Griechenland

Weidmann rechnet mit weiteren Finanzhilfen

Geld ja, aber: Bundesbank-Präsident Weidmann ermahnt Griechenland, weiter zu sparen. Von einem Schuldenschnitt hält er nichts. Indes hat sich Bundespräsident Gauck für einen Verbleib des Landes im Euro ausgesprochen.
Update: 10.11.2012 - 09:27 Uhr 19 Kommentare
Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann. Quelle: dapd

Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann.

(Foto: dapd)

Düsseldorf/BerlinBundesbank-Präsident Jens Weidmann rechnet mit weiteren finanziellen Hilfen für Griechenland. „Die Politik hat sich offenbar entschieden, Griechenland weiter zu finanzieren“, sagte Weidmann der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Diese Hilfen hätten aber „nur dann Sinn, wenn Griechenland selbst genug tut“, fügte der Bundesbank-Chef hinzu. „Das ist nicht nur für Griechenland ein ganz wichtiges Signal, sondern auch für die anderen Krisenstaaten.“

Zu dem harten Reformprogramm in Griechenland gibt es laut Weidmann keine Alternative. „Griechenland kommt um weitgehende Einschnitte nicht herum und ohne die umfangreichen Hilfen gingen die Einschnitte noch viel tiefer.“

Der Reformdruck in Europa müsse aufrechterhalten bleiben, forderte Weidmann. „Sonst bewegt sich kaum noch etwas und die Eurozone schlittert in eine Transferunion. Dann wäre die Stabilität der Währungsunion in Gefahr.“ Einen Schuldenerlass der öffentlichen Hand lehnt Weidmann ab. „Ein Schuldenschnitt allein löst kein Problem. Was hilft es, Athen Schulden zu erlassen, wenn das Land in zehn Jahren wieder am selben Punkt steht wie heute? Griechenland muss sich grundlegend reformieren.“

In jedem Fall gelte, dass die Notenbanken Griechenland die Schulden nicht erlassen dürften. „Das käme einer verbotenen monetären Staatsfinanzierung gleich.“ Ein Schuldenschnitt allein löse das Problem nicht. „Was hilft es, Athen Schulden zu erlassen, wenn das Land in zehn Jahren wieder am selben Punkt steht wie heute? Griechenland muss sich grundlegend reformieren.“

Zur Zukunft der europäischen Gemeinschaftswährung sagte der Bundesbank-Präsident: „Den Euro wird es auch in zehn Jahren noch geben, da bin ich sicher. Ganz offenkundig besteht der politische Wille, den Euroraum als Ganzes zu erhalten.“

Gauck pro Griechenland

Bundespräsident Joachim Gauck will, dass das finanziell angeschlagene Griechenland Mitglied der europäischen Währungsunion bleibt. „Ich wünsche mir und hoffe, dass Griechenland Teil der Eurozone bleibt“, sagte er der „Welt am Sonntag“ laut Vorabbericht. Gauck lobte in diesem Zusammenhang die Bundesregierung: „Es wäre ganz und gar falsch, wenn Griechenland ausscheiden würde, und es ist vollkommen richtig, dass die Bundesregierung auf einen Verbleib Athens in der Eurozone drängt.“

Der Präsident zeigte sich empört über bestimmte Äußerungen über die Griechen in den vergangenen Monaten. „Sie wurden im Zuge der Eurokrise von einigen deutschen Politikern und deutschen Medien leider regelrecht verunglimpft oder zumindest von oben herab belehrt. Das war ein großer Fehler.“

Behauptungen, die weitere Unterstützung Griechenlands sei für Deutschland zu teuer, wies Gauck zurück. „Nein, wir ruinieren uns überhaupt nicht. Jedenfalls nicht, wenn wir Griechenland im Euro halten“, sagte er.

