Griechenlands Sparziele Troika-Bericht zeichnet katastrophales Bild

Griechenland macht mit seinen Reformen kaum Fortschritte: 70 Prozent der Sparvorgaben sollen nicht erfüllt worden sein. Merkel lehnt Zugeständnisse ab. Und auch die Griechen glauben nicht mehr an eine Kehrtwende.
Update: 13.07.2012 - 16:31 Uhr 161 Kommentare
Akropolis in Athen. Quelle: ap

Akropolis in Athen.

(Foto: ap)

BerlinDen Deutschen reißt wegen der schleppenden Reform-Fortschritte in Griechenland der Geduldsfaden. Im ZDF-Politbarometer sprachen sich 61 Prozent der Befragten dagegen aus, dem Land mehr Zeit für Veränderungen zu geben. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) äußerte sich am Freitag ebenfalls skeptisch über die Reformfähigkeit des Landes. Die CSU brachte sogar einen vorübergehenden Euro-Austritt des Landes ins Gespräch.

Einem Zeitungsbericht zufolge hat die Regierung von den rund 300 mit den internationalen Geldgebern vereinbarten Maßnahmen 210 bisher nicht erfüllt. Einer Umfrage zufolge hält selbst eine Mehrheit der Griechen ihre Regierung für unfähig, die Probleme zu lösen. In der Umfrage für das ZDF waren nur 31 Prozent der Befragten dafür, dem Land mehr Zeit zu geben; acht Prozent hatten keine Meinung.

Die neue griechische Regierung will die Euro-Länder und den Internationalen Währungsfonds um zwei Jahre mehr Zeit für die Umsetzung der im Austausch für die Milliardenhilfen vereinbarten Reformen bitten. Die Bundesregierung stellt sich bisher dagegen. Zwar will sie den Verhandlungen nicht vorgreifen, die erst nach der Überprüfung der Sparfortschritte beginnen können. Regierungssprecher Steffen Seibert betonte aber, die Vereinbarung stehe - sowohl inhaltlich als auch beim Zeitrahmen.

Die „Rheinische Post“ berichtete unter Berufung auf eine ungenannte Regierungsquelle, der vorläufige Bericht der Troika aus EU-Kommission, IWF und Europäischer Zentralbank zeichne ein katastrophales Bild der Lage in Athen. Einen Reformaufschub um zwei Jahre lehne die Bundesregierung als „völlig inakzeptabel“ ab. Kanzlerin Angela Merkel habe führenden Koalitionären versichert, dass dem Land maximal einige Wochen mehr gewährt würden.

Industriepräsident Hans-Peter Keitel forderte: „Griechenland muss sich endlich auch helfen lassen, die Reformen anpacken und Bedingungen für Investitionen schaffen.“ Ein Land könne nicht dauerhaft die Wirtschaftskraft eines gesamten Währungsverbundes lähmen.

Deutschlands Maschinenbauer sehen schon die Zeit für Griechenland ablaufen. "Wenn Griechenland strukturell nichtrettbar ist und Vereinbarungen nicht einhalten kann oder will, muss es den gemeinsamen Währungsraum verlassen", teilte der Verband Deutscher Maschinen und Anlagebau (VDMA) diese Woche in einer Mitteilung mit. "Das Prinzip der Übereinstimmung von Handeln und Haften darf nichtdauerhaft durchbrochen werden, weder von den Euro-Mitgliedsländern noch von den Banken und Anlegern."

Auch die Griechen glauben nicht mehr an eine Kehrtwende
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161 Kommentare zu "Griechenlands Sparziele: Troika zeichnet katastrophales Bild der Lage"

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  • was hat man denn realistischer Weise erwarten können?

    Ein Land das seit 30 Jahren im finanzpolitischem Chaos lebt kann doch nicht von "heute auf morgen" saniert werden, dazu ist die Schuldenlast zu groß und die gewachsenen Strukturen zu stark.

    Man muß sich vielmehr fragen, wieso die Griechen in die Eurozone durften und die "unschuldig Schuldigen" dafür zur Rechenschaft ziehen, z.B. über Rentenkürzungen.

    Wären die Griechen nicht beigetreten, hätten sie jedes Jahr eine "schöne zweistellige" Abwertung hinnehmen dürfen
    und alles wäre beim ALTEN.

