Griechenland
Sieht so ein ehrenhafter Kompromiss aus?

Tsipras präsentiert neueste Reformpläne und ist überzeugt: Er bietet einen „ehrenhaften Kompromiss“ an. Doch lesen Sie selbst: Können diese Vorschläge die europäischen Geldgeber umstimmen?
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Berlin/AthenAls Tsipras am Mittwochabend in Brüssel eintraf, hat er einen Stapel Papier dabei. Rund 40 Seiten umfasst sein Rettungsplan, den er mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem diskutieren möchte. Der griechische Ministerpräsident ist mit seinem Vorschlag zufrieden. Der werde einen „ehrenhaften Kompromiss“ ermöglichen, sagte Tsipras vor seinem Abflug.

Auf der anderen Seite sieht man das nicht ganz so. Es herrscht eine gehörige Skepsis, was Tsipras’ Plan angeht. Griechenlands Retter-Gruppe aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) haben einen eigenes Konzept erarbeitet, ein „letztes Angebot“, das sie Tsipras vorlegen wollen. In einer nächtlichen Krisensitzung im Berliner Kanzleramt hatten sich Angela Merkel (CDU), Juncker, EZB-Präsident Mario Draghi, IWF-Chefin Christine Lagarde und Frankreichs Präsident Francois Hollande darauf verständigt.

Doch das Angebot der internationalen Geldgeber lässt sich mit den griechischen Vorschlägen kaum in Übereinstimmung bringen. „Da liegen Welten dazwischen“, erfuhr das Handelsblatt aus europäischen Verhandlungskreisen. So fordere Tsipras in seinem Rettungsplan erneut Schuldenerleichterungen von EZB und IWF. Die Zentralbank hält noch griechische Staatsanleihen, beim IWF muss Athen Rettungskredite tilgen. Die Griechen würden die Schulden gerne später zurückzahlen und zudem die Zinsen senken.

Doch für die EZB und den IWF ist das ausgeschlossen. Die Zentralbank sieht rechtliche Hürden, jedes Zugeständnis bei den Schulden käme in den Ruch monetärer Staatsfinanzierung. Und der Währungsfonds sieht sich ohnehin als der höchstrangige Gläubiger weltweit, der immer sein Geld vollständig zurückbekommt. Deshalb enthält das Angebot von EU, EZB und IWF, das nachts im Kanzleramt verhandelt wurde, explizit keinen Schulden-Deal. Dass Tsipras ihn nun erneut einfordert, belastet die Verhandlungen über beide Rettungskonzepte, bevor sie überhaupt richtig begonnen haben.

Kommentare zu " Griechenland: Sieht so ein ehrenhafter Kompromiss aus?"

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  • Zitat: "... dazu sind die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen viel zu stabil ..."

    wo sind die derzeit stabil???

    Kuba (kommunistisch) vor der Haustüt der USA wird gerade kapitalistisch - vorher hat sich Russland die Krim (vor deren Haustür) geholt. Im Osten "diskutieren" die Staaten mit Chinam die rohstoffreichen Inseln. Der gesamte Nahe Osten ist ein Pulverfass - dass sich weit nach Afrika hinein ausbreitet. Ohne Zuwanderung fehlt den Industrieländern recht bald der "tatsächliche" Mittelstand - Handwerker und kleine Einzelhändler. Der aktuelle private Konsum liegt nur daran, dass die einen mehr erhalten können, weil es genug gibt die an der Armutsgrenze existieren. Das TTIP ist für die USA-Konzerne überlebenswichtig und wird gleichzeitig der Niedergang vieler europäischer KMU-Firmen sein.

    Wo ist da die Stabilität???

  • Das Zeug, Herr Olympos, was Sie da einnehmen, um solche Ergüsse unters Volk zu bringen, ist eindeutig zu hoch dosiert. Lassen Sie mal 2 Tage dieses Zeug sein und Sie werden sich schämen, so etwas publiziert zu haben. Sich die Welt schön reden ist zwar allgemein üblich heutzutage, aber hilft nur kurzzeitig, bis dann der Psychiater ran muß.

  • Liebe Anna B.
    wer wird denn gleich einen Krieg heraufbeschwören..... ? Also, es geht hier um Währungsstabilität und um Standards bei der Haushaltspolitik.

    Die griechischen Politiker haben dann, nach dem Grexit die Chance, sich in GR in einem längeren strukturellen Entwicklungsprozess an die EU-Standards anzupassen. Das wird für GR schmerzlich, aber es geht.

    Für D sind die 'verlorenen' Kredite an GR bzw. an die Finanzmafia verkraftbar. Auf lange Sicht ist dieser Weg für D deutlich billiger als den heutigen Kurs beizubehalten.

    Und Krieg wurde deshalb nicht geben, dazu sind die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen viel zu stabil...... :-)

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