Griechenland und die Euro-Krise: Zurück zur Drachme?

Griechenland und die Euro-Krise
Zurück zur Drachme?

Zukunftsszenario „Grexit“: Mit dem Rauswurf der Troika wird Griechenlands Rückkehr zur Drachme wahrscheinlicher. Doch der harte Kurs der Tsipras-Regierung könnte bittere Folgen haben. Nicht nur für das Land.
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DüsseldorfDer Ökonom Hans-Werner Sinn hält es schon seit langem für unvermeidlich. „Mit dem Euro kommen die Griechen nie wieder auf einen grünen Zweig", sagte der Chef des Münchner Ifo-Instituts bereits 2011 dem Nachrichten-Magazin „Spiegel“. Sinns Schlussfolgerung: Griechenland sollte aus der Euro-Zone austreten und die Drachme wieder einführen.

Dieses Szenario könnte vier Jahre später Realität werden. Nach dem Wahlsieg des linksradikalen Syriza-Bündnisses hat der neue griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras klar gemacht, dass er seine Wahlversprechen umsetzen will: Höhere Renten, Verzicht auf Privatisierungen, Anhebung des Mindestlohns. Von den Vereinbarungen mit der Troika der Gläubiger aus IWF, EZB und EU will er nichts mehr wissen.

„Wir haben nicht vor, mit der Troika zusammenzuarbeiten“, stellte der designierte Finanzminister Yanis Varoufakis bei einem Treffen mit Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem am Freitag klar. Das Ergebnis könnte tatsächlich die Rückkehr der alten griechischen Währung Drachme sein, selbst wenn das weder die Griechen noch die EU-Regierungschefs wollen. In der Praxis wäre das mit vielen Problemen verbunden.

Schon allein rechtlich gibt es kein Verfahren für einen Euro-Austritt. Diese Frage ließe sich im Zweifelsfall aber wohl noch am einfachsten regeln. Der Spiegel zitierte jüngst einen hochrangigen Währungsexperten mit dem Satz: „Notfalls klären das findige Juristen.“

Klar ist: Die EU kann Griechenland nicht direkt zu einem EU-Austritt zwingen. Freiwillig wollen die Griechen aber auch nicht austreten. Dennoch könnten die Akteure in eine Situation geraten, aus der es keinen anderen Ausweg mehr gibt. „Griechenland wird nicht von selbst aus der Euro-Zone austreten. Das kann nur durch einen Unfall passieren“, sagt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil.   

Die Lage ist allerdings so labil, dass dies schneller passieren könnte als vielen lieb ist. Das zeigt sich zum Beispiel an den Bankschaltern in Athen und anderswo in Griechenland: Im Dezember hoben die Helenen unterm Strich  etwa 2,5 Milliarden Euro von ihren Konten ab.

Die Unsicherheit nach der Wahl könnte diesen Trend verstärken. „Wenn es keine schnelle Einigung Griechenlands mit den Gläubigern gibt, besteht die Gefahr, dass Panik entsteht und immer mehr Menschen die Bankkonten leerräumen“, sagt Weil. Dann sei irgendwann der Punkt erreicht, „wo es kein Zurück mehr gibt“.

Je mehr Griechen ihr Erspartes von der Bank abheben, desto knapper werden dort die Bargeldreserven. Schon im Vorfeld der Wahl haben sich mehrere griechische Banken um Notfallliquiditätshilfen (Emergency Liquidity Assistance, ELA) beworben. Über die Hilfen entscheidet der EZB-Rat. Er muss beurteilen, ob die vorhandenen Sicherheiten der Banken dafür ausreichen.

Kommentare zu " Griechenland und die Euro-Krise: Zurück zur Drachme?"

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  • Ich empfehle den europäischen Politikern den Film "Alexis Sorbas". Ein Lehrstück in griechischer Mentalität. Wie im Film, werden diesmal die Europäer pleite abziehen und die Griechen tanzen Sirtaki.

  • Es braucht nur Deutschland aus dem, oder Frankreich, Euro austreten und dann war es das. Aber dieses Geschrei was dann ansetzen würde wäre wirklich grausam.
    Sind nun einmal alle auf einem "guten Weg". Höre ich jeden Tag. Bloß keiner merkt das. Allein was die EZB veranstaltet, entbehrt jegliche ökonomischen Grundlage. Das ist genau so irrational wie die g

  • allein dafur,dass das trixen und feilschen aufhort, sollte griechenland den € verlassen. die gehoren einer wertegemeinschaft nicht an

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