Griechenland und die Renten „Ist Kürzen eine Reform? Ich glaube nicht!“

Bang warten viele Griechen auf die Ergebnisse aus Brüssel. Die Gläubiger fordern weitere Kürzungen. Vor allem die griechischen Rentner sind besorgt. Denn für viele Familien sind sie der letzte Schutz vor der Armut.
12 Kommentare

Noch immer keine Einigung: Pleite Griechenlands rückt in bedrohliche Nähe

AthenMit müdem Blick verfolgt Fotis Theodorakopoulos die Protestkundgebung vor dem Parlament in Athen. Die Demonstranten skandieren Parolen gegen ein mögliches Abkommen im griechischen Schuldendrama. Sie fürchten neue Kürzungen, vor allem bei den ohnehin schon drastisch zusammengestrichenen Renten. Theodorakopoulos bleibt abseits des Geschehens. Er weiß aber genau, um was es geht. Europa stehe kurz davor, über seine Zukunft zu entscheiden, sagt der 69-Jährige, während er sich auf seinen Gehstock stützt.

Tatsächlich steht Griechenland vor Schicksalstagen. Seine Gläubiger beugen sich über die neuesten Reformvorschläge, die Athen im Gegenzug für die dringend benötigte letzte Tranche von 7,2 Milliarden Euro aus dem Hilfspaket vorgelegt hat. Nach monatelangen Verhandlungen steht eine Entscheidung an – in Brüssel tagen die Euro-Finanzminister und die Staats- und Regierungschefs.

Es ist höchste Zeit, denn am 30. Juni läuft das derzeitige Rettungsprogramm für Hellas aus. Zudem wird eine Rückzahlung von 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds fällig, die Athen ohne frisches Geld vermutlich kaum aufbringen kann. Weitere Schuldenbegleichungen stehen im Juli und August an.

Die griechische Regierung hat sich nun bereiterklärt, fast acht Milliarden Euro einzusparen. Hereinholen will sie das Geld vor allem über eine Anhebung der Mehrwertsteuer sowie über Abgaben für Unternehmen und Besserverdienende. Von weiteren Rentenkürzungen sollen die Bürger verschont bleiben. Dafür hat die Regierung von Alexis Tsipras eine Erhöhung der Arbeitnehmerbeiträge zur Rentenversicherung und ein Zurückfahren der Rechte auf Frühverrentung vorgeschlagen.

Dabei spielt das Thema Pensionen bei den Schuldengesprächen eine zentrale Rolle. Denn für den griechischen Staat sind die Renten zu einer großen finanziellen Last geworden, weswegen die Gläubiger eigentlich auf Einsparungen um mindestens 1,8 Milliarden Euro gepocht hatten. Im Papier der Griechen haben die Institutionen unter dem Punkt Pensionen quasi das komplette Angebot umgeschrieben.

Hier lesen Sie das pdf, das die Änderungswünsche der Institutionen zeigen soll:

Allerdings hat Athen beim Haushaltsposten Rente schon zur Axt gegriffen: Seit Beginn der Finanzkrise 2009 wurde hier um etwa 40 Prozent gekürzt, wie aus einer Schätzung der Regierung hervorgeht. Immer mehr griechische Familien sind aber auf Rentenzahlungen angewiesen, um nicht in die Armut abzugleiten.

So auch Rentner Theodorakopoulos. Er bekommt pro Monat 1000 Euro Ruhegeld, das er in die Betreuung seiner behinderten Tochter steckt. „Es ist nur für mich und meine Tochter. Sie erhält einen kleinen Betrag vom Staat, deshalb müssen wir uns gegenseitig helfen“, sagt der pensionierte Wachmann. „Wir wollen nicht, dass sie ein weiteres Rettungsabkommen unterzeichnen. Wenn sie die Renten weiter kürzen, sind wir am Ende.“

Warum das Rentensystem auf die Insolvenz zusteuert
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Griechenland und die Renten - „Ist Kürzen eine Reform? Ich glaube nicht!“

12 Kommentare zu "Griechenland und die Renten: „Ist Kürzen eine Reform? Ich glaube nicht!“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Dieses kommunistische Griechen Bla Bla. Griechenland hat Lohnstückosten von ca. 15 Euro, falls sie was produzieren,. Rumänien von ca. 4 Euro. Griechenland liegt aber unter dem Industrie Niveau von Rumänien. Erwähnenswerte Rohstoffe haben sie auch nicht. Griechenland hat sich seinen Wohlstand schlichtweg ergaunert.

  • Ich glaub kein Wort!

    Ich war zwischen 1977 - 2009 oft in Griechenland und habe den märchenhaften Wandel seit der Euroeinführung gesehen. Die Griechen leben seitdem total über ihre Verhältnisse. Daimler S und SLK, Audi A6 und 5 er BMWs in unglaublicher Anzahl, auch bei einfachen Leuten. Der Gärtner auf dem Foto schneidet mit Stihl-Heckenschere. Teurer gehts nimmer. Nur das Beste ist gerade gut genug. Jammmern auf hohem Niveau. Rentner unterhalb der Armutsgrenze gibt es in Deutschland auch genug. Und die haben länger gearbeitet als griechische Rentner. Die haben nur leider keine Volksvertreter wie Tspras und Varoufakis.

