Griechenland
Polizei nimmt Chef von Neonazi-Partei fest

Die Vorwürfe sind erdrückend: Die griechische Neonazi-Partei "Goldene Morgenröte" soll in Angriffe auf Migranten verwickelt sein - darunter sogar ein Mord. Jetzt griffen Anti-Terror-Spezialisten der Polizei zu.

AthenDie griechische Polizei hat den Vorsitzenden der Neonazi-Partei Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) festgenommen. Der 56-jährige Nikos Michaloliakos und ein Abgeordneter seiner Partei seien am Samstagmorgen unter dem Vorwurf, zu einer "kriminellen Organisation" zu gehören, verhaftet worden, sagte ein Polizeivertreter. Demnach wurden zudem Haftbefehle für mindestens drei weitere Abgeordnete der rechtsextremen Partei ausgestellt.

Chrysi Avgi wird die Verwicklung in zahlreiche Angriffe auf Migranten und Linke vorgeworfen, darunter den Mord an dem linken Rapper Pavlos Fyssos. Der 34-jährige Musiker war am 18. September von einem Neonazi erstochen worden. Die Tat löste eine Welle der Empörung aus und führte zu weitreichenden Ermittlungen gegen die rechtsextreme Partei. Kritiker werfen Polizei und Justiz vor, die Hetzreden und die Gewalttaten der Partei und ihrer Anhänger viel zu lange geduldet zu haben.

Die Festnahme von Michaloliakos erfolgte einen Tag, nachdem er mit dem Rückzug aller Abgeordneter seiner Partei gedroht hatte. Chrysi Avgi ist mit 18 Abgeordneten im Parlament vertreten. Ihr Rückzug würde zu Nachwahlen in 15 Regionen führen. Dabei droht ihr der Verlust der meisten oder all ihrer Mandate. Allerdings könnten Nachwahlen die Mehrheitsverhältnisse in dem Parlament durcheinanderbringen, in dem die Regierungskoalition nur eine knappe Mehrheit hat.

Die rechtsextremistische und ausländerfeindliche Splitterpartei hatte im Zuge der Finanzkrise in Griechenland erheblichen Zulauf erfahren und bei der Wahl 2012 rund sieben Prozent der Stimmen und 18 Mandate im Parlament errungen.

Regierungssprecher Simos Kedikoglou ging auf Details der Polizeiaktion nicht ein, sondern sagte nur: „Die Demokratie kann sich selbst schützen. Die Justiz wird ihre Arbeit tun.“ Es ist das erste Mal seit 1974, dass amtierende Abgeordnete des Parlaments festgenommen wurden.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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