Griechenlands Krise „Sind nicht Sündenbock der Euro-Zone“

Griechenland kann seine Sparziele erneut nicht erfüllen - und verunsichert damit die Märkte. Darum drohen die Euro-Partner mit strengen Auflagen für Kredite. Der griechische Finanzminister verteidigt sich vehement.
Update: 03.10.2011 - 20:31 Uhr 36 Kommentare
Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos wehrt sich gegen die Vorwürfe der Euro-Partner. Quelle: AFP

Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos wehrt sich gegen die Vorwürfe der Euro-Partner.

(Foto: AFP)

LuxemburgDie Euro-Partner lassen Schuldensünder Griechenland wegen seiner verfehlten Sparziele auf die dringend benötigten Kredite warten, geben Athen aber Grund zur Hoffnung. Nach Angaben von EU-Diplomaten wäre es verfrüht, Griechenland jetzt von den internationalen Hilfsgeldern abzuschneiden. Das verlautete am Montagabend beim Treffen der Finanzminister der 17 Euro-Länder in Luxemburg. Griechenland wäre ohne die nächste Kredittranche von acht Milliarden Euro spätestens Ende Oktober pleite und pocht auf die Auszahlung. Diese Entscheidung behalten sich die Minister, die Zweifel am Sparwillen Athens durchblicken lassen, aber vor und wollen erst den Bericht einer Expertengruppe abwarten. 

Die „Troika“ aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) ist derzeit in Athen. Die Experten werden nun berechnen, inwieweit die Rezession der griechischen Wirtschaft für das höhere Haushaltsdefizit verantwortlich ist, sagte der EU-Diplomat. Dann sei klar, ob der Wirtschaftseinbruch wirklich Schuld sei.

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos wehrte sich gegen Schuldzuweisungen: „Griechenland ist ein Land mit strukturellen Problemen, aber nicht der Sündenbock der Euro-Zone“. Athen erfülle die Auflagen der internationalen Geldgeber, sagte der Minister. Kurz zuvor hatte er mitgeteilt, das Sparziel für das laufende Jahr zu verfehlen. Das Haushaltsdefizit werde statt der vereinbarten 7,6 nun 8,5 Prozent betragen. Im Gegenzug für das 110 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm von Europäern und Internationalem Währungsfonds muss Athen strenge Auflagen einhalten. 

„Die Troika beschäftigt sich ja mit der Frage, was angesichts der aktuellen Zahlen in Griechenland die Empfehlungen sind, und diesen Bericht warten wir ab, das ist der Sinn“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker bekräftigte, bei dem Treffen würden die Minister keine Entscheidung über die Auszahlung des Geldes treffen. Nach derzeitiger Planung wollen die Euro-Kassenhüter die Summe bei einem Sondertreffen am 13. Oktober freigeben. 

Die Minister berieten über die Ausweitung des Krisenfonds für wackelnde Euro-Staaten EFSF. Dabei geht es um wichtige Detailfragen beim zweiten Griechenland-Hilfspaket, wie zum Beispiel das von Finnland geforderte Sicherheitspfand für Kredite, und die Umsetzung der Gipfelbeschlüsse vom 21. Juli. 

"Wir wollen Griechenland wirklich helfen"
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36 Kommentare zu "Griechenlands Krise: „Wir sind nicht der Sündenbock der Euro-Zone“"

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  • Keine Sündenböcke? - Schwindler, Betrüger, Lügner, Trickser, Kriminelle, Schmarotzer, Erpresser ... es gibt viele Bezeichnungen für die Griechen.

  • @cstolze:

    Ok, dafür gehe ich dann eben mehr hin ...

    Es trifft nämlich die Falschen! Was alle erkennen können, die mehr als nur die eigene Nasenspitze sehen.

    Andererseits: Wer die Euro-Krise verstehen will, muss nur die Kommentare hier (und anderswo)lesen. Der deutsche Terrier am Bein des "nichtsnutzigen" Griechen.

  • genau, die Situation ist objektiv gesehen wirklich bizar. Die Profiteure sitzen nun in der Schweiz mit ihrem Geld und andere Länder in der EU Zone dürfen sich ruinieren. Also kitschiger kann es ja schon beinahe nicht mehr.

