Griechenland
Troika reist ab – Radikale Linke auf dem Vormarsch

Griechenland kommt weiter nur in Tippelschritten voran. Die Geldgeber-Troika beendet ihre Arbeit, um im Januar wiederzukommen. Die Wirtschaftslage bleibt schlecht – das gibt dem Linksbündnis Syriza Auftrieb.
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AthenDie „Troika“ von EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) hat am Montag ihre Arbeit in Athen vorerst beendet. Es habe „einige Fortschritte gegeben“, sagte der Vertreter des IWF, Poul Thomsen, am Montagabend. „Wir kommen im Januar wieder“, fügte er hinzu.

Wie ein Mitarbeiter des Finanzministeriums sagte, habe es eine Teileinigung gegeben, die möglicherweise zur Freigabe der seit Monaten ausbleibenden Tranche in Höhe von einer Milliarde Euro „noch in dieser Woche“ durch die Eurogruppe führen könnte. Die Troika und die Regierung hätten sich auf die Verschlankungsmethode der staatlichen griechischen Munitions- und Waffenfabriken (EAS) geeinigt. Demnach sollen fast 500 Arbeiter und Angestellte entlassen werden. Rund 350 sollen noch bleiben. Die Munitionsfabriken sollen weiter produzieren. Quellen der Troika in Athen wollten dies nicht kommentieren.

Keine Einigung dagegen gab es vor allem über die Höhe des Fehlbetrages im Haushalt 2014. Aus diesem Grund wird die Troika Mitte Januar in Athen erneut erwartet. Die Euro-Finanzminister hatten bei ihrem Treffen Anfang vergangener Woche weitere Anstrengungen von Athen gefordert und die Regierung davor gewarnt, vom harten Reform- und Sparkurs abzukommen.

Die wirtschaftliche Lage des Landes ist schwierig: Griechenland kämpft gegen eine Rekordarbeitslosigkeit von 27 Prozent und anhaltenden Preisverfall. 2014 soll es erstmals nach vielen Jahren ein marginales Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent geben.

Die schwierige Wirtschaftslage bildet sich in der politischen Stimmung ab: Erstmals liegt das Bündnis der radikalen Linken (Syriza) in Umfragen mit einem knappen Vorsprung als stärkste Partei vorn. Die Oppositionspartei würde unter ihrem Vorsitzenden Alexis Tsipras derzeit auf 21,9 Prozent der Stimmen kommen. Dies ergab eine am Montag veröffentlichte repräsentative Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut MRB Anfang Dezember in Griechenland durchgeführt hatte.

Als zweitstärkste Kraft kommt die konservative Nea Dimikratia (ND) des amtierenden Regierungschefs Antonis Samaras auf 21 Prozent. Drittstärkste Partei wäre demnach die rechtsradikale Goldene Morgenröte mit 8,9 Prozent. Die an der Regierung beteiligte sozialistische Traditionspartei Pasok erhielt nur noch 4,8 Prozent der Stimmen.

Die Europäische Linke (EL) will mit Tsipras als Spitzenkandidat bei der Europawahl im Mai antreten. Die nächste Parlamentswahl ist für Juni 2016 geplant. Seit 2010 stützen die Kapitalgeber von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) das Land mit zwei Hilfspaketen in Höhe von insgesamt 240 Milliarden Euro an Krediten. Im Gegenzug verlangt die sogenannte Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF strikte Haushaltskürzungen und Reformen, die vor allem den öffentlichen Sektor getroffen haben.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Griechenland: Troika reist ab – Radikale Linke auf dem Vormarsch"

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  • @spectateur

    Der Begriff Mafia lässt sich an beliebiger Stelle durch Organisierte Kriminalität ersetzen. Konfrontiert mit obig treffend beschriebenen Tatsachen spricht unser Politiker bzw seine Anhangspresse von "europafeindlicher Haltung" .

    Selbst verstrickt in besagte Strukturen hält diese Gesellschaftsbedrohung an. Al Kaida könnt ihr deshalb beruhigend in die Tonne schmeissen.

    Die wahre Bedrohung fährt vor unseren Augen standesgemäß vor und kauft die Häuserzeile leer.

  • 2014 soll es erstmals nach vielen Jahren ein marginales Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent geben.
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    Nach vielen Jahren?
    In Griechenland hat es noch NIE ein Wachstum gegeben, nicht einmal ein marginales. In Griechenland stehen die Fortschritte lediglich auf dem Papier und sonst nirgends!

  • 240 Milliarden EURO als Lohn für 15 Jahre Betrug am Rest Europas, vorwiegend Deutschlands. Das mag viel klingen, aber es ist nur ein durchschnittlicher Mafiajahresumsatz von 16 Milliarden EURO für ein Land dieser Größe, Hellas. Alles erwirtschaftet von der griechischen, angeblich demokratisch gewählten Politraffkaste, und auch nur derselben zugutegekommen. Auch dies wie bei der Mafia - Autos, Massanzüge, Yachten, Reisen, Apanagen, Weiber, Drogen.
    Wie konnte es dazu kommen? Weil die verschiedenen EURO-Mafia-Clans auf Weisung der US-Finanzmafia und deren Sprachrohren IWF und Weltbank, lieber einen, zwei, drei .... entartete Clans in der eigenen Familie in Europa dulden, als irgendwo die Polizei im Hause zu haben. Recht, Gerichte, Polizei, Gesetze, Verträge in EURO&pa? Alles nur für Nichtmafiosi gültig. Alle nicht zuständig wenn es um den EURO geht. Zuständig dafür alleine sind die Untouchables, Nichtdemokraten, die Unkontrollierten, Unkontrollierbaren, nicht Haftbaren ...... und dann kommen sie alle ...... EZB, ESM, ESFS, EURO-Finanzminister, EU-Bankenunion, EU-Kommission, die TROIKA aus allen und so endlos fort ....... alles eben mit der Präfix EU. Kann es da wundern wenn ein einfacher Beobachter zu dem Kurzschluss kommt, Mafia und das Präfix EU seien ein und dasselbe? Nur ein Synonym für: EURO-Lied, ein garstig Lied? Honi soit qui mal y pense? Ein Schelm, der Arges dabei denkt? Nein, ein Idiot, der es nicht tut.

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