Griechenland Private Gläubiger könnten weiteres Geld verlieren

Griechenland könnte zum Schuldenabbau einen Teil seiner Staatsanleihen von Privatinvestoren zurückkaufen – für ein Viertel des Wertes. Der Vorschlag soll aus Deutschland kommen.
Update: 19.11.2012 - 21:50 Uhr 21 Kommentare
Ein Mann vor dem Parlamentsgebäude in Athen. Quelle: dapd

Ein Mann vor dem Parlamentsgebäude in Athen.

(Foto: dapd)

Berlin/Brüssel/AthenGriechenland soll Kreisen zufolge nach dem Willen Deutschlands die Hälfte seiner ausstehenden Staatsanleihen von Privatinvestoren zurückkaufen und so seine Schulden senken. Wie die Nachrichtenagentur Reuters von einer mit den Vorgängen vertrauten Person am Montag erfuhr, würden die Inhaber der Papiere 25 Prozent des Wertes erhalten.

Der Vorschlag wurde demnach bei Gesprächen zur Vorbereitung des Euro-Finanzministertreffens am Dienstag unterbreitet. Mit dem freiwilligen Rückkauf soll die Schuldenquote Griechenlands um elf Prozentpunkte sinken. Für das kommende Jahr wird erwartet, dass das Land Verbindlichkeiten in Höhe von 190 Prozent seiner Wirtschaftsleistung hat.

Private Gläubiger halten noch griechische Anleihen im Wert von etwa 60 Milliarden Euro. Bei den anderen Gläubigern handelt es sich um die Euro-Länder, den Internationalen Währungsfonds und die Europäische Zentralbank. Dem deutschen Vorschlag zufolge soll der Rückkauf 7,5 Milliarden Euro kosten. Die Hälfte davon würde die griechische Regierung tragen. Die andere Hälfte würde mit Gewinnen bezahlt, die die EZB mit ihren griechischen Staatsanleihen macht.

Bei dem Treffen der Euro-Finanzminister am Dienstag wird erneut über Lösungen für die Krise Griechenlands beraten. Auf der Tagesordnung steht etwa die Frage, ob die Eurogruppe eine dringend von Athen benötigte Kreditrate in Höhe von rund 31 Milliarden Euro freigibt.

Griechenland liegt bei der Umsetzung seines Sparprogramms hinter den Vorgaben der Geldgeber zurück. Die Euro-Finanzminister suchen daher nach Wegen, eine neue Finanzlücke in Milliardenhöhe zu füllen. Diplomaten rechnen deshalb damit, dass die Verhandlungen bei dem Sondertreffen der Euro-Kassenhüter - wie schon in der vergangenen Woche - erneut sehr kompliziert werden.

Nach Angaben von Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter könnten die Minister die für diesen Dienstag angestrebte Entscheidung somit auch vertagen. „Wenn da morgen Abend (Dienstag) keine Einigung erfolgt, dann wird es später erfolgen“, sagte Kampeter in Berlin. „Der Entscheidungsdruck kommt nicht von der Zeit, sondern von den noch nicht deckungsgleichen sachlichen Dingen.“

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21 Kommentare zu "Griechenland: Private Gläubiger könnten weiteres Geld verlieren"

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  • Lieber Herr Rechner, schön, dass Sie die -Zeit finden um 5.05 Uhr morgens solche Berechnungen anzustellen. Ihren Unmut haben Sie auch deutlich gemacht. Müsste ich als ehemaliger Lehrer Ihren Beitrag benoten stünde darunter allerdings Thema verfehlt, leider ungenügend.
    Wen interessiert wie sich der griechische Haushalt von 2001 - 2011 entwickelt hat? Eine solche Betrachtung ist nicht zielführend. Wichtig wäre es zu sehen wie sich der Haushalt seit 2009 entwickelt hat und da sind erhebliche Einsparungen gemacht worden. Überholt ist auch, dass Griechenland ein primäres Haushaltsdefizit hat. Tatsächlich gibt es einen Primärüberschuss, aber das interessiert Sie ja auch nicht wirklich, da Sie sich ja mehr auf das Lesen der Gedanken spezialisiert haben. Wie sonst hätten Sie wissen können, dass die Griechen "nicht im Traum daran (denken) jemals einen Pfennig ihrer Schulden zu verzinsen oder gar zurückzuzahlen." Ich denke wenn Sie sagen die Griechen, dann meinen Sie alle Griechen, die es gibt und die Sie auserkoren haben in ihrem Namen zu sprechen. Wahrscheinlich können Sie das, weil Sie ein guter Bekannter der "Bettelbetrüger Samaras und Venizelos" sind und genau deshalb ist ihr Kommentar auch so erwachsen und hilfreich. Wie hat doch der deutsche "Philosoph" Dieter Nuhr so richtig gesagt:"Das ist so schrecklich, dass heute jeder Idiot zu allem eine Meinung hat. Ich glaube, das ist damals mit der Demokratie falsch verstanden worden: Man darf in der Demokratie eine Meinung haben, man muss nicht. Es wäre ganz wichtig, dass sich das mal rumspricht: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten."

