigung und Steueraufkommen. Der schlimmste Fall ist die Konkursverschleppung, weil immer teuerer und ohne Ende, auch für die GR-Wirtschaft. Dann können wir gleich feste Transferzahlungen für GR beschließen, und zwar dauerhaft.

  • Das, was Merkel und Konsorten bezüglich Griechenland und weiterer veranstalten, hat nicht, aber auch gar nicht mit der Idee großer Politiker zu tun, die sich einst vehement für die Einführung des Euros stark machten. Warum sollen u.a. wir Deutsche dafür zahlen, was andere mit ihrer Misswirtschaft in Grund und Boden gefahren haben?
    Auf der anderen Seite ist es dreist, wenn Frau Merkel anderen Ländern vorschreiben will, wie die Arbeitszeiten und Lebensarbeitszeiten regeln. Das ist wirklich eine Frechheit, von der vermeintlich eisernen (aber doch so schwachen) Kanzlerin. Nur müssen die Griechen, Portugiesen etc. dann natürlich auch mit den Konsequenzen leben, also ein an Produktivität, Erfolg, gerechter Lastverteilung (z.B. Steuer) und Freizeitanspruch angepassten Lebensstandard.
    Irgendwann wird auch dem deutschen Michel alles zu viel werden.

  • Wirtschaftswachstum in Frankreich liegt höher als in Deutschland? von welchem Jahr reden sie? ganz bestimmt aber nicht von 2010.

    Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich das Renteneintrittsalter angleicht. Deutschland zahlt am meisten (nicht nur Europa) und arbeitet (dafür) am längsten. Da müssen die anderen Länder im Sinne der Gerechtigkeit nachziehen!

  • Offenbar will die Kanzlerin so verstanden werden: Macht es so wie wir! und preist ihr Konzept vom ungehemmten Lohndumpng. Mehr als 6,5 Mio. Menschen (>20%) in Deutschland arbeiteten 2008 für Niedriglöhne.

    Die Christlich belgische Gewerkschaft CSC ruft daher zur Solidarität mit Arbeitnehmern in Deutschland auf:

    "Heinrich verdient 4,81 Euro die Stunde. Helft Heinrich."
    (Siehe --> http://is.gd/BAYjzO)

    Nicht ohne Grund: Für sie scheint es keineswegs wunderbar, wenn Wachstum darauf fußt, dass mittlerweile mehr als zwei Millionen Arbeitnehmer in Deutschland für weniger als 6 €/Std. schuften, 50% davon nicht 5 €. Darunter 2/3 mit abgeschlossener Berufsausbildung, 7% mit Hochschulabscluss.

    Am "deutschen Wesen genesen" wollen in Europa immer weniger. Zumal Frankreich beweist: Kräfitges Wirtschaftswachstum ist auch bei deutlich höheren Sozialstandards möglich: Im Durchschnitt erhalten Arbeitnehmer dort 50% Rente mehr - Renteneintrittsalter ist 60 (noch bis 2018) und ein Mindest-Monatslohn von 1365 Euro, beim gemeinsamen Nachbarn Luxemburg sind übrigens 1758 Euro das Minimum. Ohnehin ist das XXL-Wachstum in Deutschland eine durch die neoliberalen befeuerte Mär: 2011 (+2,5%) wird gerade mal wieder der Stand von 2008 erreicht. Im Saldo gab es somit 3 Jahre überhaupt kein Wachstum.

    Auch in Österreich brodelt es gegen den Deutschen Lohndumping-Wahn. Ökonom Günther Oswald stellt im Standard fest: Deutschlands Lohndumping-Ökonomie ist maßgeblich an der derzeitigen Schuldenkrise beteiligt: Gab es 2000 noch Exportüberschüsse von sieben Milliarden Euro, sind es 2007 schon 170 Milliarden.

    Im gleichen Maße nimmt die Zahlungsfähigkeit in Staaten wie Griechenland, Portugal, Spanien oder Italien ab, wächst die europäische Blase. Dadurch, dass in Deutschland die Arbeitnehmer nicht am Aufschwung beteiligt wurden, können diese Länder nicht mehr nach Deutschland exportieren - um so ihre auf Pump gekauften Importe zu bezahlen.