  • afp
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19 Kommentare zu "Griechenland: Weidmann rechnet mit weiteren Finanzhilfen "

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  • Die Argumente für das Eurokorsett schlagen jedem öko-
    nomischen Gesetz ins Gesicht!
    Ein bankrotter Staat gibt wertlose Papiere an bank-
    rotte Banken die diese bei der EZB, welche selbst
    ebenfalls pleite ist, als Sicherheit einreichen und
    Geld dafür bekommen, damit eine Angela Merkel, Gauck
    Schäuble, Draghi die Folgen einer falschen Rettungs-
    politik vertuschen können. Ein Ausscheiden Griechen-
    lands aus der Fehlkonstruktion Euro würde Milliarden-
    belastungen auf die BRD zukommen lassen, was letzt-
    endlich der CDU/CSU die Wahl kosten könnte. Die SPD
    sieht ihr Heil in einem Großeuropa, wozu sie bereit
    ist die Wettbewerbsfähigkeit der BRD auf dem Altar des
    Sozialismus zu opfern, begleitet von der Großindustrie
    die sich ihre Exporte über Target II finanzieren läßt
    und die Finanzindustrie die dann Abschreibungen auf
    Kredite und Anleihen der PIIGS+F Staaten vornehmen
    müßte und das Alles wird auf dem Rücken der Deutschen
    Steuerzahler mit ESM - ELA - Target II und einer durch-
    gedrehten EZB ausgetragen! Was will man mehr?


  • "Der Reformdruck in Europa müsse aufrechterhalten bleiben, forderte Weidmann. „Sonst bewegt sich kaum noch etwas und die Eurozone schlittert in eine Transferunion. Dann wäre die Stabilität der Währungsunion in Gefahr.“"
    In Griechenland bewegt sich schon lange nichts mehr!
    Sie haben zum 5. Mal in diesem Jahr einen „Generalstreik“ durchgeführt und das Land lahmgelegt.
    Die Reformen lassen immer noch auf sich waten, bisher gibt es nur „Ankündigungen“. Bisher wurden diese „Ankündigungen“ nie realisiert!

    "In jedem Fall gelte, dass die Notenbanken Griechenland die Schulden nicht erlassen dürften. „Das käme einer verbotenen monetären Staatsfinanzierung gleich.“"
    Und genau deshalb wird es so kommen. Oder wie war das nochmal mit der „no-bail-out Klausel“?

    „Den Euro wird es auch in zehn Jahren noch geben, da bin ich sicher. Ganz offenkundig besteht der politische Wille, den Euroraum als Ganzes zu erhalten.“
    Nur die Eurozone wird es in 3-5 Jahren nicht mehr geben, denn ein Land nach dem anderen sind schon pleite!
    Griechenland, Portugal, Spanien, Italien, Zypern, Frankreich, ...

    "Gauck will, dass das finanziell angeschlagene Griechenland Mitglied der europäischen Währungsunion bleibt. „Ich wünsche mir und hoffe, dass Griechenland Teil der Eurozone bleibt“."
    Und ich wünsche mir, daß die „Mogelgriechen“ die Eurozone endlich verlassen!

    "Behauptungen, die weitere Unterstützung Griechenlands sei für Deutschland zu teuer, wies Gauck zurück. „Nein, wir ruinieren uns überhaupt nicht. Jedenfalls nicht, wenn wir Griechenland im Euro halten“, sagte er"
    Dafür arbeiten wir auch gerne bis 76 bei einem Rentenniveau von 23%, zahlen 50% Steuern und lassen unsere Infrastruktur verfallen. Unsere Rentner wühlen in Mülltonnen nach Eßbaren und können ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen; Hauptsache, die Reeder zahlen keine Steuern und die Selbstständigen in Griechenland können weiterhin (legal) sich „armrechnen“.

  • "Diese Hilfen hätten aber „nur dann Sinn, wenn Griechenland selbst genug tut“, fügte der Bundesbank-Chef hinzu. „Das ist nicht nur für Griechenland ein ganz wichtiges Signal, sondern auch für die anderen Krisenstaaten.“"
    Gerade die anderen „Krisenstaaten“ wollen aber nicht sparen. Und nicht Griechenland ist das größte Problem, sondern Frankreich!

    Ztat:
    "Frankreich ist das größte Problem in der Euro-Zone im Moment", hatte der Wirtschaftsweise Feld bei der Vorstellung des Jahresgutachtens gesagt. "Das größte Problem ist nicht mehr Griechenland, Spanien oder Italien, es ist Frankreich, weil Frankreich im Hinblick auf die Herstellung seiner Wettbewerbsfähigkeit nichts unternommen hat und sogar in die Gegenrichtung geht." Das Land brauche Arbeitsmarktreformen.

