Griechenland
Syriza-Linke sucht den Bruch mit Europa

Aggressive Töne aus Athen: Während die Troika in Brüssel die jüngsten Reformvorschläge der Griechen prüft und sich die Finanzlage des Landes verschärft, propagieren namhafte Regierungspolitiker die Abkehr von Europa.
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Der griechische Energieminister Panagiotis Lafazanis ruft in einem am Samstag veröffentlichten Interview zum „Umsturz“ und zum Widerstand gegen die „skrupellosen Imperialisten“ auf, die Griechenland „unterwerfen“ wollen.

Die Kampfansage des Athener Ministers ist eine schrille Begleitmusik zu den jetzt wieder aufgenommenen Verhandlungen Griechenlands mit der so genannten „Brussels Group“, der früheren Troika. Auch Finanzminister Yanis Varoufakis erwartet offenbar einen Bruch mit Europa. Wohin steuert Griechenland unter der Links-Rechts-Regierung von Alexis Tsipras?

Nun brüten sie wieder in Brüssel. Vertreter der Gläubiger Griechenlands beraten seit diesem Samstag über jene Reformliste, mit der eine Delegation des griechischen Finanzministeriums am Freitagnachmittag angereist war. Der Katalog enthält 18 Maßnahmen, mit denen Athen in diesem Jahr etwa 3,5 Milliarden Euro zusätzlich einnehmen will.

Das dürfte aber bei weitem nicht reichen. Denn die Finanzlage in Athen verschlechtert sich dramatisch. Experten erwarteten für dieses Jahr eine Finanzierungslücke von zehn bis 20 Milliarden Euro, berichtet der „Spiegel“ aus Troika-Kreisen. Auch die US-Ratingagentur Fitch sieht immer schwärzer für Griechenland: Sie senkte am Freitagabend die Kreditwürdigkeit des Landes um zwei Stufen auf „CCC“.

Die Prüfung der Reformliste durch die Troika dürfte mehrere Tage dauern. Von ihrem Ergebnis hängt ab, ob die Euro-Finanzminister weitere Finanzhilfen für Griechenland freigeben. Ohne neue Kredite könnte das Land schon in der ersten April-Hälfte zahlungsunfähig werden.

Doch lohnt sich die ganze Mühe überhaupt? Will Griechenland überhaupt gerettet werden? Daran gibt es in Europa wachsende Zweifel. Der österreichische Finanzminister Hans Jörg Schelling glaubt nicht mehr an eine baldige Einigung. „Wir haben eine Vertrauenskrise mit Griechenland“, sagte Schelling. Das Land halte sich nicht an Abmachungen und liefere keine Unterlagen. „Auf dieser Ebene Entscheidungen zu treffen, ist mühsam“, so der österreichische Minister.

Nicht nur in den deutschen Unionsparteien wird inzwischen über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone spekuliert. Die Tsipras-Regierung hat sich auch mit Freunden des Landes in der SPD überworfen. „Die griechische Regierung ist nicht berechenbar“, sagte der SPD-Finanzpolitiker Joachim Poß gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Reformvorschläge in Griechenland gingen komplett in die falsche Richtung. „Wir sehen der Entwicklung fassungslos zu.“

Die Fassungslosigkeit dürfte wachsen, wenn sich erst einmal in Berlin herumspricht, was Energieminister Lafazanis in einem am Samstag publizierten Interview der Wirtschaftszeitung „Kefalaio“ (Kapital) zum Besten gibt.

Kommentare zu " Griechenland: Syriza-Linke sucht den Bruch mit Europa"

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  • GUTE Idee!!!! Tschüss Griechenland!!!

  • Was sind das nur für traurige Gestalten die in Griechenland seit Jahrzehnten "den Politiker geben". Der griechische Minister Panagiotis Lafazanis ruft in einem Interview zum „Umsturz“ und zum Widerstand gegen die „skrupellosen Imperialisten“ auf, die Griechenland „unterwerfen“ wollen.

    Für Sozialisten wäre doch ein sehr naheliegender Gedanke Geldgeber in Russland anzupeilen, natürlich weiter alles zu verprassen und sich keineswege den Skrupellosen Russen zu unterwerfen. Aber die GUS finanziert schon nicht mehr die Sonneninsel Kuba, da wird es auch mit Grichenland nichts werden.

  • Einmal mehr ist zu fordern: Lasst sie endlich ziehen, die Griechen! Kein Sou mehr zu Lasten unserer Steuerzahler für dieses Land, dessen Bevölkerung partout nicht einsehen will, dass sie zusammen mit ihren Politikern unterschiedlicher Couleur die Hauptschuld an ihrer Misere trägt. Schon am 29. April 2010, als das erste Hilfspaket für Griechenland hektisch diskutiert wurde, sagte der Ökonom und Spezialist für Südosteuropa bei der „Hellenische Stiftung für Europäische und Internationale Beziehungen“ (ELIAMEP) in Athen, Jens Bastian, im Bayerischen Rundfunk/Bayern 2: „Die tiefe Krise in Griechenland ist das Ergebnis gesamtgesellschaftlicher Verantwortungslosigkeit der letzten 20 Jahre“. - Wenn unsere euro-fanatischen Politiker weitere Milliarden in Griechenland versenken, sollten sie sich nicht scheinheilig wundern, wenn noch viel mehr Bürger "alternativ" wählen.

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