Griechenland-Spitzentreffen
Tsipras kommt zu Merkel nach Berlin

Die Kanzlerin macht die Griechenland-Krise zur Chefsache: Angela Merkel lädt Alexis Tsipras zu Gesprächen nach Berlin ein. Am kommenden Montag wird es wohl auch um mögliche Reparationszahlungen Deutschlands gehen.
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BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel hat den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras für kommenden Montag nach Berlin eingeladen. Beide Politiker hätten am Montag telefoniert, sagte ein Regierungssprecher in Berlin. „Dabei hat die Bundeskanzlerin den Ministerpräsidenten zu einem Besuch in Berlin eingeladen und er hat die Einladung angenommen.“

Merkel hatte den Linkspolitiker aus Athen bisher erst einmal getroffen, auf dem EU-Gipfel am 12. Februar. Am Donnerstag werden beide an dem zweitägigen EU-Treffen der 28 Staats- und Regierungschefs in Brüssel teilnehmen.

In den vergangenen Tagen hatte es in der Debatte um weitere Hilfsleistungen der Euro-Partner an das hochverschuldete Griechenland auch starke atmosphärische Spannungen zwischen Berlin und Athen gegeben. Tsipras fordert unter anderem von Deutschland die Rückzahlung eines 1942 von den deutschen Besatzungsbehörden erhobenen Zwangskredits. Auch Reparationszahlungen für Opfer der deutschen Besatzung werden gefordert. Die Bundesregierung hatte die Themen Reparationen und Entschädigungen dagegen als juristisch geklärt bezeichnet.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte zuvor die griechische Regierung aufgefordert, sich mehr auf eine Lösung des Schuldenstreits und weniger auf Kritik an der Bundesregierung zu konzentrieren. Er habe den griechischen Vertreter beim EU-Außenministertreffen in Brüssel dringend gebeten, an Vorschlägen zur Erfüllung der europäischen Verpflichtungen zu arbeiten, sagte Steinmeier am Montag. Diese Pläne müssten nicht der Bundesregierung, sondern den Euro-Finanzministern vorgelegt werden. Die Athener Regierung sei gut beraten, damit nicht bis Mitte April oder Ende Juni zu warten, mahnte der SPD-Politiker.

Er habe ein langes und ernsthaftes Gespräch mit dem stellvertretenden Außenminister Nikolaos Chountis geführt, der den erkrankten Nikos Kotzias vertrete, berichtete Steinmeier weiter. „Ich habe ihm sehr deutlich gesagt, dass die Bilateralisierung, die versucht wird, uns aus den Schwierigkeiten nicht herausführt“, sagte der Minister mit Blick auf kritische Äußerungen griechischer Spitzenpolitiker Richtung Berlin. Steinmeier räumte ein, dass es „ganz ohne Zweifel“ einen Konflikt gebe.

Vergangene Woche hatte die griechische Regierung Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble beleidigende Äußerungen gegenüber Finanzminister Yanis Varoufakis vorgeworfen. Schäuble wies dies als „Unsinn“ zurück. Ministerpräsident Tsipras hatte darüber hinaus Reparationszahlungen für Nazi-Verbrechen in Griechenland während des Zweiten Weltkriegs gefordert. Griechenlands Außenminister Kotzias wiederum sprach von einem „kulturellen Rassismus“ in Teilen der deutschen Medien gegenüber seinem Land.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Griechenland-Spitzentreffen: Tsipras kommt zu Merkel nach Berlin"

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  • Gar nix soll es mehr für Griechenland ... höchstens einen Arscht.. äh nein ein freundliches Tschüss!

  • Brief Angela Merkel (Auszug): "... Mehrere Jahrzehnte nach Kriegsende kommen heute keine neuen Reparationsleistungen mehr in Betracht. ..."

    http://www.direktzu.de/kanzlerin/messages/auflistung-der-reparationszahlungen-aus-dem-1-2-weltkrieg-27151

    WARUM ZAHLEN WIR NUN DOCH ERNEUT REPARATIONEN, FRAU MERKEL ????

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    SEHR LESENSWERT !

    Ist Deutschland garkein Staat ? Gibt es "Deutsche" garnicht ". Darf es uns garnicht geben ? Sind wir "ferngesteuert und besetzt" ?

    buergerstimme.com/Design2/2015/03/die-deutsche-frage-aus-us-sicht/

    www.neopresse.com/politik/stratfor-direktor-friedman-us-hauptziel-seit-einem-jahrhundert-ist-ein-deutsch-russisches-buendnis-zu-verhindern/

  • Der gezeigte Finger aus dem Zusammenhang gerissen und in einen anderen Kontext gestellt. Das nur als Beispiel, was an Hetze und Wiederbelebung der Vergangenheit öffentlich und ungestraft in Deutschland gegenüber den Menschen in Griechenland passiert. Da kann ich nur sagen: ich bekomme Angst vor diesem Deutschland, in dem das nicht nur passiert, sondern auch viele Politiker das unreflektiert tun. Wem wollen sie es recht machen? Der Effekt ist, ein ehemals befreundetes Land, vor allem aber seine Bewohner zu diffamieren. War dieser Umgang mit anderen nicht der Anfang der deutschen Tragödie?
    Deutschland hat nach dem von ihm ausgehenden zweiten Weltkrieg einen Erlass der Kriegsreparationen erhalten durch die "Gnade der Stunde", die durch das Interesse der Grossmächte gewährt wurde . Sonst müssten bis heute Schulden aus dieser Zeit bezahlt werden, denn sie sind so gross, dass sie nicht bezahlbar sind. So wie die griechischen Schulden. Wäre es nicht angezeigt, gegenüber einem Mitglied der EU die "Gnade der Stunde" zu zeigen? Denn anders als durch eine - dazu selbst früher erfahrene - Grosszügigkeit bleibt dieses Problem unlösbar. Gleichzeitig ist man sogar daran, neue unlösbare Probleme gleicher Art zu schaffen.
    Denn: ist man so sicher, dass man die Milliarden, die jetzt in die Ukraine fliessen, zurück erhält, wenn sie fällig werden? Auch dort gibt es eine Elite, die sich vor Steuern drückt. Und die Menschen dort könnte die Schulden durch ihre eigene Arbeit bestimmt nicht zurück bezahlen - so wie die Griechen, die hart arbeiten, das auch nicht können. Und wer ist den Deutschen näher? Die Folgen dieser Kurzsichtigkeit sollten in die Perspektive genommen werden. Auch in Griechenland sind andere Mächte interessiert, Einfluss zu nehmen, nicht nur in der Ukraine, und es könnten die gleichen sein. Also beide verlieren?

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