Griechenlandkrise
Papandreou stolpert - und Berlin spielt auf Zeit

Premier Papandreou baut seine Regierung um und stellt die Vertrauensfrage. Damit ist der europäische Zeitplan für das überfällige Hilfspaket nicht mehr zu halten. Das könnte der Bundesregierung sehr gelegen kommen.
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AthenDer griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou bildet unter dem Eindruck von Massenprotesten gegen seine Sparpolitik das Kabinett um. Er werde so rasch wie möglich eine neue Regierung zusammenstellen und danach die Vertrauensfrage stellen, kündigte der sozialistische Politiker an. Nach Angaben aus Parlamentskreisen soll die Debatte am Sonntagabend beginnen. Die Abstimmung selbst solle bis Dienstagabend abgeschlossen sein. Zunächst müsse die neue Regierung ernannt und vom griechischen Präsidenten vereidigt werden.

Papandreous Zeitplan ist ehrgeizig, aber er durchkreuzt dennoch die Planungen der Eurozone für ein neues Hilfspaket. Details sollten am Freitag bei einem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Frankreichs Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy besprochen werden, für Sonntag ist ein weiteres Sondertreffen der Finanzminister der Eurozone geplant, am nächsten Freitag ein EU-Gipfel. Doch nun verdichten sich in Brüssel die Anzeichen, das auf dem Gipfel nur eine Grundsatzerklärung zu Griechenland beschlossen wird. Die wichtigen Details zum neuen Rettungspaket und vor allem die höchst umstrittene Beteiligung der privaten Gläubiger könnten auf den Juli oder sogar noch später vertagt werden.

In Berlin gibt es offenbar gar Überlegungen, die Entscheidung über ein zweites Hilfspaket bis September zu verzögern. Deutschland wolle angesichts des Streits über die private Gläubigerbeteiligung Zeit gewinnen und werde dabei von den Niederlanden und Finnland unterstützt, sagte ein mit den Beratungen vertrauter EU-Diplomat. „Das Argument ist: Wir möchten Zeit kaufen, weil wir nicht wissen, was wir tun sollen.“ Gegen den Vorschlag gebe es aber großen Widerstand.

Nach Angaben von EU-Währungskommissar Olli Rehn dagegen soll Griechenland in zwei Etappen gerettet werden: Er erwarte die Freigabe der nächsten Kredittranche von zwölf Milliarden Euro auf einem Eurogruppen-Sondertreffen am Sonntag, sagte er. Die Einigung auf ein neues Rettungsprogramm für Athen solle dann auf dem nächsten Treffen am 11. Juli erfolgen. „Damit verhindern wir ein Kreditausfall-Szenario und ebnen den Weg zur Einigung auf die mittelfristige Strategie“, sagte Rehn. Die Freigabe der fünften Tranche aus dem vor einem Jahr aufgestellten Rettungspaket werde die Zahlungsfähigkeit Griechenlands zunächst bis zum September sicherstellen.

Die drei Krisenländer Griechenland, Portugal und Irland, aber auch Spanien, Italien und Belgien sind dagegen, die Diskussion noch monatelang zu verschleppen. Die Unruhe an den Finanzmärkten werde zu groß und die Ansteckungsgefahr für die gesamte Euro-Zone wachsen. Auch in hochrangigen Bankenkreisen hieß es, Deutschland dränge auf eine Verschiebung bis September. Es sei aber nicht klar, ob andere Länder dies unterstützten.

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  • Volle Zustimmung. Es hilft überhaupt nicht über "die Griechen" oder "die Deutschen" herzuziehen. Verantworliche sind allerdings klar zu benennen, z.B. das Duo Schröder/Fischer dass Griechenland den Zutitt zu Eurozone erst ermöglicht hat. Polen, Tschechien, Dänemark, Schweden, Ungarn und andere leben ohne den Euro und kommen gut oder einigermaßen gut über die Runden.Zu dieser Staatengruppe innerhalb der Eu gehört auch Griechenland.Es ist hoch an der Zeit, dass es da auch Platz nimmt, auch wenn vorher eine Insolvenz in Kauf genommen werden muß, die der Euro aber durchaus überstehen würde.

  • @ Zeitzeuge
    @ Exportmythos und
    @ Michel

    Wenn Sie aufmerksam gelesen haben, dann haben Sie registriert, das ich Griechenland lediglich als Beispiel herangezogen habe und ansonsten von "zu Lasten anderer Nationen" schrieb.
    Ja, Griechenland ist nur ein kleines Licht. Aber wenn viele Lichter ausgehen wirds trotzdem dunkel.

    Derzeit gehen 60% unserer Exporte in die EU-Zone. Tendenz abnehmend ist aktuell richtig bemerkt, liegt aber sehr stark am überproportional gewachsenen Hndel mit China.

    Was dem lieben Michel in seiner umfassenden Weisheit leider entgeht ist der Fakt. Das unser Wohlstand in Deutschland in Summe auf unseren Überschüssen beruht. Und Überschüsse bei uns führen zwangsweise anderswo zu Defiziten. Wir können gerne mal versuchen ohne unsere Handelsüberschüsse zu leben. Aber sagen Sie dann bitte vorher Bescheid, ich würde dann nämlich lieber ausser Landes sein wenns losgeht.

  • Lieber Skyjumper Sie haben Recht. Ich bin es einfach nur leid, als in D arbeitender Grieche ständig über DIE Griechen zu hören und so tun, als ob hier alles in Butter wäre. Der Ziegenkäse-Mann in GR kann genausowenig für wie die Kumpels in der Zeche hier.

    Mich stimmt die selbstverschuldete Lage in GR sehr traurig, mache mir aber mehr Sorgen um die Situation hier. Sie ist in den letzten 10 Jahren nicht wirklich besser geworden, eher das Gegenteil ist der Fall. Ich lese überall wie zwar zurecht jedoch mit einer selbstverständlichen Überheblichkeit über meine Landsleute gerichtet wird und man vergisst dabei, dass das eigene Land, bis auf die Korruption, die es in D nicht indem Maße gibt, in gleicher Richtung gleitet und morgen jeder einzelne von uns in solch einer Schieflage liegen kann.

    Mich sorgt das Morgen, denn die Bundesregierung will auf Teufel-komm-raus nicht dass GR bankrott geht, obwohl angeblich der Schaden für D nicht so hoch sein soll. Wieso? Was steckt da dahinter? Wieso riskiert man in D eine Krise wenn da nix dahinter steht, wenn es doch nur die F Banken in der Mehrheit betrifft?

    Ich habe tausend Fragen, die mein Leben in D unmittelbar betreffen !

    Vor zwei Wochen gab es in einer Sendung auf NTV einen Studiogast, ein hohes Tier der sagte : Wenn ich 500 MRD € im Jahr erzielen kann, dann zahle ich eben die 20-30 MRD. Sozialbeitrag für GR und ziehe die mit ! ! !.....

    Ist das vielleicht die Denkweise? Und was passiert, wenn die Wirtschaft einbricht?


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