  • In Deutschland hat man ja damals die bevölkerungsverachtende Agenda2010 der Sozialabbau Partei Deutschlands auch "Reform" genannt. Ich hoffe, dass die Menschen in Deutschland wie in Griechenland eines Tages wach werden und sie dafür sorgen, dass es Politikern, die Kürzungen "Reformen" nennen, an den Kragen geht. Das gleiche Schicksal soll auch deren Erfüllungsgehilfen, den Medien, widerfahren. Die Welt muss endlich wieder ehrlicher werden. Wenn Politik und Medien mit ihren derzeitigen Methoden ungeschoren davon kommen, dann ist die Verrohung der Menschheit nicht mehr in den Griff zu bekommen. Ehrlichkeit, Anstand und Moral müssen endlich wieder Werte sein, nach denen streben lohnenswert ist. Seit Schröder gibt es nur noch Menschenverächter in der Politik, deren Ziel es nur noch ist, bei der Bevölkerung Kürzungen als Reformen zu verkaufen und sich dabei selbst die Taschen noch voller zu stopfen. Wenn es einen Gott gibt, dann wird er hoffentlich über die Menschenschänder richten!

  • Mit den Fakelakis habe ich null Mitleid. Jahrzehnte schmarotzt. Jetzt die Quittung. Das ist nur gerecht.

  • Wenn die anderen immer billiger werden, wird es bei uns in D über kurz oder lang ebenso zu weiteren „Strukturreformen“ sprich Kürzungen von Löhnen/Gehältern, Sozialleistungen und Renten kommen müssen.
    Schließlich würden unsere EU-Mitbewerber plötzlich wieder wettbewerbs- und leistungsfähiger.
    Aussage ifo-Sinn: „Die Länder, die die Gelder empfangen, ja auch in einer fehlenden Wettbewerbsfähigkeit gehalten werden.“
    Ich finde diese Aussage von Hans-Werner Sinn schon bemerkenswert. Es bestätigt mir, dass es politisch und ökonomisch gewollt ist, diese Länder dauerhafte in der Überschuldung zu halten (Handelsblianzdefizite).
    Dazu sagte Sinn noch:
    „Man kann im Euro also immer nur rauf mit den Preisen, aber nicht runter“ (siehe Anne Will Sendung vom 24.06.).“

    Jeder klar denkende Mensch mit durchschnittlichem Verdienst oder weniger sollte sich jetzt ernsthaft Gedanken machen. Mal will Europa großflächig prekarisieren, mal will Europa komplett an Investoren und die Finanzhaie ausverkaufen.

  • Syriza nennt sich doch "sozialistisch". Warum nicht als erster Schritt eine ´ Einheitsrente´, um die Armen zu schonen? Laesst sich schon mit der naechsten Auszahlung verwirklichen, einfach und effizient.

  • Lagarde hat mehr Erfahrung mit unerzogenen Kindern, deshalb ist es richtig, dass Merkel sich zurueckhaelt. Kuerzen kann nur Teil einer Reform sein, deshalb sollte die griechische Regierung endlich den Rest praesentieren. Es ist wahrlich genug geredet, gedroht und beleidigt worden. Griechenland wird nicht erpresst. Es kann tun und lassen, was es will. Aber wenn es von anderen etwas will, muss es sich auch auf deren Bedingungen einlassen. Aller Schwarzmalerei zum Trotz: wenn Griechenland raus ist, wird am naechsten Tag Ruhe und Stabilitaet zurueckkehren. Nur einige Spekulanten werden Geld verloren haben. Und das schmerzt uns nicht wirklich!

  • Es ist alles gesagt, geschrieben und diskutiert worden zum EUR, deshalb hier nur die Kurzform:

    Dieser EUR macht die breite Masse, die Mittelschicht arm, egal wo in der EUR-Zone. Den hohen Preis für ein absurdes politisches Eliten-Projekt wieder jeder Vernunft und Experten-Ratschläge werden die Bürger hierzulande in Scheibchen bis zur Rente und darüber hinaus zahlen, so viel steht fest.

    Und genau deshalb haben die Brüsseler EU- und EUR-Bürokraten auch so viel Angst vor einem Ausscheiden Griechenlands ... denn nach 1-2 Jahren wird es dort wieder deutlich bergauf gehen!

  • Zitat: "„Wir wollen nicht, dass sie ein weiteres Rettungsabkommen unterzeichnen. Wenn sie die Renten weiter kürzen, sind wir am Ende.“"

    ist dem Mann wirklich nicht klar was passieren wird in Griechenland ohne EU-Hilfen???

    informieren die Medien in Griechenland die Bürger nicht?

  • Es verdichtet sich die Annahme, daß es die mächtigen Magnaten in Griechenland sind, die bestimmen, ob sich für sie (!) im Euro noch hinreichend Geld verdienen läßt. Daran mögen sich Zweifel entwickeln vor allem wegen der immer noch strengen Auflagen für Volk und Land nebst den Resten der griechischen Ökonomie.

    Dies Herrschaften sollen Medien und Industrie im Lande weitgehend beherrschen. Sie sind es, welche dem Volk insinuieren, was es denken und wie es handeln soll. Daneben wird der rechte Koalitionspartner gewiß über die Interessen informiert, die im Vordergrund zu stehen haben.
    Steuerfreiheit, -Vergünstigungen und Sonderregularien müssen erhalten bleiben, was vor allem dem IWF ein Dorn im Auge ist.

    Sollte sich bilanzieren lassen, daß außerhalb des Euro für diese Leute mehr zu verdienen wäre, kann von dem Ende der Euromitgliedschaft ausgegangen werden.
    Da ähnliche Verhältnisse einst und bis gegenwärtig auch in anderen Ländern - vor allem ums Mittelmeer - vorherrschen dürften, läßt sich die Zukunft des Euro leicht vorhersagen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%