Griechenland-Wünsche von Hans-Werner Sinn
Her mit der Drachme und weg mit dem Euro

Griechenland droht die Staatspleite. Doch die Regierung gibt sich ganz gelassen. Auf eine Forderung der Gläubiger will sich Athen offenbar einlassen. Dennoch warnt Top-Ökonom Sinn vor einer weiteren Euro-Mitgliedschaft.
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Die Euro-Mitgliedschaft Griechenlands ist laut Ifo-Chef Hans-Werner Sinn eine schwere Belastung für das politische System in dem klammen Mittelmeerland. „Ob die Fortsetzung des jetzigen Kurses für die Demokratie förderlich ist, wage ich zu bezweifeln“, sagte der Münchner Ökonom am Montag in Berlin. Dass mit der Regierung von Alexis Tsipras radikale Politiker in Athen ans Ruder gekommen seien, sei auch Folge der wirtschaftlichen Überforderung des Landes im Währungsraum. Die Massenarbeitslosigkeit im Land zeige, dass die Rettungspolitik der Gläubiger die fehlende Wettbewerbsfähigkeit nicht ausgleichen könne. „Das Experiment ist gemacht worden und es ist fehlgeschlagen“, sagte Sinn.

Dabei summierten sich die internationalen Rettungshilfen für Hellas mittlerweile auf geschätzte 330 Milliarden Euro. Sinn empfiehlt dem Land, zur Drachme zurückzukehren. Durch eine Abwertung der Währung um 50 Prozent oder mehr werde sich die Lage schlagartig verbessern. „Die Immobilien kosten dann nur noch die Hälfte – Es gibt einen Bauboom. Die Griechen hören auf Importwaren zu kaufen und greifen zu einheimischen Produkten.“

Nachdem am Sonntag die Verhandlungen zur Lösung des Schuldenstreits mit Griechenland vorerst gescheitert waren, konnte die EU-Kommission am Montag wenigstens etwas Bewegung in der Sache verkünden. So habe die Regierung in Athen die Vorgabe der Gläubiger akzeptiert, in diesem Jahr einen Primärüberschuss – also ein Haushaltssaldo ohne Schuldendienst – von einem Prozent zu erreichen, teilte eine Sprecherin der EU-Kommission mit. Bislang hatte Athen auf einem Primärüberschuss-Ziel von 0,75 Prozent beharrt, was dem Land geringere Einsparungen abverlangen würde.

Die Regierung sei nun mit dem Ein-Prozent-Ziel einverstanden, sagte die Kommissionssprecherin. Allerdings müsse nun die Frage geklärt werden, „ob die Verpflichtungen glaubwürdig sind, um das Ziel zu erreichen“. Ein Sprecher der griechischen Regierung sagte, eine Einigung mit den Geldgebern sei „das einzige Ziel“. Er hoffe, die Verhandlungen würden rasch wieder aufgenommen. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hält die Türen für Griechenland auch offen. „Falls es etwas Neues gibt, wären wir sehr glücklich, als Vermittler beizutragen“, sagte der Chefsprecher der Behörde, Margaritis Schinas, am Montag in Brüssel.

Die Gefahr einer Staatspleite Griechenlands wird nach Einschätzung von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann größer. „Die Zeit läuft ab, die Wahrscheinlichkeit, dass keine Lösung gefunden wird, steigt von Tag zu Tag“, sagte Weidmann am Montag bei einem Symposium der Bundesbank in Frankfurt. „Es scheint an Einigungsbereitschaft zu fehlen.“ Mit kurzfristigen Finanzspritzen sei dem hoch verschuldeten Land nicht zu helfen. „Es muss darum gehen, dass Griechenland auf eigenen Beinen stehen kann - und zwar ohne die Hilfe der Partner. Deshalb ist der Ball ganz eindeutig im Feld der griechischen Regierung“, betonte Weidmann.

Doch Griechenlands Finanzminister Gianis Varoufakis sieht trotz Schuldendrama die Geldgeber seines Landes am Zug. „Heute ist ein schöner Tag. Die Sache ist kristallklar: Endlich sind wir an den Punkt gelangt, wo die Partner Entscheidungen treffen müssen“, sagte Varoufakis dem Sender der regierenden Linkspartei Syriza „Sto Kokkino“ am Montag. Auch Kanzlerin Angela Merkel müsse sich entscheiden, fügte Varoufakis hinzu. Athen spiele keine Spiele und bluffe nicht, betonte der griechische Finanzminister. Athen habe den Gläubigern mehrere alternative Vorschläge für Sparmaßnahmen gemacht. Diese aber bestünden weiter auf Rentenkürzungen. Griechenland werde dem nie zustimmen. Griechenland habe den Institutionen gesagt, „bis hier und keinen Schritt weiter“, hieß es.

Auch Ministerpräsident Alexis Tsipras gibt sich gelassen: Nach dem erneuten Scheitern der Verhandlungen über die griechische Schuldenkrise schrieb Alexis Tsipras schrieb in einem Beitrag für die Zeitung „Efimerida ton Syndakton“ vom Montag, Griechenland werde „geduldig warten£, bis die Gläubiger-Institutionen „realistischere“ Forderungen stellten. Er warf den Verhandlungspartnern „politischen Opportunismus“ vor, der sie dazu treibe, Athen mit Forderungen nach Rentenkürzungen unter Druck zu setzen.

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„Die Initiative liegt jetzt beim Ministerpräsidenten“

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  • Hat der Herr Professor Sinn denn auch eine Roadmap für den Grexit entwickelt?
    So schnell wird das Ganze ja wohl nicht gehen. Oder sind die neuen Drachmen schon gedruckt?
    Welcher Zeitraum ist denn realistisch um die Währung um zu stellen?
    Was passiert in der Zwischenzeit?
    Mit den Schulden? Können die Griechen dann ihre Euro Schulden in Drachmen zurück zahlen?
    Hat man alle Probleme durchdacht?

  • Wenn ökonomischer Sachverstand, politische Weitsicht, Geradlinigkeit und Konsequenz die Handlungsmaximen für die verantwortlichen Politiker der Eurozone wären, hätte man das Dauertheater um Griechenland schon vor Wochen beendet und das Land gezwungen, die Währungsunion zu verlassen. Allerdings betrachtet Herr Sinn die Perspektiven für Griechenland im Falle einer Wiedereinführung der Drachme bei weitem zu optimistisch. Aufgrund der überall vorhandenen Korruption, der völlig ineffektiven Administration und des abgewirtschafteten politischen Systems - gleich unter welcher Regierung - ist Griechenland in keiner Weise wettbewerbsfähig. Daher ist weder mit einem Bauboom noch mit einer erstarkenden Exportindustrie zu rechnen. Hinzukommt, daß viele unternehmerisch orientierte und gut ausgebildete Griechen ihr Land bereits verlassen haben. Diese Entwicklung haben sich die Griechen indes selbst zuzuschreiben, zumal noch jeder Reformansatz an der Mentalität des " Weiterwurschtelns " gescheitert ist. Das Land muß sich von Grund auf neu erfinden, wenn es in Europa eine Perspektive haben will. Das Dauerlamentieren führt nicht weiter.

  • wenn wir so kleinlich sein wollen, war Sisi Bayerin, denn 1854 gab es Deutschland nicht, genau so wenig wie Griechenland zur Zeit Alexanders. Im Gegensatz zu Alexander erhebt aber kein anderes Land Anspruch auf Hitler, den haben wir allein an der Backe, wenn er auch in Österreich geboren wurde.

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