Griechenland
Waldbrände: „Fatale Fehler und Defizite“

Die Feuerwehr in Griechenland hat dank abflauender Winde die Flammen in der Hauptstadtregion Attika unter Kontrolle gebracht. Doch nach der Eindämmung der Flammen wird Kritik am Krisenmanagement der Regierung laut.

HB ATHEN. Im Osten der Region gebe es keine Feuerfront mehr, sagte ein Sprecher. Man bleibe aber vor Ort, um ein Auflodern der Brände zu verhindern. Die konservative Regierung erklärte, die starken Winde hätten die Feuerbekämpfung in der Region erschwert. Hart ging die griechische Presse am Dienstag mit allen griechischen Regierungen der vergangenen zehn Jahre um: „Der Staat des (Umwelt) Verbrechens“ war die Schlagzeile in der linksliberalen „Eleftherotypia“. Die liberale Tageszeitung „Ethnos“ forderte: „Wenn das, was wir in Attika gesehen haben, die besten Bemühungen der Regierung sind, dann müssen wir sie ersetzen“. In einem Radiokommentar des Athener Nachrichtensenders Skai hieß es: „Wir haben wohl durch die fürchterlichen Erlebnisse 2007 auf Peloponnes nichts gelernt“.

Das konservative Blatt „Kathimerini“ titelte: „Fatale Fehler und Defizite“. Die Behörden hätten die gleichen Fehler begangen wie 2007, als bei den schlimmsten Waldbränden in der Geschichte des Landes 65 Menschen starben. Der konservative Ministerpräsident Kostas Karamanlis hatte damals versprochen, „den Staat von vorneherein neu zu strukturieren und zu koordinieren“. Unter einem überdimensionalen Foto von der Katastrophe rund um die historische Ortschaft Marathon hieß es dann in der „Kathimerini“ weiter: „Die Koordination zwischen den zuständigen Behörden hat wieder mal versagt und alles wird wieder dem starken Wind in die Schuhe geschoben.“ Ein Radio-Kommentator fragte: „Vor zwei Jahren war es Olympia. Heute ist es Marathon – was kommt beim nächsten Mal? Die Akropolis?“

Im Frühjahr des nächsten Jahres stehen in Griechenland Wahlen an. Das Lager von Ministerpräsident Kostas Karamanlis verfügt im Parlament nur über eine Mehrheit von einer Stimme. In Umfragen liegen die oppositionellen Sozialisten vorn.

Tausende Menschen hatten sich vor den Flammen in Sicherheit bringen müssen. Mehr als 150 Häuser wurden zerstört. Ein Dutzend griechischer, italienischer und französischer Löschflugzeuge waren im Einsatz. Das Feuer war am Freitagabend rund 40 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt ausgebrochen und griff anschließend auf die umliegenden Dörfer über. Rund 30 000 Hektar Wald, Farmland und Olivenhaine wurden zerstört.

Die griechische Presse macht keinen Hehl daraus, dass das Wettrüsten Griechenlands und der Türkei wegen der Streitigkeiten um Hoheitsrechte in der Ägäis letzten Endes zulasten der Umwelt gehe. „97 Milliarden Euro in zehn Jahren für die Rüstung - nur 300 Millionen Euro für neue Löschflugzeuge“, kritisierte die Zeitung „Eleftherotypia“.

Erneut kommt nun ins Gespräch, eine Freiwillige Feuerwehr einzuführen, die in Griechenland praktisch nicht existiert. „Freiwillige haben wir viele. Keiner führt sie aber. Und sie haben keine richtige Ausrüstung“, heißt es immer wieder in den Medien. Der Präsident des kleinen Verbands der Freiwilligen Feuerwehr mit etwa 2000 Mitgliedern, Nikos Sachinidis, sagte: „Wir sehen jetzt wieder, wie wichtig eine Freiwillige Feuerwehr ist. Hätten wir überall so ein System und so viele Leute wie es in Deutschland der Fall ist, dann würden wir jetzt nicht so viele Tränen vergießen müssen.“

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