Griechenland

Sieht so ein ehrenhafter Kompromiss aus?

Tsipras präsentiert neueste Reformpläne und ist überzeugt: Er bietet einen „ehrenhaften Kompromiss“ an. Doch lesen Sie selbst: Können diese Vorschläge die europäischen Geldgeber umstimmen?
Update: 03.06.2015 - 19:57 Uhr 32 Kommentare
„Wir fügen uns nicht einfach den Forderungen der Gläubiger.“ Quelle: dpa
Alexis Tsipras

„Wir fügen uns nicht einfach den Forderungen der Gläubiger.“

(Foto: dpa)

Berlin/AthenAls Tsipras am Mittwochabend in Brüssel eintraf, hat er einen Stapel Papier dabei. Rund 40 Seiten umfasst sein Rettungsplan, den er mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem diskutieren möchte. Der griechische Ministerpräsident ist mit seinem Vorschlag zufrieden. Der werde einen „ehrenhaften Kompromiss“ ermöglichen, sagte Tsipras vor seinem Abflug.

Auf der anderen Seite sieht man das nicht ganz so. Es herrscht eine gehörige Skepsis, was Tsipras’ Plan angeht. Griechenlands Retter-Gruppe aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) haben einen eigenes Konzept erarbeitet, ein „letztes Angebot“, das sie Tsipras vorlegen wollen. In einer nächtlichen Krisensitzung im Berliner Kanzleramt hatten sich Angela Merkel (CDU), Juncker, EZB-Präsident Mario Draghi, IWF-Chefin Christine Lagarde und Frankreichs Präsident Francois Hollande darauf verständigt.

Doch das Angebot der internationalen Geldgeber lässt sich mit den griechischen Vorschlägen kaum in Übereinstimmung bringen. „Da liegen Welten dazwischen“, erfuhr das Handelsblatt aus europäischen Verhandlungskreisen. So fordere Tsipras in seinem Rettungsplan erneut Schuldenerleichterungen von EZB und IWF. Die Zentralbank hält noch griechische Staatsanleihen, beim IWF muss Athen Rettungskredite tilgen. Die Griechen würden die Schulden gerne später zurückzahlen und zudem die Zinsen senken.

Doch für die EZB und den IWF ist das ausgeschlossen. Die Zentralbank sieht rechtliche Hürden, jedes Zugeständnis bei den Schulden käme in den Ruch monetärer Staatsfinanzierung. Und der Währungsfonds sieht sich ohnehin als der höchstrangige Gläubiger weltweit, der immer sein Geld vollständig zurückbekommt. Deshalb enthält das Angebot von EU, EZB und IWF, das nachts im Kanzleramt verhandelt wurde, explizit keinen Schulden-Deal. Dass Tsipras ihn nun erneut einfordert, belastet die Verhandlungen über beide Rettungskonzepte, bevor sie überhaupt richtig begonnen haben.

„Wir fügen uns nicht einfach den Forderungen der Gläubiger“
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32 Kommentare zu "Griechenland: Sieht so ein ehrenhafter Kompromiss aus?"

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  • Zitat: "... dazu sind die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen viel zu stabil ..."

    wo sind die derzeit stabil???

    Kuba (kommunistisch) vor der Haustüt der USA wird gerade kapitalistisch - vorher hat sich Russland die Krim (vor deren Haustür) geholt. Im Osten "diskutieren" die Staaten mit Chinam die rohstoffreichen Inseln. Der gesamte Nahe Osten ist ein Pulverfass - dass sich weit nach Afrika hinein ausbreitet. Ohne Zuwanderung fehlt den Industrieländern recht bald der "tatsächliche" Mittelstand - Handwerker und kleine Einzelhändler. Der aktuelle private Konsum liegt nur daran, dass die einen mehr erhalten können, weil es genug gibt die an der Armutsgrenze existieren. Das TTIP ist für die USA-Konzerne überlebenswichtig und wird gleichzeitig der Niedergang vieler europäischer KMU-Firmen sein.

    Wo ist da die Stabilität???

  • Das Zeug, Herr Olympos, was Sie da einnehmen, um solche Ergüsse unters Volk zu bringen, ist eindeutig zu hoch dosiert. Lassen Sie mal 2 Tage dieses Zeug sein und Sie werden sich schämen, so etwas publiziert zu haben. Sich die Welt schön reden ist zwar allgemein üblich heutzutage, aber hilft nur kurzzeitig, bis dann der Psychiater ran muß.

