Griechenland und die Troika: Tsipras schießt nur Eigentore

Griechenland und die Troika
Tsipras schießt nur Eigentore

Griechenland stößt die Verhandlungspartner im Minutentakt vor den Kopf. So gewinnt man keine Partner, dabei hat Athen das dringend nötig. Denn es geht um mehr als nur den vermaledeiten Schuldenschnitt. Ein Gastkommentar.
  • 67

Die vergangenen Parlamentswahlen in Griechenland brachten eine Zäsur. Die beiden Altparteien, die das Land über 41 Jahre hinweg in den Ruin gewirtschaftet haben, sind abgewählt. Zeit für einen hoffnungsvollen Neuanfang? Nein. Nach 24 Stunden ging es los – im Stakkato zwar, aber nicht hoffnungsvoll.

Montag: Bildung einer Koalition zwischen Syriza - im Europaparlament mit der „Linken“ verbunden – und den Rechtspopulisten – in Europa in einer Fraktion mit der AfD. Eine Koalition, die ohne Verhandlungen, Regierungsprogramm oder ähnliches Geplänkel nach fünf Minuten per Handschlag zustande kommt. Aufschrei in der Bevölkerung? Fehlanzeige!

Offensichtlich sind die Wähler von Syriza gar keine Linksextremen, sondern nur die Verlierer des Sparkurses der vergangenen fünf Jahre. Ihnen scheint es egal zu sein, wer mit wem eine Regierung bildet, Hauptsache nicht die Altparteien.

Dienstag, das Kabinett: Mit Alexis Tsipras bekommt das Land einen Ministerpräsidenten, der sich im Jahr des Mauerfalls den stalinistisch orientierten Kommunisten anschließt. Einen angeblich unverbrauchten Außenminister, der bereits Giorgos Andrea Papandreou als enger Vertrauter diente.

Einen Verteidigungsminister, Panos Kammenos, der sich durch Nähe zu griechischen Oligarchen auszeichnet – also zu denen, die sein Koalitionspartner ja nun so stark besteuern will. Und dann noch einen Finanzminister, Yanis Varoufakis, der vorher Spieltheoretiker war, und nun glaubt, besser verhandeln zu können als die deutsche Bundeskanzlerin. Glück auf!

Da kann man nur noch mit Adenauer sprechen, der zur ersten deutschen großen Koalition 1966 äußerte: „Na, die Zusammensetzung, wenn ich dat so sehe - ein bißchen gespenstisch.“

Mittwoch: Es folgen die vollmundigen Ankündigungen, 10.000 Staatsbeamte wieder einzustellen, die Privatisierung zu stoppen, den Leiter der Privatisierungsbehörde zu entlassen, und die Löhne wieder zu erhöhen. Die Folge: Die griechischen Aktien brechen ein. Geldabflüsse bringen das griechische Bankensystem ins Wanken.

Donnerstag/Freitag: War es das schon? Weit gefehlt. Während der griechische Außenminister nach Brüssel fährt, um sich den gerade eingeschlagenen Russlandkurs wieder ausreden zu lassen, wirft der neue Verteidigungsminister vom Helikopter Blumen über umstrittenes Gebiet im türkisch-griechischen Grenzraum ab, was sofort türkische Kampfjets auf den Plan ruft. Gleichzeitig verkündet der Spieltheoretiker den nächsten Eklat: das einseitige Ende der Verhandlungen mit der Troika.

Seite 1:

Tsipras schießt nur Eigentore

Seite 2:

„Haltet ein!“

Kommentare zu " Griechenland und die Troika: Tsipras schießt nur Eigentore"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "......schießt nur Eigentore"

    Unsere Koalitionen, seit der katastrophalen ROT/GRÜN Lobby-"Regierung", wurden vorhersehbare und gewollte Eigentore installiert !!!

    WIR deutsche Steuerzahler zahlen für die eigenen Fehler, die unsere Kompetenzleeren und miesen Lobby-"Volksvertreter" uns eingebrockt haben !

    Vorteile für wenige, aber Existenzen der unschuldigen EU-Bürger werden zunehmend zerstört !

    Die Verursacher retten sich durch unsere Steuergelder und wir Bürger/Wähler schauen immer noch passiv zu, nicht alle aber zu viele !

    Zur Rechenschaft sollte man diese Typen aus Politik und Lobby ziehen, die gewollt und vorhersehbar diese kriminelle Entwicklung herbei ergaunert haben , mit aller Härte unserer Justiz !!!!

    Das ist EUROPAfeindliche Politik !!!

  • Alles hört auf Griechenland
    -------------------
    Alexis Tsipras ist der neue starke Mann in Europa.
    Alle hören genau zu wenn er spricht.
    Erst hat Tsipras die Troika rausgeworfen, dann hatte Varoufakis
    Dijsselbloem sprichwörtlich vor die Tür gesetzt.
    Dann wollen sie keinen neuen Hilfsantrag mehr stellen, sagten aber hinterher. das wäre ein Übersetzungsfehler.

    Heute trifft Tsipras mit Juncker zusammen um ihn von seinen Plänen zur Schuldenfrage zu überzeugen Um Berlin macht er einen großen Bogen. Varoufakis trifft heute Draghi um um neue Hilfsgelder zu bitten/betteln.

    Die Sparbemühungen werden eingedampft. Alle entlassenen Beamten sollen wieder eingestellt werden, die Privatisierung rückabgewickelt. die Löhne angehoben, Rentner erhalten wieder Weihnachtsgeld.
    Aber von einer funktionierenden Finanzverwaltung ist nicht die Rede.
    Reeder und Milliardäre zahlen noch immer keine Steuern!

    Tsipras tingelt derzeit durch Europa. Hier sind sozialistische Regierungen sein Anlaufziel. Erst Zypern, dann Italien, morgen Frankreich.
    Mit Renzi bildet er das neue Dreamteam!

  • "Warum kommt nicht einmal in den Fokus der Öffentlichkeit, dass Deutschland seit der Euroeinführung das vereinbarte Inflationsziel von jährlich 2% massiv unterboten hat? "

    Sie sollten nicht so viel AgoitProp-Medien konsumieren. Es gibt kein Inflationsziel von 2%. Ziel der EZB-Politik hat laut Statuten eine stabiler Geldwert zu sein, der BIS zu 2% als oberster Grenze als gewahrt gilt. Die inflationistischen Südländer wollen sich mit hartem deutschen Spargeld ihre gewohnte Fiesta finanzieren lassen und sind deshalb an Geldentwertung und Schulden die niemand oder andere zurückzahlen müssen, interessiert. Deshalb verbreiten sie namnetlich der oberste Falschmünzer Mario Drucki diese propagandistische Parloe . Ein anständiger Mensch verbreitet keine Propganda von Kreditbetrügern und ein Kluger glaubt sie nicht. Wo Sie sich einordnen, sollten Sie ggfls. überprüfen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%