Griechenland-Szenarien
So könnte die Schuldenkrise ausgehen

Fauler Kompromiss, Staatspleite, Grexit: Das Schicksal Griechenlands steht auf Messers Schneide. Dem Land droht die Staatspleite – wenn nicht doch eine Lösung im Schuldenstreit gefunden wird. Die möglichen Szenarien.
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Frankfurt/Main Einigt sich Griechenland in letzter Minute mit seinen Geldgebern? Oder fliegt das Land aus dem Euro? Heute kommen die Euro-Finanzminister in Brüssel zusammen, um doch noch eine Lösung zu finden. Doch viel Zeit bleibt nicht mehr. Am 30. Juni läuft das schon zweimal verlängerte Hilfsprogramm für Griechenland aus. Um eine Auszahlung der verbliebenen 7,2 Milliarden Euro aus dem Rettungsprogramm zu ermöglichen, müssten die Euro-Finanzminister auf ihrer Sitzung an diesem Donnerstag grünes Licht geben. Es blieben dann noch zwölf Tage, um zunächst die wichtigsten Reformgesetze durch das griechische Parlament zu bringen – und um danach auch die anderen nationalen Parlamente wie den Bundestag für die Auszahlung weiterer Hilfsmilliarden einzubinden. Mögliche Szenarien:

EINIGUNG IM JUNI: Noch ist der Gesprächsfaden zwischen der griechischen Links-Rechts-Regierung und den Geldgebern von Europäischer Zentralbank (EZB), Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU-Kommission nicht abgerissen. Allerdings macht das, was von der Krisendiplomatie auf höchster Ebene nach außen dringt, immer weniger Hoffnung. Am vergangenen Sonntag brach EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker einen Vermittlungsversuch schon nach kurzer Zeit ab: Die Vorstellungen beider Seiten liegen noch zu weit auseinander, welche Reformen Griechenland im Gegenzug für weitere Hilfen umsetzen muss. Die Wahrscheinlichkeit, dass noch vor Auslaufen des aktuellen, bereits verlängerten Hilfsprogramms Ende Juni eine Lösung gefunden wird, schätzen Volkswirte auf 35 Prozent.

FAULER KOMPROMISS: Pokern Alexis Tsipras und sein betont salopp auftretender Finanzminister Gianis Varoufakis nur, weil sie sich sicher sind, dass keiner der Partner letztlich den Geldhahn zudrehen wird und Griechenland in die Pleite taumeln lässt - mit unkalkulierbaren Folgen? „Ein fauler Kompromiss mit Griechenland ist wahrscheinlicher als ein Grexit“, meint Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Schließlich müsse Bundeskanzlerin Angela Merkel im Falle eines Scheiterns den Wählern in Deutschland erklären, „dass die Hilfskredite an Griechenland verloren sind und die Rettungspolitik gescheitert ist“, sagt Krämer.

NEUANFANG MIT NEUER POLITISCHER FÜHRUNG IN ATHEN: Die harte Haltung der seit viereinhalb Monaten amtierenden Regierung wird auch für die griechische Bevölkerung zu einer nervenaufreibenden Hängepartie. In einer Anfang dieser Woche veröffentlichten repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GPO sprachen sich rund 70 Prozent der Griechen für einen Verbleib ihres Landes im Euroraum aus - auch wenn dies mit harten Sparmaßnahmen verbunden wäre. Sollte der Geduldsfaden der Menschen in Griechenland reißen, wäre ein politischer Neuanfang denkbar. 25 Prozent Wahrscheinlichkeit sieht Holger Schmieding von der Berenberg Bank für ein solches Szenario. Allerdings ist Tsipras' Syriza der GPO-Umfrage zufolge nach wie vor die führende politische Kraft im Land: Fände an diesem Sonntag eine Parlamentswahl statt, würde die Linkspartei sie mit 35,1 Prozent gewinnen. Bei der Parlamentswahl am 25. Januar hatte Syriza 36,3 Prozent erreicht.

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