Griechenland
Weidmann rechnet mit weiteren Finanzhilfen

Geld ja, aber: Bundesbank-Präsident Weidmann ermahnt Griechenland, weiter zu sparen. Von einem Schuldenschnitt hält er nichts. Indes hat sich Bundespräsident Gauck für einen Verbleib des Landes im Euro ausgesprochen.
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Düsseldorf/BerlinBundesbank-Präsident Jens Weidmann rechnet mit weiteren finanziellen Hilfen für Griechenland. „Die Politik hat sich offenbar entschieden, Griechenland weiter zu finanzieren“, sagte Weidmann der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Diese Hilfen hätten aber „nur dann Sinn, wenn Griechenland selbst genug tut“, fügte der Bundesbank-Chef hinzu. „Das ist nicht nur für Griechenland ein ganz wichtiges Signal, sondern auch für die anderen Krisenstaaten.“

Zu dem harten Reformprogramm in Griechenland gibt es laut Weidmann keine Alternative. „Griechenland kommt um weitgehende Einschnitte nicht herum und ohne die umfangreichen Hilfen gingen die Einschnitte noch viel tiefer.“

Der Reformdruck in Europa müsse aufrechterhalten bleiben, forderte Weidmann. „Sonst bewegt sich kaum noch etwas und die Eurozone schlittert in eine Transferunion. Dann wäre die Stabilität der Währungsunion in Gefahr.“ Einen Schuldenerlass der öffentlichen Hand lehnt Weidmann ab. „Ein Schuldenschnitt allein löst kein Problem. Was hilft es, Athen Schulden zu erlassen, wenn das Land in zehn Jahren wieder am selben Punkt steht wie heute? Griechenland muss sich grundlegend reformieren.“

In jedem Fall gelte, dass die Notenbanken Griechenland die Schulden nicht erlassen dürften. „Das käme einer verbotenen monetären Staatsfinanzierung gleich.“ Ein Schuldenschnitt allein löse das Problem nicht. „Was hilft es, Athen Schulden zu erlassen, wenn das Land in zehn Jahren wieder am selben Punkt steht wie heute? Griechenland muss sich grundlegend reformieren.“

Zur Zukunft der europäischen Gemeinschaftswährung sagte der Bundesbank-Präsident: „Den Euro wird es auch in zehn Jahren noch geben, da bin ich sicher. Ganz offenkundig besteht der politische Wille, den Euroraum als Ganzes zu erhalten.“

Gauck pro Griechenland

Bundespräsident Joachim Gauck will, dass das finanziell angeschlagene Griechenland Mitglied der europäischen Währungsunion bleibt. „Ich wünsche mir und hoffe, dass Griechenland Teil der Eurozone bleibt“, sagte er der „Welt am Sonntag“ laut Vorabbericht. Gauck lobte in diesem Zusammenhang die Bundesregierung: „Es wäre ganz und gar falsch, wenn Griechenland ausscheiden würde, und es ist vollkommen richtig, dass die Bundesregierung auf einen Verbleib Athens in der Eurozone drängt.“

Der Präsident zeigte sich empört über bestimmte Äußerungen über die Griechen in den vergangenen Monaten. „Sie wurden im Zuge der Eurokrise von einigen deutschen Politikern und deutschen Medien leider regelrecht verunglimpft oder zumindest von oben herab belehrt. Das war ein großer Fehler.“

Behauptungen, die weitere Unterstützung Griechenlands sei für Deutschland zu teuer, wies Gauck zurück. „Nein, wir ruinieren uns überhaupt nicht. Jedenfalls nicht, wenn wir Griechenland im Euro halten“, sagte er.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Griechenland: Weidmann rechnet mit weiteren Finanzhilfen "

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  • Die Argumente für das Eurokorsett schlagen jedem öko-
    nomischen Gesetz ins Gesicht!
    Ein bankrotter Staat gibt wertlose Papiere an bank-
    rotte Banken die diese bei der EZB, welche selbst
    ebenfalls pleite ist, als Sicherheit einreichen und
    Geld dafür bekommen, damit eine Angela Merkel, Gauck
    Schäuble, Draghi die Folgen einer falschen Rettungs-
    politik vertuschen können. Ein Ausscheiden Griechen-
    lands aus der Fehlkonstruktion Euro würde Milliarden-
    belastungen auf die BRD zukommen lassen, was letzt-
    endlich der CDU/CSU die Wahl kosten könnte. Die SPD
    sieht ihr Heil in einem Großeuropa, wozu sie bereit
    ist die Wettbewerbsfähigkeit der BRD auf dem Altar des
    Sozialismus zu opfern, begleitet von der Großindustrie
    die sich ihre Exporte über Target II finanzieren läßt
    und die Finanzindustrie die dann Abschreibungen auf
    Kredite und Anleihen der PIIGS+F Staaten vornehmen
    müßte und das Alles wird auf dem Rücken der Deutschen
    Steuerzahler mit ESM - ELA - Target II und einer durch-
    gedrehten EZB ausgetragen! Was will man mehr?