  • Warum soll ich mit meinen Steuern die Steuerhinterzieher Griechenlands unterstützen? Warum soll ich mit meinen Steuern ein Land unterstützen, dass mich als Urlauber nicht vom Hotel zum Flughafen bringt? Warum soll ich mit meinen Steuern ein Land unterstüzen, dessen Bevölkerung selbst nicht bereit ist Ihren Anteil zu leisten?

    Über den Verbleib meiner Steuern hab ich nur sehr wenig Einfluß, aber alles was persönlich in meinen Wirkungskreis liegt ist Anti-Griechisch. Kein Urlaub in Griechenland und nicht mal einen Besuch bei dem Griechen um die Ecke. Wie sonst sollen die Griechen spüren das es so nicht weiter gehen kann. Ich rufe zum Weltweiten Griechenboykott auf!

  • Lustig, Griechenland entpuppt sich als Monopoly-Spielverderber ;)

    Die Politik wird sich hier die Zähne ausbeißen...

  • Der griechische Finanzminister Evangelos Fehllos Venizelos ist zweifellos fettlos verdachtlos.

  • oder mal "Hades Plan" gugeln

  • Zu Benutzer - der Countdown läuft !

    Wenn es so wäre, dass sich dieses Mal niemand retten würde, dann wäre ja der Gerechtigkeit einiger Maßen genüge getan ! Aber so ist es leider nicht ! Die Superreichen haben die besten Anlageberater etc. Sie haben schon ihr Geld in Edelmetallen angelegt, als diese noch billig waren, als die Grundtsückspreise überall ins Bodenlose gestürzt sind, haben die sich neue Villen und Mietshäuser zu Schleuderpreisen gekauft, Grundstücke und vieles mehr.
    Wenn das Paiergeldsystem zusammenbricht sind die außen vor.
    Kommt eine neuer Währung und eine neue politische Kaste werden diese Leute wieder mit ihren riesigen Vermögen Einfluss auf die Politiker nehmen, um diese in ihren Entscheidungen maßgeblich zu beeinflussen. Das war schon immer so und so wird es immer bleiben.

    Außer die Völker dieser Welt begehren einmal richtig auf !!!

  • Ich bin eigentlich über die jetzt schon laufende Protestwelle überrascht, denn noch halten sich die Auswirkungen in Grenzen. Der erneute Kauf von Schrottanleihen hat dem Euro ca. 10 Dollar Cent Inflation gekostet...das ist natürlich eine Menge, aber wie werden die Straßen voll sein, wenn eine Kiste Billig-Bier nicht 6 sondern 30 Euro kostet? Oder illegale Bürgschaften tatsächlich fällig werden und über mehrere Generationen abgestottert werden müssen?

    Dann werden viele Menschen feststellen, dass ihr Erspartes nur noch einen kleinen Teil der früheren Kaufkraft hat und die Steuern hoch sind und dann wird richtig was los sein.

  • Wir reden jetzt über Milliarden Euro Rettungspakete, bald aber werden wir über Billionen Euro schwere Rettungspakete diskutieren, die kein Land der Welt mehr stemmen kann.
    Für mich ist das Ende des Euros nur noch eine Frage der Zeit.
    Es geht nicht mehr um die Frage ob, sondern wie die Eurowährung rückabgewickelt werden kann.
    Währungsreformen auch in D?
    Ich befürchte ja, denn wir werden nach der völlig irrsinnigen, parlamentarischen Zustimmung zum EFSF durch unsere Volksverdreher, im Eurodampfer mit untergehen.
    Diesmal rettet sich niemand, am Ende werden alle Verlierer sein. Jeder muss im Leben früher oder später den gerechten Preis bezahlen, das ist ein Naturgesetz un unabänderlich.
    Wer sein Volk verrät, Insolvenzverschleppung betreibt, Völker in die Haftung für Kapitalisten und Politikversager nimmt, Banken anstatt Völker rettet, der hat wahrlich und gerechterweise den Untergang verdient.




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