Griechenlands neuer Finanzminister
Europas undankbarster Job

Vassilios Rapanos besetzt als neuer Chef des griechischen Finanzressorts den Posten, auf dem die fordernden Blicke ganz Europas liegen. Er muss drastische Sparmaßnahmen durchsetzen, gleichzeitig sein Land im Euro halten.
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AthenDer Grieche Vassilios Rapanos hat ein bewegtes Leben hinter sich. Das Hochsicherheitsgefängnis Korydallos bei Piräus kennt er ebenso wie die Zellen auf der Insel Ägina und den berüchtigten Knast von Genti Koule. Hier saß er während der griechischen Militärdiktatur Anfang der 70er Jahre. Auf die Jahre in der Haft folgte eine umso glanzvollere Karriere als Hochschullehrer und Manager. Eigentlich hätte der Wirtschaftsprofessor den Ruhestand verdient.

Aber in einem Alter, wo andere in Pension gehen, übernimmt der 65-Jährige jetzt den schwierigsten Job seines Lebens. Aus dem repräsentativen, holzgetäfelten Büro des Präsidenten der National Bank of Greece (NBG), des größten Kreditinstituts des Landes, zieht er um in das sehr viel bescheidenere Amtszimmer des Finanzministers.

Rapanos kennt sich aus im Finanzministerium am Athener Syntagmaplatz. Schon einmal saß er hier im 6. Stock, der Ministeretage, allerdings in einem kleinen, verwinkelten Büro: von 2000 bis 2004 war Rapanos Vorsitzender des Sachverständigenrates im damaligen Wirtschafts- und Finanzministerium. In dieser Eigenschaft gehörte er zu den engsten Beratern des seinerzeitigen Ministerpräsidenten Kostas Simitis. Der hatte Griechenland Ende der 90er Jahre mit einem strikten Spar- und Reformkurs, aber auch mit geschönten Statistiken, wie Kritiker sagen, in die Währungsunion geschleust. Jetzt soll Rapanos dafür sorgen, dass die Griechen den Euro behalten dürfen.

Auch auf dem Brüsseler Parkett, auf dem er sich künftig bewegen muss, kennt Rapanos sich aus: er arbeitete als Berater in der ständigen EU-Vertretung Griechenlands, bevor er 1998 Präsident des Verwaltungsrats beim Fernmeldekonzern Hellenic Telecom wurde.

Der 65-jährige Ökonom, der von der Dodekanes-Insel Kos stammt, übernimmt das undankbarste Ressort im neuen Kabinett. Das Land ist praktisch pleite – wieder einmal. Und Griechenlands Gläubiger drängen auf weitere Einsparungen im Haushalt. Der Rotstift wird deshalb das wichtigste Handwerkszeug des Finanzministers Rapanos sein. Knapp zwölf Milliarden Euro muss Athen in den Jahren 2013 und 2014 zusätzlich streichen, um die Sparziele zu erreichen. Es sei denn, die EU lockert die Vorgaben.

Darüber will Rapanos in den nächsten Wochen mit der Troika sprechen. Der hochgewachsene, hagere Mann mit der randlosen Brille gilt als geschickter Verhandlungsführer: er tritt stets verbindlich und freundlich auf, versucht mit ruhig vorgetragenen Argumenten zu überzeugen. Rapanos scheue sich aber auch nicht, wenn nötig mit der Faust auf den Tisch zu schlagen, sagen Mitarbeiter.

Kommentare zu " Griechenlands neuer Finanzminister: Europas undankbarster Job"

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  • Da die griechische Regierung paradoxerweise sowohl zuviel als auch zuwenig unternimmt und damit gar nichts erreicht, braucht man sich über kritische Artikel im hb nicht wundern (zuviel Steuererhöhungen - zuwenig Ausgabensenkung, Deregulierung, Privatisierung). Dann noch Streiks, Kravalle, Kapitalflucht...

  • Wirre Hitzköpfe, wie der Forist "Le-h-r-tasche", bestimmen schon seit langem die Leserkommentare im Handelsblatt. Das sind genau die Leute die die ganze Zeit auf die Griechen schimpfen und sich dann empören als Deutsche von Griechen beschimpft zu werden. In ihrem Geiz und in ihrer banalen Angst kommen sie nicht mehr dazu ihre Arbeit in ihrem Schrebergarten zu verrichten. Dort also, wo solch jämmerliche Gestalten geistig auch hingehören. Diese erbärmliche Griechenland-Hetze, auch vom Handelsblatt befeuert, nervt. Am ende soll niemand sagen dass er von "nichts" gewusst habe.

  • AHA!
    Finde ich gut, daß im Artikel die Worte "Junta", "Militärdiktatur" aus der jüngsten Vergangenheit Griechenlands zur Spache kommt.
    Unter den gegebenen Umständen darf unter diesem Gesichtspunkt auch Herr F. als Interimslösung
    gelten. Zehn Jahre kuckt er sich nach aller Läuterung durch Inhaftierung und anschließendem Ökonomiestudium diesen Staatszirkus zu und hat jetzt die Ferve für sein Vaterland den Währungsretter zu spielen.
    Im Zirkus, so frage ich mich, hätte er welche Position inne: Des Zauberers, des Magiers, des Jongleurs, des Kapellmeisters, der Prima Ballerina oder , welch grauenvoller Gedanke, des Zirkusdirektors?
    Die Vorstellung indes, mit wenig Applaus, ist aus.
    PAPPERLAPAPP - GRIECHENLAND IST PLEITE!

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