  • "Der Reformdruck in Europa müsse aufrechterhalten bleiben, forderte Weidmann. „Sonst bewegt sich kaum noch etwas und die Eurozone schlittert in eine Transferunion. Dann wäre die Stabilität der Währungsunion in Gefahr.“"
    In Griechenland bewegt sich schon lange nichts mehr!
    Sie haben zum 5. Mal in diesem Jahr einen „Generalstreik“ durchgeführt und das Land lahmgelegt.
    Die Reformen lassen immer noch auf sich waten, bisher gibt es nur „Ankündigungen“. Bisher wurden diese „Ankündigungen“ nie realisiert!

    "In jedem Fall gelte, dass die Notenbanken Griechenland die Schulden nicht erlassen dürften. „Das käme einer verbotenen monetären Staatsfinanzierung gleich.“"
    Und genau deshalb wird es so kommen. Oder wie war das nochmal mit der „no-bail-out Klausel“?

    „Den Euro wird es auch in zehn Jahren noch geben, da bin ich sicher. Ganz offenkundig besteht der politische Wille, den Euroraum als Ganzes zu erhalten.“
    Nur die Eurozone wird es in 3-5 Jahren nicht mehr geben, denn ein Land nach dem anderen sind schon pleite!
    Griechenland, Portugal, Spanien, Italien, Zypern, Frankreich, ...

    "Gauck will, dass das finanziell angeschlagene Griechenland Mitglied der europäischen Währungsunion bleibt. „Ich wünsche mir und hoffe, dass Griechenland Teil der Eurozone bleibt“."
    Und ich wünsche mir, daß die „Mogelgriechen“ die Eurozone endlich verlassen!

    "Behauptungen, die weitere Unterstützung Griechenlands sei für Deutschland zu teuer, wies Gauck zurück. „Nein, wir ruinieren uns überhaupt nicht. Jedenfalls nicht, wenn wir Griechenland im Euro halten“, sagte er"
    Dafür arbeiten wir auch gerne bis 76 bei einem Rentenniveau von 23%, zahlen 50% Steuern und lassen unsere Infrastruktur verfallen. Unsere Rentner wühlen in Mülltonnen nach Eßbaren und können ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen; Hauptsache, die Reeder zahlen keine Steuern und die Selbstständigen in Griechenland können weiterhin (legal) sich „armrechnen“.

  • "Diese Hilfen hätten aber „nur dann Sinn, wenn Griechenland selbst genug tut“, fügte der Bundesbank-Chef hinzu. „Das ist nicht nur für Griechenland ein ganz wichtiges Signal, sondern auch für die anderen Krisenstaaten.“"
    Gerade die anderen „Krisenstaaten“ wollen aber nicht sparen. Und nicht Griechenland ist das größte Problem, sondern Frankreich!

    Ztat:
    "Frankreich ist das größte Problem in der Euro-Zone im Moment", hatte der Wirtschaftsweise Feld bei der Vorstellung des Jahresgutachtens gesagt. "Das größte Problem ist nicht mehr Griechenland, Spanien oder Italien, es ist Frankreich, weil Frankreich im Hinblick auf die Herstellung seiner Wettbewerbsfähigkeit nichts unternommen hat und sogar in die Gegenrichtung geht." Das Land brauche Arbeitsmarktreformen.

    "Es muss angezweifelt werden, ob die geplanten Sparmaßnahmen ausreichen, um das angestrebte Haushaltsziel zu erreichen.
    "Zitat Ende:

    Und mit dem Sozialisten Hollande kann/wird das nicht gelingen!

    Wir schreiben das Jahr 2050 ©
    =====================
    ... Griechenland erhält "alternativlos" das 200. "Rettungspaket". Alle Griechen werden nach ihrem Schulbesuch sofort "verbeamtet" und in Pension geschickt. Als Pension gibt es dann 5.000€ netto (Steuern kennen die Griechen ja nicht) mit einer jählichen Zuwachsrate von 10%.

    Die Deutschen arbeiten dann bis zu 85 und erhalten nur noch eine Mindestrente von 200€, zahlen 50% Steuern und neue Abgaben wurden "erfunden". (z.B. der "Griechensoli").

    Schöne neue Welt, bisher gab/gibt es das nur in "Endzeit-Filmen".

    "Im besten Fall sind lediglich die Milliarden weg, die Deutschland für die übrigen Euro-Länder und die mögliche Stützung des eigenen Bankensystems zur Verfügung stellen muss. Im schlimmsten Fall droht eine umfassende Euro-Krise, die auch die deutsche Wirtschaft empfindlich treffen würde."

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