Griechenland

„Wir bleiben in Europa“

Nach den gescheiterten Beratungen mit den Euro-Finanzministern senden am Abend tausende Demonstranten in Athen ein eindeutiges Signal an die Regierung: Sie wollen, dass ihr Land in der Eurozone bleibt.
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„Europa! Europa!“ Griechen wollen im Euro bleiben

AthenAus Sorge über das Vorgehen der griechischen Regierung im Schuldenstreit mit den internationalen Gläubigern haben in Athen tausende Menschen für den Verbleib ihres Landes in der Eurozone demonstriert. Zwischen 6000 und 7000 Demonstranten versammelten sich nach Polizeiangaben am Donnerstagabend unter dem Motto „Wir bleiben in Europa“ vor dem Parlamentsgebäude in Athen. Damit nahmen an der Kundgebung etwa genauso viele Menschen teil wie an einer eurokritischen Demonstration am Vortag.

Auf den Transparenten der Demonstranten standen Slogans wie „Griechenland - das sind nicht nur Rentner, sondern auch Unternehmen“ oder „Nein zum Stalinismus in Griechenland“. „Wir vertreten keine Partei, nur den gesunden Menschenverstand“, sagte der 37-jährige Wirtschaftswissenschaftler Stratos Tsolakis. Griechenland habe sich selbst in seine schwierige Lage gebracht und müsse auch selbst die Krise überwinden. Niemand bekomme Geld ohne Gegenleistungen geliehen. „Die Gläubiger haben Recht, tausend Mal Recht, Griechenland muss verantwortungsvoll sein“, sagte der Demonstrant.

„Die meisten Menschen, die Sie hier sehen, haben wie ich nie demonstriert“, sagte der 49-jährige Demonstrant Dimitris Alefandis. „Wir sind die schweigende Mehrheit und wir wollen nicht diejenigen gewähren lassen, die am lautesten schreien“, fügte der Chef eines Bauunternehmens hinzu. Er sei „zu hundert Prozent einverstanden“ mit den Forderungen der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) an sein Land. Ein anderer Demonstrant warf der Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras vor, sie habe keine einheitliche Linie und wisse nicht, was sie wolle.

Am Abend waren Beratungen der Euro-Finanzminister in Luxemburg über die griechische Schuldenkrise erneut ohne Ergebnisse geblieben. Für Montag wurde daher ein Sondergipfel der Währungsunion einberufen. Griechenland verhandelt seit Monaten mit seinen internationalen Geldgebern über die Bedingungen für die Auszahlung ausstehender Finanzhilfen von 7,2 Milliarden Euro. Streit gibt es vor allem über von den Gläubigern geforderte Einschnitte bei den Renten und die Erhöhung der Mehrwertsteuer.

Bis das griechische Hilfsprogramm Ende des Monats ausläuft, bleiben nur noch wenige Tage. Dann muss Athen eine Rate von 1,5 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen. Ohne eine Einigung mit seinen Gläubigern droht dem Land die Pleite und womöglich ein Ausscheiden aus der Eurozone.

  • afp
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12 Kommentare zu "Griechenland: „Wir bleiben in Europa“"

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  • Das Einzige, was mich an diesem widerwärtigen jahrelangen Schmierenstück aus Verlogenheit, Korruption und irrationalem Euro(-pa)fanatismus noch interessiert ist, ob die Verantwortlichen (Juncker, Draghi, Merkel, Schäuble) irgendwann für den - vor allem für Deutschland - angerichteten immensen Schaden zur Rechenschaft gezogen werden.

  • Weil das Goldmännchen von Murksel Geld bekommt. Von jedem Deutschen
    erstmal 1000 Euro Friedensprämie für Griechenland. Weitere Prämien folgen natürlich für................................................................................endlos.

  • Wenn ich Grieche wäre, würde ich mir auch wünschen, dass sich das Land ordentlich reformiert und dann im Club bleiben kann.
    Aus deutscher Sicht bezweifle ich nur, dass die Regierung und die Verwaltungsstrukturen mittelfristig dazu in der Lage sind, vor allem, wo die Mehrheit ja anscheinend links gewählt hat.

    Zudem stellt sich die Frage, ob der Weg zu Reformen im oder außerhalb des Euros einfacher ist. Wegen der wahrscheinlich notwendigen Abwertung der Währung tendiere ich dazu, dass es ohne Euro besser ist. Eine Unsicherheit bleibt aber.

  • Ist doch klar, dass sie bleiben wollen. Sie sind doch auch unbedingt und nur mit gefälschten Zahlen in den Club eingetreten. Warum interessiert das eigentlich niemand? Wieso wird dafür keiner belangt und zur Rechenschaft gezogen? Griechenland war und ist und wird immer pleite bleiben. Warum? WEIL ES EBEN GRIECHEN SIND!

