Griechenland und die Tsipras-Regierung
„Es wird jeden Tag schwieriger mit Varoufakis“

Der Eklat um eine anzügliche Geste des griechischen Finanzministers gegen Deutschland sorgt für Wirbel. In der Union wachsen die Zweifel, ob mit solchen Regierungsvertretern eine verlässliche Zusammenarbeit möglich ist.
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BerlinDer Reform-Streit mit Griechenland nimmt an Schärfe zu. Für neuen Wirbel sorgt der Auftritt des griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis in der ARD-Talksendung „Günther Jauch“. Varoufakis nahm in der Sendung am Sonntagabend, zu der er live zugeschaltet war, nicht nur zur Finanzlage seines Landes Stellung – er sprach von einem „unbedeutenden Liquiditätsproblem“. Die Regierung tue alles, damit alle Gläubiger ihr Geld zurückbekommen. Für Aufsehen sorgte vor allem ein gezeigtes Video mit einer gegen Deutschland gerichteten „Stinkefinger“-Geste des Finanzministers.

In der Talkshow nannte Varoufakis die Szene mehrfach und nachdrücklich eine Fälschung. Jauchs Produktionsfirma I&U erklärte dagegen, es gebe bisher „keinerlei Anzeichen“ dafür, dass das gezeigte Video mit der obszönen Geste nicht echt sei.

Die Redaktion ließ die Aufnahme von verschiedenen Medienexperten und Netzforensikern prüfen - mit dem Ergebnis, dass der Videoausschnitt von einem Auftritt Varoufakis‘ beim Subversive Festival in Zagreb am 15. Mai 2013 keinerlei Hinweis auf eine Manipulation oder Fälschung enthalte und als authentisch eingestuft werden könne.

Demnach bestätigte Thomas Gloe, Geschäftsführer von „Dence, Fälschungserkennung bei digitalen Bildern, Videos und Audio“ nach einer ersten Sichtung des Materials, dass das Video „plausibel und authentisch“ aussehe. Diese Einschätzung teilen auch die Netzanalysten von „storyful“.  

Und auch der Video-Analyst „Conflict Reporter“ teilte mit, dass er das Material „zu 99,9 Prozent für authentisch“ halte. Für eine Fälschung gebe es keinerlei Indizien: „Kein neues Licht, keine veränderten Kamerawinkel, keine Schnitte – es gibt keinen Hinweis auf eine Manipulation.“ Zudem sei die gesamte Körperlichkeit von Varoufakis passend zur Geste.

Zudem bestätigte der Mitveranstalter des Festivals, Igor Stiks, gegenüber der Jauch-Redaktion  den Auftritt von Varoufakis bei der Veranstaltung und die Verwendung der Mittelfinger-Geste als Antwort auf eine Publikumsfrage, spricht sogar von einer zweiten Sequenz, in der Varoufakis den Mittelfinger zeige.

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU), der selbst Gast der Sendung war, bezichtigte Varoufakis der Lüge. „Ich vertraue der Recherche der Redaktion von Günther Jauch. Das würde bedeuten, dass Herr Varoufakis offensichtlich im deutschen Fernsehen die Unwahrheit gesagt hat“, sagte Söder dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Das wäre ein Problem der Glaubwürdigkeit für die gesamte griechische Regierung. „Es wird jeden Tag schwieriger, Herrn Varoufakis noch als seriösen Verhandlungspartner zu akzeptieren.“

Mit Varoufakis‘ Auftritt in der Jauch-Sendung sei dessen Glaubwürdigkeit „erneut erschüttert“ worden, sagte Söder weiter. „Der Minister hat den Ernst der Lage offensichtlich nicht erkannt. Das sieht man auch daran, dass er mit immer neuen Vorschlägen versucht, das Schuldenproblem seines Landes zu lösen, statt die vereinbarten Reformen endlich umzusetzen.“

Das Video stammt aus dem Jahr 2013. Es zeigt den damaligen Wirtschaftsprofessor Varoufakis bei einer Konferenz in Zagreb. Er spricht über die Euro-Krise und darüber, wie die griechische Regierung im Januar 2010 hätte handeln sollen. „Mein Vorschlag war, dass Griechenland sich einfach für insolvent erklären sollte, innerhalb der Euro-Zone, im Januar 2010“, sagt Varoufakis. „Und es sollte Deutschland den Finger zeigen und sagen: Ihr könnt das Problem jetzt alleine lösen.“ Bei diesen Worten ist der ausgestreckte Mittelfinger zu sehen.

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  • „Ein Zurück zum Sparprogramm wird es für Griechenland nicht geben…“, so Alexis Tsipras – richtig: Wohin soll sich Griechenland denn noch sparen, in der Austerität ist es doch schon – noch tiefer geht´s nimmer. Und dumme Sprüche wie „Wir sind – wieder Mal – auf einem guten Weg“ helfen hier schon längst nicht mehr. Die Massen hier im Lande wüten jetzt gegen die Griechen, gegen Draghi, Juncker & Co. In Wirklichkeit wüten sie gegen sich selbst, daß sie seit 1988 dem Deal von Kohl und Mitterrand um Währungsunion und deutsche Einheit hinterherlaufen und damit blind in jede Falle getapst sind, die man ihnen aufgestellt hat. Jetzt haben sie doch ihr Ziel erreicht – sie sind gerade klug genug, um genügend Steuern zu zahlen. Und „Schäuble melkt mit kalten Händen“ schreibt das Handelsblatt am 13. 03. 2015.

  • Das war doch nur eine griechische Sozialwohnung :-)

  • Einfach endgültig Schluss machen und gar nichts mehr zahlen und null Entgegenkommen! Es ist genug - mehr als genug.

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