Griechenlands Krise
„Wir sind nicht der Sündenbock der Euro-Zone“

Griechenland kann seine Sparziele erneut nicht erfüllen - und verunsichert damit die Märkte. Darum drohen die Euro-Partner mit strengen Auflagen für Kredite. Der griechische Finanzminister verteidigt sich vehement.
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LuxemburgDie Euro-Partner lassen Schuldensünder Griechenland wegen seiner verfehlten Sparziele auf die dringend benötigten Kredite warten, geben Athen aber Grund zur Hoffnung. Nach Angaben von EU-Diplomaten wäre es verfrüht, Griechenland jetzt von den internationalen Hilfsgeldern abzuschneiden. Das verlautete am Montagabend beim Treffen der Finanzminister der 17 Euro-Länder in Luxemburg. Griechenland wäre ohne die nächste Kredittranche von acht Milliarden Euro spätestens Ende Oktober pleite und pocht auf die Auszahlung. Diese Entscheidung behalten sich die Minister, die Zweifel am Sparwillen Athens durchblicken lassen, aber vor und wollen erst den Bericht einer Expertengruppe abwarten. 

Die „Troika“ aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) ist derzeit in Athen. Die Experten werden nun berechnen, inwieweit die Rezession der griechischen Wirtschaft für das höhere Haushaltsdefizit verantwortlich ist, sagte der EU-Diplomat. Dann sei klar, ob der Wirtschaftseinbruch wirklich Schuld sei.

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos wehrte sich gegen Schuldzuweisungen: „Griechenland ist ein Land mit strukturellen Problemen, aber nicht der Sündenbock der Euro-Zone“. Athen erfülle die Auflagen der internationalen Geldgeber, sagte der Minister. Kurz zuvor hatte er mitgeteilt, das Sparziel für das laufende Jahr zu verfehlen. Das Haushaltsdefizit werde statt der vereinbarten 7,6 nun 8,5 Prozent betragen. Im Gegenzug für das 110 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm von Europäern und Internationalem Währungsfonds muss Athen strenge Auflagen einhalten. 

„Die Troika beschäftigt sich ja mit der Frage, was angesichts der aktuellen Zahlen in Griechenland die Empfehlungen sind, und diesen Bericht warten wir ab, das ist der Sinn“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker bekräftigte, bei dem Treffen würden die Minister keine Entscheidung über die Auszahlung des Geldes treffen. Nach derzeitiger Planung wollen die Euro-Kassenhüter die Summe bei einem Sondertreffen am 13. Oktober freigeben. 

Die Minister berieten über die Ausweitung des Krisenfonds für wackelnde Euro-Staaten EFSF. Dabei geht es um wichtige Detailfragen beim zweiten Griechenland-Hilfspaket, wie zum Beispiel das von Finnland geforderte Sicherheitspfand für Kredite, und die Umsetzung der Gipfelbeschlüsse vom 21. Juli. 

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  • Keine Sündenböcke? - Schwindler, Betrüger, Lügner, Trickser, Kriminelle, Schmarotzer, Erpresser ... es gibt viele Bezeichnungen für die Griechen.

  • @cstolze:

    Ok, dafür gehe ich dann eben mehr hin ...

    Es trifft nämlich die Falschen! Was alle erkennen können, die mehr als nur die eigene Nasenspitze sehen.

    Andererseits: Wer die Euro-Krise verstehen will, muss nur die Kommentare hier (und anderswo)lesen. Der deutsche Terrier am Bein des "nichtsnutzigen" Griechen.

  • genau, die Situation ist objektiv gesehen wirklich bizar. Die Profiteure sitzen nun in der Schweiz mit ihrem Geld und andere Länder in der EU Zone dürfen sich ruinieren. Also kitschiger kann es ja schon beinahe nicht mehr.

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