Griechenland und die Drachme-Pläne
Varoufakis im Kreuzfeuer

Die Gespräche über neue Hilfen können starten, die Teams der Insitutionen sind in Athen. Doch die Schlagzeilen gehören dem Ex-Finanzminister: Er verteidigt geheime Drachme-Planspiele – und stellt Schäuble an den Pranger.
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AthenVertreter der internationalen Geldgeber sind in Athen angekommen, um mit der griechischen Regierung Gespräche über ein drittes Hilfspaket aufzunehmen. Das teilte eine Sprecherin der EU-Kommission am Montag in Brüssel mit. „Teams der Institutionen sind vor Ort“, sagte die Sprecherin. Die Verhandlungen würden „unmittelbar beginnen“, fügte sie hinzu: „Die Institutionen sprechen mit den griechischen Behörden.“ Aus griechischen Regierungskreisen hieß es dagegen, die Gespräche würden am Dienstag beginnen.

Die Leiter aller Delegationen sollen nach den Worten der Sprecherin spätestens bis Mittwoch in Athen eintreffen. Bei den Verhandlungen geht es um ein neues dreijähriges Rettungspaket von bis zu 86 Milliarden Euro für Athen. Dieses soll nach Kommissionsangaben in der zweiten August-Hälfte stehen.

Wie aus Kommissionskreisen verlautete, erwarten die Geldgeber aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) von Athen weitere Reformen vor der ersten Auszahlung der Hilfskredite. Reformen wären „hilfreich und nützlich“ und würden das Vertrauen wieder herstellen, hieß es. Die griechische Seite habe den Geldgebern zugesichert, dass sie Zugang zu den griechischen Ministerien und allen relevanten Daten bekommen würden.

Für größere Aufregung sorgten aber auch am Montag noch die Berichte über angebliche Geheimpläne für eine Rückkehr zur Drachme, die der ehemalige Finanzminister Yanis Varoufakis entworfen haben soll. Dem britischen „Daily Telegraph“ bestätigte Varoufakis , dass er im Auftrag von Premierminister Alexis Tsipras einen Plan zur Einführung eines virtuellen parallelen Bankensystems entwickelt habe.  Es sei aber nie seine Absicht gewesen, Griechenland zu einem „Grexit“ und zur Drachme zurückzuführen, sagte Varoufakis.

Laut einem Bericht der Athener Zeitung „Kathimerini“ hatte Varoufakis die Pläne am 16. Juli in einer Telefonkonferenz mit internationalen Analysten ausgeplaudert. Bereits im Dezember 2014, vor dem Wahlsieg des radikalen Linksbündnisses Syriza, habe ihn Tsipras als seinen damaligen Wirtschaftsberater mit Plänen für eine Rückkehr zur Drachme beauftragt, erzählte Varoufakis laut „Kathimerini“ den Analysten. Als Finanzminister habe er dann eine „kleine, sehr fähige Mannschaft zusammengestellt, die unter größter Geheimhaltung arbeitete“. Die Planspiele sahen die Einführung eines virtuellen Zahlungssystems vor, das „mit einem Knopfdruck“ vom Euro auf eine neue Währung hätte umgestellt werden können, sobald Premier Tsipras dafür grünes Licht gebe. Damit die Troika keinen Wind von den Plänen bekomme, habe er einen Jungendfreund als Hacker engagiert, der sich unbemerkt Zugriff auf alle erforderlichen Daten der Finanzverwaltung verschaffte, erzählte Varoufakis in der Telefonkonferenz.

Im April hatte auch der frühere Chefökonom der Deutschen Bank, Thomas Mayer, Athen besucht und sich mit mit Varoufakis und Tsipras getroffen. Dabei ging es laut Mayer um die mögliche Einführung einer Parallelwährung.

Gegenüber dem „Daily Telegraph“ bestätigte der frühere Finanzminister jetzt diese Pläne. Er habe Tsipras von Anfang an gesagt, dass es „schwierig werden könnte“, aber das sei nun mal „der Preis der Freiheit“. Als es dann so weit gewesen sei, den Plan umzusetzen, habe Tsipras aber vor den Schwierigkeiten zurückgescheut. „Ich weiß nicht, wann er zu dieser Entscheidung gekommen ist“, sagte Varoufakis dem „Daily Telegraph“. Er habe von Tsipras‘ Entschluss, keinen Grexit zu wagen, in der Nacht nach der Volksabstimmung vom 5. Juli erfahren und daraufhin seinen Rücktritt angeboten.

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  • Es wurde bei jeder Verhandlungsrunde klarer, dass Griechenland aus dem Euro will. (Wie andere Euroländer vermutlich auch). Aber die beiden Griechen hatten nicht vorausgeplant, wie verblödet Merkel, Draghi und Junker ihnen das Geld auch dann noch hinterhertragen würden. Einem geschenkten Gaul voller Euromünzen schaut man nicht aus Maul, sondern lässt ihn erstmal fleißig weiter scheißen, denn dumm sind die Griechen wohl eher nicht gerade.

  • 2022 wird Zahltag für den Deutschen Steuerzahler sein. Jedes Jahr mindestens 2,2 Mrd € oder in DM 4,4 Mrd. Und das über Jahrzehnte hinweg zahlen wir für die Schulden Griechenlands. Wie kann man nur so blöd sein.

  • HB :"„Dann wird Schäuble sagen, dass wir erneut gescheitert sind. Er hält uns hin. Er hat seinen Plan, Griechenland aus dem Euro zu drängen, noch nicht aufgegeben.“
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    Herrn Schäuble dürfte bekannt sein, dass ein Ende der EURO-Mitgliedschaft nur mit einem EU-Austritt möglich ist; denn eine Klausel zum EURO-Austritt wurde im Maastricht-Vertrag schlicht absichtlich "vergessen" (Berater Attali von Präsident Mitterand). Deutschland ist der EU-Austritt aus politischen Gründen verbaut und damit ist D im EURO "gefangen" mit der Folge, die Rolle des Hauptzahlmeisters zu übernehmen. Das hat bisher ganz ausgezeichnet funktioniert und Herrn Tsipras sicherlich veranlasst, den EURO-Austritt via. EU-Austritt nicht zu riskieren, was verständlich ist, zumal sich kein anderer Partner anbot, die verlustreiche Finanzierung Griechenlands zu übernehmen.
    Ein Rückblick : Griechenland wurde ab seiner Unabhängigkeit von den Osmanen finanziert von Frankreich und Großbritannien - die Gelder waren immer verloren - und dann von den USA, welche die undankbare Rolle des Griechenlandfinanziers an die EU bzw. Deutschland weiterreichten. Der Anlass der Finanzierungen war in allen Fällen die geopolitische Lage Griechenlands, die sich nicht verändert hat. Die Transfers werden somit weitergehen, dafür hat die Konstruktion der EURO-Zone Sorge getragen.
    Die Griechen werden dieses gemachte EU-Bett mit seinem EURO niemals verlassen, allerdings alle möglichen Reformen versprechen, um die Partner "bei Geberlaune" zu halten. Zu guter letzt
    werden die Verträge hin zu einer Transferunion ohnehin geändert und die Schulden erlassen.

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