    (Siehe ---> http://is.gd/qmJdag)

  • Ron die Griechen haben jetzt schon 340 oder sogar 350 mrd € schulden, ende des Jahres werden es bestimmt 400 mrd oder mehr sein.
    Die Griechischer Regierung sollte die Drachme wieder ein führen um so Wettbewerbs fähig zu sein und Sie muss Ihren Millitär ausgaben drastisch kürzen noch besser für die nächsten 5 Jahre sogar aussetzen...bitte kommt mir nicht mit der bösen Nachbarn (Türkei). Für die Türkei ist es ein existenzielle Notwendigkeit, das sich Griechenland seine Wirtschaft verbessert und somit der Frieden zwischen beiden Ländern gesichert bleibt, wenn das nicht eintrifft und die Extremen in Griechenland an die Macht kommen dann ist Kalinichta EU.

  • Über so viel Naivität kann man den Glauben an die Politik vollends verlieren: Es liegt ganz bestimmt nicht am niedrigeren Renteneintrittsalter oder an mehr Urlaub von griechischen Arbeitnehmern, die zu solch exorbitanten Schulden dort führten. Griechenland hatte noch nie die Kriterien zur Aufnahme in den Euroraum erfüllt. Nun wird die Rechnung präsentiert und es werden Transferleistungen nötig, die den dortigen jährlichen Staatshaushalt übersteigen und ein Ende ist nicht absehbar! Das dortige Haushalts- Steuer- und Sozialversicherungsrecht wird unausweichlich zum Bankrott Griechenlands führen. D.h., die Geldleistungen werden verpuffen wie auch der Nutzen für die Banken und die Exportwirtschaft. Genauso gut hätte man auch Konsumbeihilfen im Inland tätigen können, dann hätte wenigstens die inländische Bevölkerung einen Nutzen davon gehabt. Nur, all diese Maßnahmen bewirken keine nachhaltige Anhebung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Richtiger wäre deshalb, die Gelder im Inland zu investieren, attraktivere Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu schaffen und auch eine gerechtere und bessere Entlohnung der öffentlich Bediensteten zu gewährleisten. Damit würde der Binnenmarkt gestärkt, der Konsum angeregt und die Geburtenquote angehoben werden.
    Ach wie schön wäre es, wenn sich Politiker aller Couleur endlich mit der Beherrschung der 4 Grundrechenarten auseinandersetzen würden, um alternativlose (sprich fantasielose) Programme, die zig Millarden kosten, zu vermeiden!

  • Griechenland wird Ende 2011 in ca. 330 Mrd. Euro offizielle Staatsschulden angehäuft haben, nicht mitgerechnet diverse Schattenhaushalte, Pensionsverpflichtungen, kommunale Schulden usw. Die Neuverschuldung liegt bei weit über 10 Prozent, sprich, das Land zerbricht bereits jetzt unter seiner mangelnden Wettbewerbsfähigkeit und den eingegangenen Verpflichtungen. Sollte man in dieser Lage umschulden? Nein! Ein solcher Schritt würde die Zinsen für griech. Staatsanleihen dauerhaft in astronomischer Höhe manifestieren. Selbst bei einem Schuldenschnitt von 50 Prozent kämen auf das Land mittelfristig gigantische Finanzierungskosten zu, denn alle bisherigen Schulden - schön verzinst mit ca. 3 bis 4 Prozent - müssten Schritt für Schritt nach Auslaufen neu beliehen werden. Wenn das Land aber nun nicht 3 sondern 10 oder sogar 20 Prozent auf seine Anleihen zahlen muss, vervielfachen sich auch die Zinszahlungen. Die Wirtschaft würde vollends kollabieren. Die einzige Lösung aus der Schukdenkrise ist die Abwertung des Euros unter gleichzeitiger Wiedereinführung aller alten nationalen Währungen. Nur so haben wir alle noch eine Chance mit zwei blauen Augen aus einer Chaoswährung herauszukommen, die Europa geradewegs in den Ruin triebt. Dieser We ist hart - aber alternativlos. Alles andere ist ein teures Erkaufen von Zeit und wird am Ende nichts nützen. Europa braucht ein Ende des Euros!

  • Tägliche Zinslast 180.000 Euro
    Aufgebracht durch den Verkauf von Oliven und Veta

  • "mehr Zeit für die Rückzahlung"


    Was ein dummes Gesülze.
    Dann verzichtet gleich und für immer, dann ist die Aufregung am Anfang groß aber danach ist wirklich Ruhe.
    Es läuft auf das Selbe hinaus.

    Aber wem sage ich das, ihr müßt halt den Dummichel verarschen. Ein Bisschen Bohlen, ein Bisschen Özil und ein Bisschen Steuersenkunggerede, dann läuft das schon.

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