  • Mit solchen Zwangsmassnahmen gewinnt Europa langsam das Image Südamerikas von vor 30 Jahren, mit gleichen Folgen für Kredit-und Glaubwürdigkeit. Eine Ansammlung von Bananenrepubliken, nur ohne Bananen

  • @oldi
    zu einer Bonitätsabwertung muss es nicht kommen, wie das Beispiel Finnlands gezeigt hat. Finnland hat ausdrücklich sein Triple A bestätigt erhalten, weil es für seine Kredite ein Pfand verlangt hat. Die Pfänder müssen nur werthaltig oder eine gute Wirtschaftsidee sein wie zum Beispiel der griechische Hafen für die Chinesen. Schließlich hat man früher auch mal über Solarenergie nachgedacht.

  • Man kann doch niemanden zwingen, seine Anleihen VOR ENDE DER LAUFZEIT zu verkaufen und dann bekommt man (normalerweise) immer 100 % des Nominal-Wertes der Anleihe zurück und nicht 25 %, wenn man "zwischendurch" verkauft.

    Oder sollen die Privat-Investoren auch noch zum Verkauf "zwischendurch" gezwungen werden mit 75 % Verlust ?

  • Wer A sagt muss auch B sagen. Das ist die Folge aus 2008, als aus falsch verstandener Solidariät GR gerettet werden musste. Eine damalige Operation = Insolvenz wäre zwar teuer gewesen, aber die seit 2008 anhaltenden permanenten Reha-Maßnahmen werden noch teurer und stürzen zudem den normalen GR-Bürger in die Armut, weil GR nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Mit dem Wechselkursmechanismus wäre dies heute sicherlich wieder der Fall. Außerdem befassen sich die Staatschefs ausschließlich nur noch mit der EURO-Rettung, statt mit ihren horrenden Inlandsproblemen. Einige Regierungen mussten deshalb schon gehen. Die Transferunion ist inzwischen gesichert, zum Vorteil der unproduktiven Warmwasserländer, zum Nachteil künftiger deutscher Generationen, die dann jährlich bis in den Oktober hinein nur für die öffentlichen (Transfer)Kassen arbeiten müssen. Eine tolle Perspektive!

  • "Privatinvestoren"- ich kann das nicht mehr hören.

    Sollen Weidmann und Regling doch ehrlich sein und zugeben, daß es sich dabei fast ausschliesslich um Pleitebanken wie die Commerzbank etc.handelt, die schon am Trpf des Staates hängen und für deren Verluste die Steuerzahler haftbar gemacht werden.

    Ein widerliches Schmierentheater.

  • ich frag mich wann griechenland denn endlich die währungsunion verlässt? es ist seit jahren absehbar, nur teile der politik wollen es nicht wahr haben.

    die frage ist doch: warum löst die politik nicht die euro-krise? weil sie es nicht kann? wenn sie es nicht kann, warum tritt sie nicht zurück?

  • Diese Verrenkungen sind nur noch lächerlich.

    Griechenland fährt weiterhin ein primäres Haushaltsdefizit.

    Was nichts anderes heißt, als daß es auch für die erst im März um 100 Milliarden verringerte Schuldenlast keinen Pfennig an Zinsen oder Tilgungen leistet, sondern sich stattdessen Monat für Monat noch mehr leiht.

    Und daß, obwohl es seine Staatsausgaben in den letzten 10 Jahren (2001-2011) um satte 62,6% erhöht hat.

    Die Griechen denken offensichtlich nicht im Traum daran jemals einen Pfennig ihrer Schulden zu verzinsen oder gar zurückzuzahlen.

    Wer das Geschwätz der Bettelbetrüger Samaras und Venizelos über die "Grenze der Belastbarkeit der griechischen Gesellschaft" glaubt ist wirklich mit der Muffe gepufft.

    Hier dem schlechten Geld noch mehr gutes hinterherzuwerfen wäre unverantwortlich.

    Der europäische Rat und die EZB (Schluß mit der ELA!) sollten diesem peinlichen Theater heute ein Ende bereiten.

    Ansonsten mutiert Europa vollkommen zur Lachnummer, die sich von jedem schmierigen Ganoven beliebig ausplündern läßt.

  • Im Gegenteil. Deutschland importiert vermutlich eine Ratingabwertung. Für dem Markt können die 20 Mrd. gleich abgeschrieben werden.

    Das würde nur über die EZB funktionieren.

  • Sehe ich ähnlich.

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