Griechenland
Samaras trommelt für Gemeinschaftswährung

Bleibt Griechenland in der Eurozone? Die linke Partei will den Rauswurf riskieren, der Chef der Konservativen plädiert erneut für den Euro. Allerdings will auch er den vereinbarten Sparkurs nicht ohne weiteres hinnehmen.
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AthenVor der Schicksalswahl in Griechenland steht Europa unter Hochspannung. Die EU-Kommission hielt sich am Freitag ebenso wie die Bundesregierung und andere Euro-Länder mit Äußerungen zu dem Urnengang am Sonntag zurück, der als Abstimmung über einen Verbleib des Landes in der Währungsunion gilt. Der Chef der griechischen Konservativen, Antonis Samaras, warnte eindringlich vor einer Abkehr der Sparvereinbarungen.

Griechenland werde im Falle eines Wahlsiegs seiner Nea Dimokratia die Krise hinter sich lassen, aber nicht die Gemeinschaftswährung, rief Samaras bei seiner letzten Wahlkampfkundgebung tausenden Anhängern auf dem Syntagma-Platz in Athen zu. Samaras zeichnete dabei ein düsteres Bild von einer Aufkündigung der internationalen Sparvereinbarungen, wie sie sein schärfster Konkurrent, Alexis Tsipras vom Linksbündnis Syriza, fordert.

"Wenn wir mit unseren (EU-)Kollegen brechen, werden sie uns zwingen, den Euro zu verlassen", sagte Samaras. Die Griechen wären dann nicht mehr in der Lage, etwas zu importieren und müssten "kapitulieren". Griechenlands Übergangsregierungschef Panagiotis Pikrammenos rief die politischen Parteien des Landes zur Einigkeit auf. Für eine Besserung der Lage sei es nötig, "unsere Meinungsverschiedenheiten zu überwinden und zusammenzuarbeiten, erklärte Pikrammenos.

SPD-Chef Sigmar Gabriel rief die EU und die Bundesregierung auf, der Regierung in Athen entgegenzukommen. Der Zeitplan für das Sparprogramm müsse gelockert werden, damit sich die griechische Wirtschaft erholen könne, sagte Gabriel "Spiegel Online".

Die Wahl in Griechenland wird weltweit mit Spannung beobachtet. Erwartet wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Nea Dimokratia und Syriza. Während der zur Politik-Elite des Landes zählende Samaras die Sparauflagen der internationalen Geldgeber nur nachverhandeln will, verspricht Tsipras den Griechen, die Vereinbarungen komplett aufzukündigen.

Ein solcher Schritt führe zu einem Stopp der internationalen Hilfszahlungen, warnte Bundesbank-Chef Jens Weidmann in der spanischen Zeitung "El País" und bezeichnete eine Lockerung der Sparauflagen als "nicht möglich". Ein Ausscheiden des Landes aus der Euro-Zone sei daher nicht ausgeschlossen. Ein solcher Schritt wäre politisch und wirtschaftlich mit unbekannten Risiken verbunden. Nicht nur in Europa, sondern auch in den USA und Asien werden Schockwellen für die Weltwirtschaft befürchtet.

Eine Sprecherin der EU-Kommission in Brüssel lehnte einen Kommentar zu möglichen Krisenreaktionen ab. Hinter den Kulissen laufen aber Vorbereitungen, um auf einen Wahlsieg der Spargegner in Griechenland zu reagieren. "Wir haben uns technisch auf alle realistischen Szenarien vorbereitet, sogar auf das Undenkbare, wie es von verantwortungsvollen Politikern erwartet wird", sagte ein Vertreter eines Euro-Landes.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Griechenland: Samaras trommelt für Gemeinschaftswährung"

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  • Siggi Popp war Lehrer. Jetzt ist er noch leerer. Vor allem da oben... Unten ja nicht!

  • Die Frage "Was ein Euro-Austritt Griechenlands kosten würde" ist unsinnig.

    Die richtige Frage ist, was die Euromitgliedschaft Griechenlands kostet.

    Die Antwort auf diese Frage lautet: Bisher etwa 350 Milliarden für den Steuerzahler, die sich aus den übernommenen Schulden und dem Ausfall der Forderungen der EZB an die spanischen Banken ergeben.

    Auf Deutschland entfallen davon etwa 100 Milliarden, oder 2800 Euro pro Steuerzahler.

    Jeden Tag heben die Griechen etwa 300 Millionen von ihren Konten bei griechischen Banken ab, die EInlagen werden von der EZB ersetzt. macht etwa 2,80 Euro pro Steuerzahler und Tag.

    Die 2800 Euro pro Steuerzahler sind unwiderbringlich verloren - dank der Regierung Schröder/Fischer.

    Und jeder Tag den man den Griechen früher den Geldhahn zudreht SPART jedem Steuerzahler 2,80 Euro.

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    Ergo: Der Euroaustritt Griechenlands kostet gar nichts, er spart umso mehr desto früher er geschieht.

    Was uns viel gekostet hat, das war der Euroeintritt Griechenlands, und jeder Tag seiner Mitgliedschaft.

  • Es wird nichts nachverhandelt.

    Weder mit Samaras noch mit Tsipras.

    Wenn die Griechen weiterhin die Vereinbarungen brechen, dann muß Ihnen sofort der Stuhl vor die Tür gesetzt werden.

    Und zwar von der Troika, die weitere Zahlungen an die Kleptokraten einstellt.

    Und von EZB, die die maroden griechischen Banken, und über diese auch den griechischen Staat mit immer neuen Milliarden versorgt.

    Jeder Pfennig für Griechenland ist aus dem Fenster geworfenes Geld.

    Wer immer noch nicht begriffen hat daß die Griechen nicht im Traum daran denken jemals auch nur einen Pfennig der erschwindelten Kredite zurückzuzahlen, dem ist wirklich nicht zu helfen.

    Und genau das hat auch der Herr Samaras bis vor kurzem noch ganz offen gesagt. "Wer Griechenland Geld geliehen hat, der hat sich eben verzockt," war seine Aussage vor den vorletzten Wahlen.

    Also: Nicht mehr verzocken, Geldhahn sofort zu!

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    Ob die Griechen den Euro als gesetzliches Zahlungsmittel behalten, so wie der Kosovo, oder eine eigene Währung einführen ist mir sowas von egal. Ebenso wie ihr Wahltheater.

    Entscheidend ist daß wir uns nicht mehr von den Griechen abzocken lassen.

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