Griechenland schützt sein Finanzsystem
Banken schließen – nicht für Ausländer

Griechenland kontrolliert den Geld- und Kapitalverkehr. Ministerpräsident Tsipras sagt: „Geldeinlagen in griechischen Banken sind absolut sicher.“ Gehälter und Renten seien „garantiert“. Ausländer kommen an ihr Geld.
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Athen/ FrankfurtWegen eines befürchteten Ansturms beunruhigter Sparer bleiben die griechischen Banken bis mindestens kommenden Montag geschlossen. Die Regierung in Athen teilte nach einer nächtlichen Krisensitzung am Sonntag weiter mit, Geldautomaten könnten diesen Montag bis zum späten Nachmittag nicht genutzt werden. Danach dürften griechische Kunden 60 Euro pro Tag abheben. Insidern zufolge können Ausländer höhere Beträge abheben. Online-Überweisungen sind weiter möglich, aber nicht ins Ausland.

Aus Sorge vor Kurseinbrüchen blieb auch die Börse in Athen zunächst geschlossen. In Asien drückte das Scheitern der Schuldengespräche zwischen Griechenland und seinen internationalen Geldgebern auf die Stimmung. In Japan fiel der Nikkei -Index der 225 führenden Werte am Montag um knapp drei Prozent. Der Dax verlor im vorbörslichen Handel mehr als vier Prozent. Der Euro gab im fernöstlichen Handel fast zwei Prozent nach.

Mit den Maßnahmen will die Regierung einen möglichen Ansturm auf die Geldinstitute des Landes unterbinden, die seit Monaten auf Nothilfen angewiesen sind. Auch eine Kapitalflucht ins Ausland soll so gestoppt werden. Zuletzt hatten verunsicherte Verbraucher und Unternehmen große Mengen Bargeld von ihren Konten abgehoben.

Tsipras bezeichnete die Maßnahmen als Reaktion auf die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Notkredite für griechische Banken einzufrieren. Die EZB hatte nach dem Scheitern der Schuldenverhandlungen Griechenlands mit den internationalen Geldgebern beschlossen, die Notkredite auf dem aktuellen Stand von rund 90 Milliarden Euro zu belassen.

An den Finanzmärkten sorgten die Maßnahmen für Verunsicherung, aber keine Panik. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will um 13.30 Uhr mit den Spitzen der im Bundestag vertretenen Parteien über die jüngsten Entwicklungen in Griechenland beraten.

Die griechischen Geldinstitute sollen von Montag an bis zum 6. Juli und damit bis nach der geplanten Volksabstimmung geschlossen bleiben. An Geldautomaten sollen maximal 60 Euro pro Tag abgehoben werden können. Besucher aus dem Ausland seien von den Maßnahmen nicht betroffen. Mit ausländischen Bankkarten gebe es keine Beschränkungen, hieß es.

Die Zeitung „Kathimerini“ berichtete am Sonntagabend auf ihrer Internetseite ohne Angabe einer Quelle, auch die Börse in Athen solle mindestens eine Woche geschlossen bleiben. Ministerpräsident Tsipras rief seine Landsleute trotz der Maßnahmen zu Besonnenheit auf. „Geldeinlagen in griechischen Banken sind absolut sicher“, sagte er. Gehälter und Renten seien „garantiert“. In den kommenden Tagen sei Geduld und Gelassenheit nötig. Die kritische Situation könne überwunden werden.

Am Samstag waren die Verhandlungen zwischen Griechenland und der Eurogruppe gescheitert, nachdem Tsipras überraschend ein Referendum über geforderte Reformen am kommenden Sonntag (5. Juli) angekündigt und gleichzeitig deren Ablehnung empfohlen hatte. Das laufende Hilfsprogramm der internationalen Geldgeber für das Land endet am 30. Juni. Damit fehlen dem hoch verschuldeten Staat Milliarden, die zur Tilgung von Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) am Dienstag benötigt werden. Denkbar sind damit auf mittlere Sicht auch der Staatsbankrott und das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone.

Bislang hat mit Zypern nur ein Euroland jemals Kapitalverkehrskontrollen verhängt. Im März 2013 wurden für mehrere Tage alle Online-Überweisungen gestoppt; die Banken blieben für mehrere Tage geschlossen. Die Bürger konnten an den Geldautomaten höchstens 190 Euro pro Tag von ihren Konten abheben. Im April 2015 hob Zypern alle Einschränkungen wieder auf.

Kommentare zu " Griechenland schützt sein Finanzsystem: Banken schließen – nicht für Ausländer"

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  • "Ministerpräsident Tsipras sagt: „Geldeinlagen in griechischen Banken sind absolut sicher.“ Gehälter und Renten seien „garantiert“

    aber nur, solange weiter "Hilfen" fließen - diese "Garantie" ist nichts als heiße Luft.
    Die ist genau so viel Wert, wie die seinerzeitige "Garantie" der Fr. Merkel mit Hr. Steinbrück für die deutschen Bankeeinlagen.

    Oder bezahlt er die Renten und Gehälter zukünftig aus seiner Privatkasse?
    Die steuerbefreiten Reeder werden es sich kaum anders "überlegt" haben und künftig einen freiwilligen Beitrag zu den nicht vorhandenen gr. Staatsfinanzen leisten.

    !!!! Schluss mit diesem EURO !!!!

  • Wissen wir eigentlich, wie viel Geld der griechische Staat von den Europa-Milliarden noch heimlich besitzt? Es war und ist für die Griechen doch immer viel verlockender gewesen, sich bei ihren Nachbarn neues Geld zu leihen, als eigenes Geld zu verbrauchen. Besonders, wenn man sowieso nie vorhatte das geliehene Geld zurückzuzahlen. (Rechtlicher Hinweis: Dies soll keine Anleitung für eventuelle Nachahmer in ähnlich strukturierten Nachbarländern sein.

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