  • Warum die EZB den Geldhahn für Athen nicht zudreht
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    Mario Draghi hat sich in eine heikle Lage manövriert: Seit Monaten hängen Griechenlands Banken am Tropf der Europäischen Zentralbank (EZB), die Milliarden in das pleitebedrohte Land pumpt. Würde Draghi den Geldhahn zudrehen, bevor sich die internationalen Geldgeber und die griechische Links-Rechts-Regierung auf ein Reformpaket geeinigt haben, säßen die Banken auf dem Trockenen - und zögen Hellas mit in die Pleite. Doch dafür will der EZB-Präsident nicht verantwortlich sein: Eine solche weitreichende Entscheidung müssten gewählte Politiker treffen, nicht Zentralbanker. Die Zeit drängt: Das Hilfsprogramm läuft am 30. Juni aus.

    Wie unterstützt die EZB Griechenland?

    Vor allem, indem sie den dortigen Banken Notfallkredite (ELA) gewährt. In der vergangenen Woche hob der EZB-Rat die ELA-Obergrenze um 2,3 Mrd. auf 83 Mrd. Euro an. "Wir werden die Liquidität weiter erhöhen, so lange die griechischen Banken solvent sind und genügend Sicherheiten hinterlegen können", sagte Draghi am Montag im Währungsausschuss des EU-Parlamentes.

    Quelle: news.at
    http://www.news.at/a/ezb-geldhahn-athen-frist-ende-juni

  • die bisherigen 320 Milliarden Kredite (oder noch mehr incl. Target / ELA / T-Bonds etc.) waren also illegal, .. und jetzt brauchen die Griechen mindestens noch einmal 50 Milliarden, .. und das sind dann legale Schulden (?) .. unsere Volksvertreter müss(t)en völlig bekloppt sein ..

  • Offensichtlich haben noch sehr viele Banken in der EU, einschl. der EZB, griechische
    Anleihen in Ihren Tresoren.
    Ansonsten wäre der Zirkus schon vor 3 Jahren beendet worden.
    Es sind nicht n u r die Griechen sondern vor allen die EU-Kommissare die
    dieses FIASKO angerichtet haben. Zur Verantwortung wird niemand gezogen.
    "The stupid Germans."

  • Alles ehrenwert.
    Aber: Spätestens wenn es darum ginge, daß Reformen durchgeführt werden müssen, die auch weh tun können, dann stehen exakt die gleichen Leute wieder auf der Straße und demonstrieren dagegen. Es sind - wie Lagarde so richtig bemerkte - bockige Kinder.

  • natürlich bleibt Griechenland in Europa.

    Die Landkarte wird nicht neu aufgeteilt. Auch wenn die USA Griechenland sehr gerne in Amerika haben möchte :-)

  • Griechischer Ausschuss stuft Schulden als «illegal» ein
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    Ein Ausschuss des griechischen Parlaments erklärte jetzt die Schulden des Landes für illegal - weshalb man sie auch nicht zurückzahlen müsse.

    Ein Ausschuss des griechischen Parlaments kam jetzt zu dem Ergebnis, dass die Schulden, die Griechenland bei seinen Gläubigern hat, illegal seien. Parlamentspräsidentin Zoe Konstantopoulou hatte den Ausschuss im April eingesetzt. An diesem Donnerstagnachmittag präsentierte die Politikerin der linken Regierungspartei Syriza die Ergebnisse des Gremiums in einer Pressekonferenz.
    Dem vorläufigen Bericht zufolge stellen die Schulden, die in Zusammenhang mit Maßnahmen der sogenannten Troika entstanden seien, einen "Verstoß gegen fundamentale Menschenrechte der griechischen Bürger" dar. Die Schulden seien deshalb "illegal, illegitim und verabscheuungswürdig". Aus diesem Grunde sollten die Schulden in Höhe von rund 320 Milliarden Euro nicht zurückgezahlt werden.

    So seien etwa die Schulden gegenüber dem Internationalen Währungsfonds (IWF) als illegal zu betrachten, weil durch sie unter anderem die Statuten des IWF und auch die griechische Verfassung verletzt worden seien. Sie seien zudem "verabscheuungswürdig", weil der IWF gewusst habe, dass die Maßnahmen "undemokratisch und ineffektiv" seien und zudem zu schweren Verletzungen von sozio-ökonomischen Rechten führen würden. Die Schulden gegenüber der Europäischen Zentralbank seien als illegal zu betrachten, weil die Bank ihr eigenes Mandat überschritten habe, indem sie etwa die Deregulierung des griechischen Arbeitsmarktes angeordnet habe.

    Griechenland sei Opfer eines "Angriffsplans" des IWF, der EU und der EZB geworden. Ziel sei es gewesen, die Schulden Griechenlands "vom privaten auf den staatlichen Bereich zu übertragen", sagte die Parlamentspräsidentin.

    Quelle: Spiegel
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-rueckzahlung-von-schulden-in-frage-gestellt-a-1039600.html

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