Griechenlands Finanzlage
Athens Reformstopp reißt Milliardenloch

Vom anvisiertem Haushaltsüberschuss ist angeblich „nichts übrig“: Die Finanzlage Griechenlands hat sich offenbar weiter verschlechtert. Athens „Reformstopp“ reißt ein Loch von bis zu 20 Milliarden in Athens Kassen.
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Athen/HamburgDie Finanzlage Griechenlands hat sich einem Magazinbericht zufolge weiter verschlechtert: Das pleitebedrohte Land braucht nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ voraussichtlich noch mehr Hilfsgelder als bislang angenommen.

Hintergrund sei, dass Athen wegen des Reformstopps in diesem Jahr wohl keinen Primärüberschuss in seinem Haushalt erwirtschaften wird, berichtet das Magazin in seiner neuen Ausgabe. Eigentlich sei geplant gewesen, dass das Plus aus Einnahmen und Ausgaben ohne Zinszahlungen bei drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liege. „Davon dürfte nichts übrig bleiben“, zitiert „Der Spiegel“ Troika-Kreise.

Experten rechneten nun mit einer zusätzlichen Finanzierungslücke von zehn bis 20 Milliarden Euro. Die Summe müsste im Falle eines weiteren Hilfspakets von den internationalen Geldgebern ausgeglichen werden.

Athen hat schon vergangenes Jahr die Vorgaben verfehlt. Die Regierung erzielte 2014 nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur einen Primärüberschuss von 0,3 Prozent des BIP. Vorgesehen waren jedoch 1,5 Prozent.

Ausgeglichen werden könne das nur mit einem dritten Hilfspaket für Griechenland, das einen Umfang von 30 Milliarden Euro und mehr haben könnte. Allerdings hatte Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras während seines Deutschland-Besuchs noch einmal deutlich gemacht, dass er ein solches neues Hilfspaket vermeiden will, wie Spitzenpolitiker der Grünen nach einem Treffen mit ihm sagten.

Griechenland hat nach eigenen Angaben bei seinen Geldgebern die angeforderte Reformliste eingereicht, mit der die Regierung die Voraussetzung für kurzfristige Hilfszahlungen schaffen will. Von einem positiven Votum von Internationalem Währungsfonds, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission - der früheren Troika - hängt ab, ob die Euro-Gruppe grünes Licht dafür gibt. In diesem Falle könnte Griechenland kurzfristig mit insgesamt 7,2 Milliarden Euro aus verschiedenen Quellen rechnen.

Der Primärüberschuss ist wichtig, weil er auch anzeigt, wie Griechenland etwa bei der Kontrolle der Kosten für den Staatsapparat vorankommt. Einschließlich der Zinsen, die auf die aufgenommenen Schulden zu zahlen sind, klafft aber weiter ein enormes Loch im Etat.

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Ratingagentur setzt Griechenland herunter

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