Griechenland: Top-Terrorist entkommt nach der Silvesterparty

Griechenland
Top-Terrorist entkommt nach der Silvesterparty

Den griechischen Behörden ist ein Top-Terrorist entwischt. Jetzt fürchten die Fahnder einen spektakulären Anschlag. Vor dem Hintergrund der Krise gelten besonders deutsche Repräsentanten und Firmen als gefährdet.
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AthenAm Abend des 31. Dezember 2013 gab es im griechischen Hochsicherheitsgefängnis Korydallos bei Piräus eine Silvesterfeier. Mit von der Partie: Christodoulos Xiros, ein 2003 zu sechsmal lebenslanger Haft verurteilter Serienkiller der Terrororganisation „17. November“, und weitere inhaftierte Terroristen. Gefeiert wurde bis in die frühen Morgenstunden, es floss auch viel Alkohol. Die Stimmung sei ausgelassen gewesen, berichten Zeugen.

Kein Wunder: In der Nacht zuvor hatten vier Terroristen die Residenz des deutschen Botschafters im Athener Norden mit Kalaschnikow-Sturmgewehren unter Beschuss genommen. Eines der rund 60 Projektile schlug in einem Schlafzimmer der Diplomatenfamilie ein, verletzt wurde niemand. Aber außer dem Anschlag gab noch etwas zu „feiern“, und davon wusste wohl nur Xiros: Am Neujahrstag würde er einen neuntägigen Hafturlaub antreten – von dem er nicht in seine Zelle zurückkehren wollte.

Mit Hochdruck fahndet die griechische Polizei seit einer Woche nach dem 56-jährigen flüchtigen Gewalttäter. Die Ermittler vermuten ihn irgendwo in Athen. Zahlreiche Häuser wurden bereits durchsucht. Schwer bewaffnete Polizisten, aber auch Beamte in Zivil kontrollieren in der griechischen Hauptstadt Fahrzeuge und Passanten – bisher ohne Ergebnis. Mit jedem Tag, der vergeht, wächst die Nervosität. Die Fahnder vermuten, dass sich Xiros im Untergrund einer Terroristenzelle angeschlossen hat und wahrscheinlich einen Anschlag plant. „Wir rechnen damit, dass er ein ‚großes Ding‘ vorbereitet“, sagt ein Ermittler. Xiros sei in die Illegalität gegangen, „um einen großen Schlag vorzubereiten, der international Aufsehen erregen soll“, zitierte die Zeitung „To Vima“ einen Terrorismusexperten.

Vor dem Hintergrund der Krise, für die viele Griechen das „deutsche Spardiktat“ verantwortlich machen, gelten jetzt besonders deutsche Repräsentanten und Firmen in Griechenland als gefährdet. Die nächtlichen Gewehrsalven auf die Botschafterresidenz sprechen eine deutliche Sprache. Inzwischen wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Alarmiert ist man auch in der Athener US-Botschaft, die in der Vergangenheit bereits mehrfach Ziel terroristischer Angriffe war. Nicht weniger als fünf US-Diplomaten und Botschaftsbedienstete hat der „17. November“ auf dem Gewissen. Auch die Delegationschefs der Troika, in denen manche Griechen so etwas wie moderne Kolonialherren sehen, sollen verstärkten Personenschutz bekommen, wenn sie demnächst zur Fortsetzung ihrer Prüfungen nach Athen zurückkehren. Nikos Dendias, Minister für Bürgerschutz und öffentliche Ordnung, räumt ein: „Wir haben ein Terrorismusproblem“.

Dabei schien der Terrorismus in Griechenland besiegt, als es der Polizei mit tatkräftiger Hilfe von Scotland Yard 2002 gelang, den „17. November“ zu zerschlagen. Sie hatte Griechenland 27 Jahre lang mit zahllosen Bombenanschlägen und 23 Morden in Atem gehalten. Ihr erstes Opfer war 1975 der CIA-Chefagent Richard Welch, letztes Ziel der im Jahr 2000 in Athen ermordete britische Militärattaché Stephen Saunders.

Die linksextremistische Organisation tötete Polizisten, Unternehmer, Politiker, Journalisten und Diplomaten. Nachdem die Fahnder lange im Dunkeln getappt hatten, kam ihnen am 29. Juni 2002 der Zufall zur Hilfe: Bei der Explosion einer von ihm transportierten Bombe wurde Savvas Xiros, ein Bruder des jetzt untergetauchten Christodoulos, in Piräus schwer verletzt. Seine Festnahme führte zur Zerschlagung der Gruppe. 15 festgenommene Mitglieder wurden 2003 zu langen Haftstrafen verurteilt. Der damals 58-jährige Gründer der Organisation, Alexandros Giotopoulos, und andere führende Mitglieder, unter ihnen die beiden Xiros-Brüder, erhielten mehrfach Lebenslang.

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Im Knast war Xiros der König

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  • Wieso funktioniert in Griechenland nichts? Die Koruption hat man doch nicht etwa abgeschafft, oder?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • In diesem Land funktioniert doch absolut gar nichts!
    Die sind nicht einmal fähig, hochgefährliche Gefängnisinsassen kontrolliert und konsequent zu observieren - innen und außen. Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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