Griechenland
Tsipras verkündet die Wachstumswende

Neun Jahre dauerte die Rezession. Nun verspricht der griechische Premierminister Alexis Tsipras eine Rückkehr zum Wachstum - ohne die Fehler der Vergangenheit. Aber die Demoskopen haben schlechte Nachrichten für ihn.
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AthenFür Alexis Tsipras war es eine gute Woche. Selten hat ein ausländischer Staatsgast einen griechischen Regierungschef so mit Komplimenten überhäuft wie der französische Präsident Emmanuel Macron, den Tsipras am Mittwoch in Athen begrüßte.

Während Tsipras bei Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel immer irgendwie in der Rolle des Bittstellers ist, begegnete Macron ihm auf Augenhöhe – und gab damit Tsipras die Statur eines Staatsmannes. Etwas vom Glanz der europapolitischen Grundsatzrede, die Macron am Mittwochabend auf der Pnyx, dem Geburtsort der Demokratie vor der inspirierenden Kulisse der Akropolis hielt, strahlte auch auf den Gastgeber Tsipras ab.

Entsprechend selbstbewusst flog der Premier am Samstag nach Thessaloniki, um die 82. Internationale Messe zu eröffnen. Bei der alljährlich Anfang September stattfindenden Ausstellung gibt der jeweilige Premier traditionell eine wirtschaftspolitische Regierungserklärung ab. Er zieht Bilanz und blickt nach vorn. In diesem Jahr lautet Tsipras‘ Botschaft: Griechenland schlägt ein neues Kapitel auf. Die Talsohle ist durchschritten, die Wende ist geschafft, es geht wieder aufwärts.

Tsipras weiß: Mit dem Auftritt in Thessaloniki beginnt so etwas wie sein politisches Schicksalsjahr. Im September 2018 soll Griechenland das Anpassungsprogramm hinter sich lassen und wieder auf eigenen Beinen stehen. Davon hängt die politische Zukunft des Alexis Tsipras ab. Gelingt der erfolgreiche Abschluss des Programms, könnte er den Rückenwind dazu nutzen, die eigentlich erst im Herbst 2019 fälligen Parlamentswahlen vorzuziehen.

Die Vorzeichen scheinen günstig: Nach neun Jahren Rezession kehrt das Krisenland auf den Wachstumspfad zurück. In den ersten beiden Quartalen wuchs das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem vorangegangenen Vierteljahr um jeweils 0,5 Prozent. Für das Gesamtjahr 2017 rechnet Premier Tsipras mit einem Wachstum von „nahe zwei Prozent“.

Dass Griechenland wieder auf dem Weg der wirtschaftlichen Erholung ist, spiegelt auch diese Messe: Die Zahl der Aussteller ist gegenüber 2016 von 1015 auf rund 1500 gestiegen. Das ist die größte Beteiligung seit zehn Jahren. Allein das diesjährige Gastland China ist mit 167 Firmen vertreten.

„Wir schlagen eine neue Seite auf“, verkündete Tsipras in Thessaloniki. Das Bild des Landes habe sich „dramatisch zum Besseren gewandelt“. Nun gehe es darum, das Land aus der Vormundschaft der Gläubiger zu befreien, „ohne in die Fehler der Vergangenheit zurückzufallen“.

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