Griechenland
„Plan B“: Putsch für die Drachme

Griechenland drohte nicht nur der Absturz in die Pleite. Das Land stand kurz vor einem Putsch. Das Ziel des Staatsstreichs, den führende Mitglieder der Regierungspartei Syriza planten: die Rückkehr zur Drachme.
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AthenWas will Alexis Tsipras? Am Euro festhalten, wie er seinen Landsleuten öffentlich versichert? Oder doch zurück zur Drachme? Brisante Enthüllungen der Athener Sonntagszeitung „Kathimerini“ werfen ein neues Licht auf die Rolle des griechischen Premiers und seines inzwischen entlassenen Finanzministers Yanis Varoufakis: Tsipras soll bereits im Dezember 2014, mehr als einen Monat vor seinem Wahlsieg, seinen damaligen Wirtschaftsberater Varoufakis beauftragt haben, Pläne für eine Rückkehr zur Drachme auszuarbeiten. Aber Varoufakis war nicht der einzige in der Athener Regierung, der solche Überlegungen anstellte.

Geschlossene Banken, lange Schlangen vor den Geldautomaten, Kapitalkontrollen – das alles mussten die Griechen in den vergangenen vier Wochen erleben. Aber es hätte noch weitaus schlimmer kommen können. Dem Land drohte nicht nur der Absturz in die Pleite. Griechenland stand kurz vor einem Putsch. Das Ziel des Staatsstreichs, den führende Mitglieder der Regierungspartei Syriza planten: die Rückkehr zur Drachme.

Giannis Stournaras, Gouverneur der griechischen Notenbank und Mitglied im Zentralbankrat der Europäischen Zentralbank (EZB) kann sich glücklich schätzen, seine Freiheit zu genießen. Ginge es nach Panagiotis Lafazanis, Mitglied im Zentralkomitee des radikalen Linksbündnisses Syriza und bis vor kurzem Energieminister im Kabinett von Alexis Tsipras, säße Stournaras jetzt in einer Gefängniszelle – oder zumindest in Hausarrest.

Lafazanis wollte den Notenbankchef, der sich schon als Finanzminister in den Jahren 2012 bis 2014 den unversöhnlichen Hass vieler Syriza-Politiker zugezogen hatte, verhaften lassen – Teil eines Plans, das Land vom Euro zu befreien und zu einer eigenen Währung zurückzuführen, ohne lästige Spar- und Reformauflagen der Gläubiger. Was Lafazanis plante – und vielleicht immer noch plant – ist nicht weniger als ein Staatsstreich.

Das Drei-Sterne-Hotel Oscar im Athener Bahnhofsviertel gehört nicht gerade zu den Spitzenherbergen der griechischen Hauptstadt. Aber es könnte in die politische Geschichte des Landes eingehen – als Treffpunkt einer Verschwörung.

Stathis Leoutsakos gehörte zu den geladenen Gästen, als sich am Abend des 14. Juli führende Figuren des linksextremen Syriza-Flügels in einem Konferenzsaal des Hotels Oscar trafen, um einen Schlachtplan zu schmieden.

Aber was er vor dem Eingang des Hotels antraf, gefiel dem Abgeordneten Leoutsakos gar nicht: Journalisten, Fernsehteams, Fotografen. „Wer hat Euch bestellt?“, herrschte der resolut auftretende frühere Gewerkschaftsfunktionär die Reporter an. „Du da, hast Du eine Einladung?“ ging Leoutsakos einen der Pressevertreter frontal an.

Kein Wunder, das man unter sich sein wollte. Denn was Energieminister Lafazanis wenige später im Konferenzsaal des Hotels den Genossen vortrug, hatte es in sich: „Wir wollen eine nationale Währung“, sagte Lafazanis laut Teilnehmern des Treffens. „Das war unser Plan von Anfang an, wir hätten das längst umsetzen sollen, aber es ist noch nicht zu spät dafür.“

Es waren dramatische Stunden für Griechenland. Tags zuvor war Premier Tsipras nach einer nächtlichen Marathonsitzung vom Sondergipfel der Euro-Staats- und Regierungschefs nach Athen zurückgekehrt – mit einer Vereinbarung, von der er selbst sagte, sie sei „schlecht“, ihm aber von den Partnern aufgezwungen worden. Er habe keine andere Wahl gehabt, als den Spar- und Reformauflagen zuzustimmen.