    "Es muss angezweifelt werden, ob die geplanten Sparmaßnahmen ausreichen, um das angestrebte Haushaltsziel zu erreichen.
    "Zitat Ende:

    Und mit dem Sozialisten Hollande kann/wird das nicht gelingen!

    Wir schreiben das Jahr 2050 ©
    =====================
    ... Griechenland erhält "alternativlos" das 200. "Rettungspaket". Alle Griechen werden nach ihrem Schulbesuch sofort "verbeamtet" und in Pension geschickt. Als Pension gibt es dann 5.000€ netto (Steuern kennen die Griechen ja nicht) mit einer jählichen Zuwachsrate von 10%.

    Die Deutschen arbeiten dann bis zu 85 und erhalten nur noch eine Mindestrente von 200€, zahlen 50% Steuern und neue Abgaben wurden "erfunden". (z.B. der "Griechensoli").

    Schöne neue Welt, bisher gab/gibt es das nur in "Endzeit-Filmen".

    "Im besten Fall sind lediglich die Milliarden weg, die Deutschland für die übrigen Euro-Länder und die mögliche Stützung des eigenen Bankensystems zur Verfügung stellen muss. Im schlimmsten Fall droht eine umfassende Euro-Krise, die auch die deutsche Wirtschaft empfindlich treffen würde."

  • Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

    bei allem Respekt – aber von GR und der griechischen Situation verstehen Sie rein gar nichts. Ihre Berater sind vermutlich von gleicher Farbe wie die der Bundesregierung und all der anderen Euro-Rettungs-Befürworter.

    Bitte halten Sie doch einen Moment inne und lassen Sie mal andere Argumente zu.
    Der Euro ist nicht unser non plus ultra, aber EUROPA ist es.
    Der Euro ist inzwischen eine Gefahr für Europa geworden, er spaltet nicht nur, er schürt den Hass.
    Als Christ sollten Sie nach der Wahrheit hinter all dem, was Ihnen erzählt wird, fragen.
    Ich kenne GR sehr gut, ich lebe dort seit vielen Jahren und ich sehe und höre, dass es MIT dem Euro den Menschen hier NIEMALS besser gehen wird. Sie können das unmöglich schaffen, wenn sie keine Währung haben, die sie abwerten können.
    Eine eigene Währung würde auch die Ablösung des korrupten Regimes bedeuten – mit allen damit verbundenen Chancen für das Land-, der Euro dagegen manifestiert die Macht der reichen Familien.
    Wenn die EU den Griechen nicht den Austritt ermöglicht, wird es hier in GR womöglich einen Bürgerkrieg oder einen Putsch geben.
    Das können Sie als Christ und ehemaliger Pastor doch unmöglich befürworten.

  • Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.
    Tolle Entwicklung, Herr Bundespräsident.
    Und ansonsten immer schön von Freiheit schwatzen.

  • BP Gauck sollte sich als Pfarrer auf Aussagen beschränken, von denen er was versteht. Von Steinbrück würde ich mir auch keine Grabrede wünschen ...

  • Da ist Weidmann als Ökonom offensichtlich auf dem Holzweg. Wenn Griechenland tatsächlich eine innere Abwertung schaffen sollte, was allerdings bis heute an Hand der stabilen Konsumenten- und Importpreise in EURO in Greichenland nicht belegt ist, dann wird - ebenso wie in dem von allen Politkern gern als Schreckensszenario aufgezeigten Fall einer äusseren Abwertung durch die Drachme Einführung - die Schuldenquote sich in gleichem Mass erhöhen. Damit wird es ab dem jetzigen Zeitpunkt - auch bei der unwahrscheinlichen Einhaltung aller IWF Auflagen - nur reine Geldtransfers für Griechenland geben können. Dies ist ebenso unbedingt wie Poltiker Griechenland im EURO halten wollen - viel Vergnügen dabei.

