Griechenland vor Neuwahlen
Kopflos in Athen

Der letzte Versuch einer Regierungsbildung in Griechenland ist gescheitert. Jetzt müssen die Griechen erneut wählen. Nach Umfragen werden die Euro-Gegner profitieren. Der Austritt aus dem Euro wird wahrscheinlicher.
  • 33

AthenDie Bemühungen um eine Regierungsbildung im krisengeschüttelten Griechenland sind gescheitert. „Es wird Neuwahlen geben“, kündigte ein Sprecher von Staatspräsident Karolos Papoulias an. Die Gespräche mit den Parteichefs über die Bildung einer Expertenregierung seien gescheitert. Bis dahin wird eine Übergangsregierung die Geschäfte führen, die von einem Präsidenten eines der drei obersten Gerichte geführt werde. Papoulias lud die Parteichefs nun für Mittwochvormittag zu Beratungen über die Übergangsregierung ein, die das Land bis zu den Wahlen im Juni führen würde.

Kurz nach Bekanntwerden der Nachricht stürzte der Leitindex der griechischen Börse auf 564 Punkte ab - der niedrigsten Stand seit fast 20 Jahren. Auch andere Börsen gerieten in Mitleidenschaft. Die Finanzkrise des Landes könnte sich nun dramatisch verschärfen – bis hin zu einem Zahlungsausfall. Griechenlands Solvenz hängt jetzt mehr denn je von den internationalen Geldgebern ab.

Politiker in Deutschland reagierten parteiübergreifend mit Sorge auf das Scheitern der Regierungsbildung in Griechenland reagiert. „Für das dringend notwendige Vertrauen in die Reformbereitschaft Griechenlands ist das ein herber Rückschlag“, erklärte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP). Er sehe das Scheitern der Bemühungen um die Bildung einer Regierung „mit größter Sorge“. Der Außenminister forderte das Land auf, die geplanten Reformen umzusetzen, zu denen es „keine Alternative“ gebe.

Härtere Töne kamen aus der CSU. Der CSU-Finanzpolitiker Hans Michelbach zeigte sich "maßlos enttäuscht" über das Scheitern der Regierungsbildung. Den Griechen müsse nun ein "deutliches Zeichen gegeben werden, dass die Geduld der Partner zu Ende ist" und weiter Hilfen dürften nur im äußersten Notfall überwiesen werden. Auch Grünen-Chef Cem Özdemir äußerte sich besorgt über die Lage in Griechenland. Die anstehenden Neuwahlen seien eine „Volksabstimmung über Griechenlands Zukunft“, erklärte er. Es stehe zu befürchten, dass mancher Wähler den Radikalen seine Stimme gibt.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, warnte, ein Euro-Austritt der Griechen könnte "ziemlich chaotisch" werden. "Das hat Folgen für das Wachstum, das hat Folgen für den Handel, und das hat Folgen für die Finanzmärkte", sagte sie dem TV-Sender France 24. Daher sei es wichtig, sich darauf "technisch" vorzubereiten - auch wenn ein Abschied Griechenlands aus dem Währungsraum nicht wünschenswert sei. Lagarde betonte in diesem Zusammenhang, dass die Europäische Zentralbank (EZB) noch Spielraum habe, um die Zinsschraube zu lockern.

Kommentare zu " Griechenland vor Neuwahlen: Kopflos in Athen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Sebastian
    Na uns natürlich. Weil wir (die EU) sie in 2008 daran gehindert haben, in die Drachme zu gehen und sie deshalb ihre Wirtschaft nicht früher in Ordnung bringen konnten und weil deshalb ihre Schulden immer weiter angestiegen sind. Das ist dann leider auch alles richtig. Nur wird ganz bestimmt wieder verschwiegen werden, dass es in GR eine maßlose Korruption gab/gibt und dass sich jeder ungestraft EU-Gelder in die Tasche stecken konnte. Und das keine Steuern gezahlt wurden und dass Investoren verprellt wurden mit absolut unrealistischen Gewerkschaftsforderungen und und und. Davon wird dann ganz sicher keine Rede mehr sein - nur von unserer Schuld, die in Heller und Pfennig (Drachme und Lepta) ausgerechnet werden wird und uns so lange unter die Nase gehalten wird, bis wieder Geld fliesst.

  • @merxdunix
    Zitat: ...Die Einführung der Drachme wäre derzeit kaum zu organisieren, würde nur Geld kosten, dass die Griechen nicht haben...

    Das stimmt so offenbar nicht. Angeblich haben die Griechen bereits 2008 Drachmen gedruckt, wurden jedoch von deren Einführung abgehalten -- von der EU. TV-Sender Mega am 14.05.12 gegen 20.30 Uhr.

  • Es langt jetzt! Griechenland muß aus dem EURO, sonst gibt es keine Ruhe. Die griechischen Betrüger reißen Europa in den Abgrund. Griechen sind und bleiben Betrüger. Kostgänger, Abzocker auf Kosten anderer. Und die blöden europäischen Politiker schädigen ihre eigenen Völker. Minimale Steuersenkungen (--> 6 Milliarden Euro) in Deutschland nicht möglich, aber mit 80 Milliarden für die Griechen haften!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%