Lafazanis glaubte: Es gab eine Alternative. Und er entwickelte im Hotel Oscar seinen „Plan B“: Als erstes müsse man das Nomismatokopeion besetzen, die staatliche Münzanstalt an der Mesogeion-Avenue im Athener Stadtteil Cholargos.

In der Münze stehen die Druckmaschinen, mit denen die griechische Zentralbank im Auftrag der EZB eine genau festgelegte Anzahl von Euro-Banknoten drucken darf. Es sind aktuell Zehneuroscheine, früher wurden hier auch Fünfer und Zwanziger gedruckt. Zu erkennen sind die in Athen gedruckten Scheine an einem Y vor der Seriennummer.

Zugegeben: Mit Zehneuroscheinen kommt man nicht sehr weit. Aber interessanter war für Lafazanis: In den Tresoren der Münzanstalt sowie in den Zweigstellen der griechischen Zentralbank im ganzen Land lagern erhebliche Bargeldbestände – 22 Milliarden Euro nach Angaben von Lafazanis. Wenn man darauf zugreife, könne man über mehrere Monate hinweg Renten und Gehälter im Staatsdienst zahlen, während man den Übergang zu einer eigenen Währung vorbereite.

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  • An die Redaktion: Ich bekam beim Abschicken keine tech. Reaktion, sende den Kommentar daher nochmals, Bitte Duplikat ggf entfernen. Danke. Helga Karl

    Das sind Halbwahrheiten, die hier vom Handelsblatt verbreitet werden - ist mein Bewertungsstand nach Check mehrerer Medien, eine Kampagne.

    Ich muss also selber weiter recherchieren.
    Belegt ist der Grexit-Plan des deutschen Finanzministers Schäuble bzw. dessen Überlegungen (Strategie?) GREXIT. Ich wüsste gern eine Antwort - Journalismus statt Kampagne - von der Handelsblatt-Redaktion:

    Ministerpräsident Tsipras hat im griechischen TV-Sender ERT gesagt:

    Zitat: "„Ich wusste seit März von Schäubles Plan. Merkel sagte mir, der funktioniere nicht", so Tsipras. "Ich habe um eine Analyse der Folgen von Grexit gebeten. Nachdem ich die gelesen hatte, wusste ich, dass der Austritt aus dem Euro keine Alternative ist.“ Schäubles Grexit-Plan.
    Den Hinweis fand ich am 15.7.2015 bei sputnik-news, deutsche Ausgabe. . Ich nutze unideologisch unterschiedliche Quellen und fand dort mehrfach ausgezeichnete Informationen.

    In D entscheidet der BUNDESTAG über ein Verhandlungsmandat und die Richtung, nur er kann Verhandlungsergebnisse annehmen, hier "Griechenlandhilfe".
    Belegt ist, es gab den Schäuble-Grexit-Plan. Als ein Grünen-Abgeordneter nach der Existenz eines "Grexit-Papiers" fragte, bekam er als Antwort "gibt es nicht".
    Nachts am 11.Juli 2015 fand ich einen Link bei ZDF zur Homepage des Grünen-Europaabgeordneten Sven Giegold, dort war das angegblich nicht exististierende "Schäuble-Gexit.Papier" als pdf veröffentlicht.

    An jene im Forum, die sich gegen Linke nur "auskotzen":
    BEIDE IWF-Hilfspakete sind nach Analyse des IWF gescheitert.
    In diesen Jahren war NIEMAND der LINKEN (links von Pasok) in der griech Regierung, zuletzt war MinPräs der Konservative SAMARAS. FAKTEN

    DASS Herr Tspipras die Folgen eines Gexit kennen will, und Einführung der Drachme, ist für mich selbstverständlich. V. hat Analysen/Planungen dazu bestätigt

  • Natürlich ist das eine Super Geschäftsidee. Was meinen sie, warum der freie Kapitalverkehr seine Pforten solange geöffnet hatte. Oder glauben sie etwa daran, das auf den griechischen Banken noch fünfstelliger Betrag liegt.

  • Es wurde bei jeder Verhandlungsrunde klarer, dass Griechenland aus dem Euro will. (Wie andere Euroländer vermutlich auch). Aber die beiden Griechen hatten nicht vorausgeplant, wie verblödet Merkel, Draghi und Junker ihnen das Geld auch dann noch hinterhertragen würden. Einem geschenkten Gaul voller Euromünzen schaut man nicht aus Maul, sondern lässt ihn erstmal fleißig weiter scheißen, denn dumm sind die Griechen wohl eher nicht gerade.

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