  • Liebe Anna B.
    wer wird denn gleich einen Krieg heraufbeschwören..... ? Also, es geht hier um Währungsstabilität und um Standards bei der Haushaltspolitik.

    Die griechischen Politiker haben dann, nach dem Grexit die Chance, sich in GR in einem längeren strukturellen Entwicklungsprozess an die EU-Standards anzupassen. Das wird für GR schmerzlich, aber es geht.

    Für D sind die 'verlorenen' Kredite an GR bzw. an die Finanzmafia verkraftbar. Auf lange Sicht ist dieser Weg für D deutlich billiger als den heutigen Kurs beizubehalten.

    Und Krieg wurde deshalb nicht geben, dazu sind die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen viel zu stabil...... :-)

  • Die Haltung der Gläubiger in den sog. Verhandlungen mit der griechischen Regierung kann man nicht mehr mit selbstverleugnender Unterwürfigkeit beschreiben, sie stellt offenbar einen politischen Flagellantismus dar.

  • Offenbar sind die Griechen nicht so dilettantisch wie vermutet, sie sind gerissen: Durch die fehlenden Kapitalverkehrskontrollen saugen sie sich mit EZB-Geld voll bis es eben nicht mehr geht und versuchen gleichzeitig den Schwarzen Peter an die Institutionen zu geben.
    Der eigentliche Amateur ist Draghi: Er hat die Rhetorik von der Fed abgeschaut ("do whatever it takes") und läd alle Risiken auf sich wie der Investmentbanker, der er einmal war. Politikfremd wie er war, hat er sich instrumentalisieren lassen ohne einen Schimmer wie das Spiel Europa funktioniert... Amateur.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Das letzte Angebot
    "Die Geldgeber haben ihr Angebot als „das letzte“ deklariert."
    Und? Wo ist das Problem? Dann kommt eben das aller letzte und danach das aller allerletzte Angebot.
    Tsipras weiss genau das die Euro Pappnasen Griechenland nicht fallen lassen werden, wieso sollte er da Zugestaendnisse machen?

  • Siehe Herr Lung Wong,
    wer hat es denn zugelassen, das Länder ohne Geld den Euro bekommen. Diese Herrn sofort in Regress nehmen, Konten sperren bis alle sgeregelt ist und
    Griechenland abgewickelt. Deutschland und Rest EU wird Greexxit zahlen müssen. Herr Tsipras kann sich feiern lassen, Milliarden auf einen Rutsch weg. Hat was im Kopf, wie er sein Land klar bekommt mit Neuanfang. Trägt nicht mal ne Krawatte wie alle anderen Politischen Schlawiner. Jetzt soll Kroatien auch noch Pleite sein, gerade drinne und Pleite, Punktlandung.

  • Griechenland - besser die derzeitige griechische Regierung will raus aus detr EU und dem Euro.
    Das Volk will das nicht. Also muss, zum Machterhalt, der Rest Europas Schuld haben am Grexit.

    Ein Grexit wird wirtschaftlich stemmbar - nur politisch nicht. Es wird in USA ein zwei Hedgefonds geben die pleite gehen - das könnte Auswirkungen wie Lehmann haben. Geopolitisch ist Griechenland wichtig für die USA (Nato).
    Wenn unsere Politiker ihrem Wahlvolk klar machen müssen wieviel Geld sie verzockt haben mit Griechenland, so könnte es ein politisches Erdbeeben geben. Frankreich rutscht ins Defizit, da wäre das politische Erdbeeben sicher. Europa (Kontinent)würde wieder nationalistisch (Großbritanien ist es bereits)- der nächste Krieg wäre absehbar.

    Allerdings ist eine Stützung Griechenlands auch nur eine Verzögerung - die allerdings wichtig ist.

    bis 2020 wollen die meisten Europäischen Staaten ihre Goldreserven wieder im eigenen Land haben. Es gibt derzeit fast überall eine Aufrüstung - So dass die meisten Staaten 2020 - 2025 gerüstet sind für den Krieg. Dann dürften überall auch die aktuellen Politiker abgelöst sein - so dass es politisch erträglicher wäre für die Parteien dem Stimmvieh die Wahrheit (oder doch Teile davon) zu erzählen.

    Ce la vie

  • Sie sehen das Ganze falsch, Deutschland gehört nicht in den Euro,
    das ist der gewollte Fehler, denn irgend ein Idiot muß doch zahlen, wenn alle bestellen. Im Übrigen stellt die Sache einen Versuch Deutschlands dar Europa
    zu dominieren, ging schon öfters schief aber man lernt ohnehin nichts dazu.

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