  • Etliche Kämmerer in den deutschen Kommunen geben zu erkennen, dass die eigene Schuldenlast kaum noch zu tragen ist. Die Stadt Köln wird Mitarbeiter am Jahresende zuhause lassen um Kosten zu sparen.Da kann man sich ausrechnen, dass die Verschleuderung deutscher Steuermilliarden bald ein Ende haben wird. Die Lage ist heute schon viel schlechter als die Stimmung.Die Briten sind der Vorreiter, man hat schlicht kein Geld mehr für den EU-Umverteilungswahnsinn.

  • " „Ich wünsche mir und hoffe, dass Griechenland Teil der Eurozone bleibt“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Und ich wünsche mir, dass die Archtekten des euro endlich zur verantwortung gezogen werden.
    „Es wäre ganz und gar falsch, wenn Griechenland ausscheiden würde, und es ist vollkommen richtig, dass die Bundesregierung auf einen Verbleib Athens in der Eurozone drängt.“ Hohlphrasen, so wie alle Euroideologen. Um die eigenen Fehler zu verdecken, werden immer größere gemacht.
    Wann müssen sich die Euro-Ideologen verantworten wegen Target2 (700 Mrd), dauernden Rechts- und Vertragsbrüchen, Moral Hazard...?
    Die Eurokraten schützen die riesigen Privatvermögen der Reichen in Ita, Spa, GRi, die Steuerfreiheit griechischer Reeder. Die Masse der Menschen soll die Rechnung für den Eurowahn zahlen: mit weniger Infrastruktur, Bildung, weniger Demokratie und Rechtsstaat.
    Von Anfang an ging der Euro einher mit Tricksen, Lügen, Betrügen, Moral Hazard.
    Gauck sollte die Demokratie in D schützen und alles dafür tun, nicht des Euro willens einen Putsch gegen das eigene
    Volk abnicken.

  • @Fra
    Vor dem Euro mußte Gr Zinsen über 20% zahlen. Das war ein Risikoaufschlag,den die Investoren fragten, weil sie mit einem höherem Ausfallrisikos Griechenlands rechneten. Durch die Zinskonvergenz nach dem Euro hatte Gr da niedrige Zinsniveau Deutschlands zu zahlen und das führte zu einer Konsumblase in Gr (aufgeblasener Staatsapparat, höhere Löhne, etc). Und richtig: ohne Euro hätte Gr nicht soviel Geld für sinnlose Prestigeprojekte verplempert, weil nämlich das Geldleihen zu teuer gewesen wäre (> 20%).
    Die Nordbanken wiederum investierten in Gr, weil es im Euro ist. Die EUro-Politiker vermittelten: kein Euroland kann Pleite gehen (noch immer gibt es seit Lehman keine Insolvenzverordnung für Staaten). Glauben Sie, die Nordbanken würden soviel in Moldawien investieren (ohne Euro) wie sie es in Gr,P,S,Irl machten? Das wäre ihnen zu riskant. Nur wegen dem Euro konnten sich die GIPS so sehr verschulden (niemand hätte ihnen so viel Geld geliehen).
    GB hat eine eigene Währung (wie 165 von 193 souveräner Staaten übrigens) und kann unbegrenzt Geld schöpfen, inflationieren. Eigene Währungen können abwerten.
    In Spa und Irl führte der Euro zu einem Immoboom mit katastrophalen Folgen. Ohne Euro wären die Immopreise nie so hoch gestiegen (pro Jahr 10% Steigerung). Die Eurokraten priesen den Immoboom noch als Wachstum und Vorbild, und wollten nicht sehen, dass Spa jährlich so viel neue Immobilien baute wie D, F und GB zusammen.
    Aber: Alle GIPS hatten vor dem euro nur durch Eu-Subventionen Wachstum generieren können (jetzt gehen die Transfers nach Osteuropa). Spa hatte 1995 eine so hohe Arbeitslosigkeit wie im Juni dieses Jahres. Ohne Transfers werden diese Länder nie im Euro bleiben können, da sie nicht abwerten können, und die innere Abwertung den sozialen Frieden gefährdet. Heute hat Spa zwar nicht mehr 12% Zinsen zu zahlen, aber die Verschuldung der privaten Haushalte und der Unternehmen (ohne Bankensektor) sind horrend. Die Banken marode, und immer mehr Regionen Pleite.

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