Griechenland: Währungsfonds hält sich für Eingreifen bereit

Griechenland
Währungsfonds hält sich für Eingreifen bereit

Der IWF war schon oft der Retter in der Not. Ein Einsatz in Griechenland wäre jedoch politisch heikel. Athen hofft auf die möglicherweise milderen Auflagen - und riskiert dafür sogar einen Streit mit den euopäischen Partnern.

ZÜRICH/WASHINGTON. Der Internationale Währungsfonds (IWF) steht für einen Einsatz in Griechenland in den Startlöchern. Erst vor wenigen Tagen hatte der IWF erklärt, Griechenland technische Unterstützung gewähren zu wollen. „Wir stehen bereit, wenn es solche Anfragen geben sollte“, sagte David Hawley, der Sprecher des Fonds.

Beobachter in Washington halten es sogar für möglich, dass die griechische Regierung ohne Rücksprache mit ihren europäischen Partnern um Hilfe beim Währungsfonds nachsuchen könnte. „Angesichts des faktischen Ultimatums der Europäer wäre das keine Überraschung“, sagte Jacob Kirkegaard, Ökonom beim Peterson-Institute for International Economics. So hoffe man in Griechenland vielleicht darauf, dass der IWF weniger drastische Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst und eine nicht ganz so starke Anhebung der Mehrwertsteuer fordern würde. Der frühere IWF-Chefvolkswirt Simon Johnson rät den Griechen ganz offen, „einen halb offiziellen Kanal zum IWF aufzumachen und ganz diskret über einen Hilfskredit zu verhandeln“. Das Verhandlungsangebot des IWF zeigt, wie sehr er sich in den letzten Jahren gewandelt hat.

Der Fonds ist flexibler geworden

Unter der Führung von Dominique Strauss-Kahn ist der Währungsfonds flexibler geworden. Er hat sich von der Ideologie gelöst, auf Notsituationen alleine mit strengen fiskalpolitischen Auflagen zu reagieren. Seit der Rubel- und Asien-Krise der 90er-Jahre leidet der IWF unter dem Image, dass seine radikale Sparpolitik die Krisen seinerzeit nicht entschärft, sondern im Gegenteil noch eher vertieft habe. Inzwischen hat der Fonds jedoch einige der alten Prinzipien über Bord geworfen. Er verleiht wesentlich leichter Geld und legt mehr Wert auf die finanzielle Ausstattung der sozialen Netze in den Empfängerländern. Das hat ihm zwar den Vorwurf eingebracht, „weich“ geworden zu sein.

In der Finanzkrise aber wird ihm attestiert, mit diesem Strategiewechsel bislang richtig zu liegen. „Das ist eine Situation wie geschaffen für den neuen IWF unter Strauss-Kahn“, so Johnson. „Es geht bei den IWF-Hilfen nicht darum, notwendige Anpassungen zu verhindern“, meint der heutige Professor der Eliteuni MIT, „sondern diese über einen längeren Zeitraum zu verteilen, Vertrauen wieder herzustellen und der Regierungspolitik vor Ort ein externes Gütesiegel zu verschaffen.“

Doch der Widerstand gegen eine IWF-Unterstützung ist weiterhin groß. Würde der IWF zu Hilfe gerufen, stelle dies den Euro quasi unter einen „externen Bevollmächtigten“, sagte das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank, Lorenzo Bini Smaghi, der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“.

IWF-Auflagen wären ähnlich streng

Auch Kirkegaard hält es für unwahrscheinlich, dass der IWF weniger strenge Auflagen verhängen würde als die EU. Hatte der Fonds doch kürzlich in seinem Griechenland-Bericht die gleichen Sparmaßnahmen vorgeschlagen, die jetzt von der EU eingefordert werden. Zudem sei es unwahrscheinlich, dass der Franzose Strauss-Kahn seine Chancen bei der französischen Präsidentschaftswahl 2012 durch einen Streit mit den Europäern schmälern würde.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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