Griechenland
Schuldenschnitt gelingt, Depression bleibt

Athen hat mit der größten Umschuldung der Geschichte den unmittelbaren Bankrott vermieden. Aber das Land rutscht tief in die Rezession und muss noch viele Hürden nehmen, wenn es in der Euro-Zone überleben will.
  • 14

AthenGriechenland ist gerettet – wieder einmal und bis auf Weiteres. Mit dem geglückten Start zur größten Umschuldung der Geschichte ist zumindest die Gefahr eines drohenden Staatsbankrotts für die nächste Zeit gebannt. Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos sprach von einem „historischen Schritt“, dankte den Gläubigern dafür, „dass sie die Opfer des griechischen Volkes teilen“ – und droht Verweigerern mit Enteignung. Derweil stürzt das Land immer tiefer in die Rezession.

Bis zum Ablauf der Meldefrist am Donnerstagabend um 21.00 Uhr MEZ hatten die privaten Gläubiger Anleihen im Volumen von 152 Milliarden Euro zum Tausch angeboten. Das sind 85,8 Prozent der nach griechischem Recht begebenen Papiere im Nennwert von 177 Milliarden Euro. Griechische Staatsanleihen über weitere 29 Milliarden unterliegen ausländischem Recht. Davon wurden 20 Milliarden angeboten. Auf die Gesamtsumme von 206 Milliarden Euro bezogen, lag die Beteiligung bei 83,5 Milliarden.

Das ist ein gutes Ergebnis, reicht aber nicht, um Griechenlands Verschuldung um 107 Milliarden Euro abzubauen – so lautet die von den Euro-Finanzministern und der griechischen Regierung vereinbarte Vorgabe. Dazu müssten über 95 Prozent der von den privaten Gläubigern gehaltenen Papiere dem Schuldenschnitt unterzogen werden. Um diese Quote zu erreichen, will Finanzminister Venizelos jetzt die Collective Action Clauses (CAC) aktivieren, die Umschuldungsklauseln, mit denen auch unwillige Gläubiger zur Teilnahme an dem Schuldenschnitt gezwungen werden können. Damit würde die Beteiligung 95,7 Prozent erreichen. Das entspräche einem Volumen von 105,5 Milliarden Euro. Die Zielmarke wäre damit also fest erreicht.

Eine Entscheidung über die Aktivierung der Zwangsklauseln könnte heute bei einer Sitzung des griechischen Kabinetts fallen, das Ministerpräsident Lucas Papademos für 18.00 Uhr Athener Zeit (17.00 Uhr MEZ) zusammengerufen hat. Ein solcher Schritt würde allerdings höchstwahrscheinlich als Kreditausfall gewertet und birgt das Risiko, dass dadurch Kreditausfallversicherungen fällig werden. Die Belastungen, die sich daraus für die internationalen Banken ergeben, gelten zwar angesichts eines Versicherungsvolumens von rund 3,2 Milliarden Euro als beherrschbar – vor einem Jahr lag das Volumen noch bei rund sechs Milliarden. Ein Kreditausfall würde allerdings die Bonität des Landes auf längere Zeit belasten und eine Rückkehr an die Finanzmärkte erschweren.

Kommentare zu " Griechenland: Schuldenschnitt gelingt, Depression bleibt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Naivität in Brüssel über die Gesundung Griechenlands hat inzwischen ein Maß erreicht, dass auch ein ganz normaler Bürger nur noch den Kopf schütteln kann. Der Euro ist eine viel zu harte Währung in der Griechenland ohne Bankrott überleben kann. Es wird kein Wirtschaftswachstum geben, denn Griechenland kann im Euro keine Waren anbieten, die preiswerter sind als die von der internationalen Konkurrenz angebotenen. Andere Leistungen wie Tourismus, sind wirtschaftlich nicht attraktiv genug, um einen deutlichen Anteil am Wachstum des BIP zu liefern. Alle von Brüssel gerechneten Zahlen sind schon im Mai (wenn das 1. Quartal vorliegt) wieder Makulatur. Es wird kein Wirtschaftswachstum geben, das Haushaltsdefizit läuft aus dem Ruder, usw.. Sparen bei den Staatsausgaben, Erhöhung der Einnahmen und gleichzeitig Investitonen in eine Konsolidierung der Wirtschaft ist nicht möglich. Die Korruption wird mit Ideenreichtum den Euro als harte Währung versickern lassen, so schnell können wir gar nicht neues Geld nachschießen. NEIN, Griechenland kann sich nur konsolidieren (wenn es die Griechen auch wollen?) durch einen Staatsbankrott und zurück in die nationale Währung. Dann ist evtl. möglich wieder ein Wirtschaftswachstum basierend auf einem deutlich niedrigerem Lebensstandard zu generieren. Weiter auf Kosten der anderen Bürger in Europa zu leben muß auch für Griechen beendet werden. Die Zeit der Realitäten ist gekommen, denn auch wir in Deutschland haben uns inzwischen bis zum Hals in Schulden gestürzt durch immer weiter laufende Garantien der deutschen Politiker. Wann steht mal ein Politiker auf und sagt auch den Griechen Geldausgabe und scheinbarer Lebenstandard muß im Einklang mit Geldeinnahme stehen. Warum tönen unsere Politiker im Bundestag nur in Richtung Deutschland wenn es um Schulden geht und lassen andere Nationen in korrupten Strukturen weitermachen wie gewohnt. Wir sind es leid unser Steuergeld in korrupte und dunkle Kanäle fliessen zu lassen.

  • Jrtzt, nachdem die Propagandamaschinerie erfolgreich für die Solidaritaet für Eu geworben hat und genügend Kaeufer für Griechische Toilettenpapier Anleihen mobilisiert hat, haben die Griechen den grössten Diebstahl (Enteignung) aller Zeiten gemacht, die damaligen Propagandisten nennen Vorgang nun Zwangsbeglückung. İm Moment wird propagiert, möglichst Urlaub in diesem Gaunerstaat zu machen. Wer sagt uns denn, dass wir dort nicht ganz legal beraubt werden?

  • Griechenland sollte sich schämen. Anstatt auf Kosten der EU zu leben sollten sie endlich aus dem Euro austreten. Es ist schon ein Skandal, daß sie sich mit gefälschen Zahlen reingemogelt haben. Ich bin echt fasziniert, was sich die zahlenden EU-Bürger alles gefallen lassen. Die Deutschen sollten nicht nur gegen den Abriß von Bahnhöfen demonstrieren, sondern gegen die Inflationierung ihrer Währung gegen ESM und gegen EU-Diktatur.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%