Griechenland vor der Wahl: Mit Tsipras zurück in die Vergangenheit

Griechenland vor der Wahl
Mit Tsipras zurück in die Vergangenheit

Sollte Alexis Tsipras neuer Ministerpräsidenten Griechenlands werden, wird das böse Erwachen folgen. Denn seine Umverteilungsversprechen wird er nicht halten können. Ein Gastkommentar von Alexander Kritikos vom DIW.
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Die jüngsten Diskussionen um einen „Grexit“ haben zu einer tiefen Verunsicherung in Griechenland geführt, und die Auseinandersetzungen um einen Schuldenschnitt stehen wieder im Vordergrund. Das Kernproblem Griechenlands ist jedoch ein ganz anderes, und geht in der fahrlässig geführten Grexit-Debatte fast unter: Griechenland hat seine Reformen nicht zu Ende gebracht und macht deshalb nach wie vor von seinen innovativen und hochproduktiven Ressourcen – herausragende Forscher zum einen, High-Tech Gründer- und Unternehmer im IT-, Energie- und Pharma-Bereich zum anderen – viel zu wenig Gebrauch. Stärken übrigens, die bis heute sowohl in Griechenland als auch außerhalb viel zu wenig bekannt sind.

So lange diese Ressourcen brach liegen, wird es in Griechenland kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum geben, da kann der Schuldenschnitt noch so groß ausfallen, der Euro durch die Drachme ersetzt und noch so viel Geld gedruckt werden. Und so lange es mit dem Wirtschaftswachstum nichts wird, werden auch die Staatsschulden nicht bedient.

Die entscheidende Frage lautet daher, was ist von den Wahlen in Griechenland am Sonntag zu erwarten? Gibt es eine Partei, die eine glaubwürdige Zukunftsvision hat?

In den Umfragen vorne liegt die derzeit größte Oppositionspartei Syriza. Deren Parteivorsitzender Alexis Tsipras, in den vergangenen Jahren als Paria verteufelt, hat in den vergangenen zwei Wochen ganz unversehens Zuspruch bekommen, in den griechischen Medien, aber auch in Deutschland. Warum eigentlich? Ist er der so dringend benötigte Modernisierer? Ist es ein „Underdog-Bonus“, den Herr Tsipras jählings erhält, weil er das Ende des alten Systems verkörpere und behauptet, er würde mit den so genannten „alten Eliten“ und „Oligarchen“ aufräumen?

Würde Herr Tsipras das tatsächlich wollen, müsste er nur die Reformen durchführen, die die jetzige Regierung sich zu machen geweigert hat: geschlossene Berufe öffnen, den Markteintritt für neue Unternehmen erleichtern, den Wissenstransfer von der Forschung in neue Start-ups fördern. Das würde den alten Eliten nicht schmecken, sie würden ihre kleinen Monopole verlieren, und die neue Regierung würde gleichzeitig auch noch Gutes für ihr Land tun, den Grundstein für zukünftigen Wohlstand für eine breitere Bevölkerungsschicht legen.

Bislang verkündet Herr Tsipras jedoch nur die Rücknahme der Reformen der jetzigen Regierung, die auch die Klientel der alten Pasok-Partei betraf, die jetzt zu Syriza gewechselt ist und verbissen für den Status quo ante kämpft. Wenn alles so käme, wie Herr Tsipras sich das vorstellt, bekämen die Beamten wieder höhere Gehälter und alle Entlassenen des Staatsfernsehens ihren Job. Und natürlich werden auch alle anderen Löhne wieder erhöht. Viele neue Jobs wird es geben gegen die hohe Arbeitslosigkeit – im Staatssektor.

Und nicht zu vergessen: private Unternehmen werden wieder verstaatlicht, und die Privatisierung gestoppt, der private Wirtschaftssektor ist ja das Grundübel aller Probleme!

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Kommentare zu " Griechenland vor der Wahl: Mit Tsipras zurück in die Vergangenheit"

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  • Ist doch egal ob er es halten kann....

    ich weiss jetz schon wer dann wieder schuld ist...

  • Weshalb sollte Tsipras seine Versprechen nicht einhalten können?
    Am Geld kann es nicht scheitern, da Draghi die Staatsfinanzierung durch die Notenbanken befohlen hat. Griechenlands Notenbank kann jetzt jede beliebige Menge an Euros drucken.
    Mit diesem Geld werden dann die Wohltaten finanziert. Der Schuldenberg wächst weiter, aber das hat er ja schon immer getan.

  • Im Prinzip ist es ganz einfach, es geht um Milliarden, um viele ! Ich gehe davon aus, das“gestalten“ bei ihm auftauchen werden. Die ihm unmissverständlich klar machen werden, das diese nicht gewillt sind das hin zu nehmen. Und diese gestalten haben in der Regel Argumente, die man lieber nicht ablehnt. Oder glaubt jemand ernsthaft daran das es anders abläuft, wenn es um Milliarden Geschäfte, bzw. Verluste geht ?

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