  • Ganz richtig, aber was machen Sie mit einem Kind wenn es uneinsichtig ist? Man teilt den Prozeß in überschaubare Schritte ein.
    In GR würde ich folgendermaßen vorgehen
    Hattu z. B. Athen richtig vermessen? Gibt es ein ordentliches Meldeamt, wieviel zahlen Steuern?
    Je besser gemacht, je mehr Hilfe, was in der EU ja nur monetär betrachtet wird, aber nur Geld ist eben keine echte Hilfe.
    Also z. B. Athen zu 50% erfaßt = 20% Kohle oder so

  • Vielleicht sollte man sich Staaten auch anders gegenseitig helfen lassen, in Spanien gibt es eine funktionierende Bürokratie, inkl. Kataster, Steuer, Sozialversicherung.
    Man sollte spanische Beamte zum Aufbau nach GR schicken um Vermessungen, Kataster, und Steuerstruktur zu implementieren. Gegen diese Landsleute haben die Griechen wohl weniger Vorurteile als gegen die verunglückten Kommunizierungsversuche der deutschen Administration?
    Und Spanien könnte seine überzähligen Bürokraten gegen junge Leute eintauschen.
    Ich erwarte hier von den europäischen Stellen einfach mehr Fantasie.

  • Ins Stammbuch: Brüssel und Berlin müssten Grundsätzliches lernen. Man kann keinen Erfolg haben, wenn man nicht konsequent ist : Das weiß jeder der schon mal ein Kind hatte oder einen Hund ! Jedesmal wenn man nachgibt wird es schwieriger danach, denn je mehr man nachgibt um so weniger Autorität hat man. Wenn man auch noch das Nachgeben mit weiteren Belohnungen versieht, kann man alle Hoffnung sofort vergessen.Man wird dann auch nicht mehr für voll genommen ! Aber das weiß an sich jeder , außer eben die Politiker, denn sie haben ja offensichtlich keine Verantwortung.

  • Seinen "EU-Marschallplan" für Griechenland kann sich der CSU-Generalsekretär Dobrindt an den Hut stecken.

    Der Marshallplan bestand aus 25 US-$ pro Person in Westdeutschland und West-Berlin, wurde über 2,5 Jahre ausgezahlt und zu über 50% zurückgezahlt. 25 US-$ 1950 sind etwa 230 Euro 2012. Macht bei 10,788 Mio. Griechen etwa 2,5 Milliarden Euro.

    Herr Dobrindt, Griechenland erhält allein als "EU-Struktur-Hilfen" zwei Marshallpläne pro Jahr.

    Herr Dobrindt, die EFSF-Stützungszahlungen betragen etwa 8 Marshallpläne pro Jahr.

    Herr Dobrindt, die privaten Gläubiger haben Griechenland gerade erst im März 36 Marshallpläne erlassen.

    Herr Dobrindt, Griechenland hat sich in den letzten 10 Jahren 80 Marshallpläne gepumpt.

    An einem Mangel an Marshallplänen scheint es irgendwie nicht zu liegen.

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    Aber, was solls.

    Als Politiker muß man sich ja nicht überlegen was man so daherredet.

    Wo kämen wir da hin?

  • O-Ton 'McGyros'
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    Wir werden den Euro nicht verlassen, es gibt KEINE rechtliche Grundlage uns aus dem Euro rauszuwerfen.
    Wir werden uns auch nicht ändern, Sparen sollen andere, wir wollen Leben!
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    Griechenland "aus dem Euro zu werfen" ist zwar rechtlich nicht möglich.

    Es ist aber rechtlich sehr wohl möglich, die Hilfszahlungen einzustellen.

    Dann ist der griechische Staat pleite.

    Und weil das so ist, kann die EZB dann auch keine griechischen Staatspapiere mehr als Sicherheiten für den Kredit der griechischen Nationalbank im target2-System akzeptieren.

    Als Resultat werden die Kredite der griechischen Banken fällig gestellt - die griechischen Banken sind eine Sekunde später ebenso pleite.

    Europa kann die - tatsächlich ja schon längst vorhandenen - Verluste dann verbuchen und muß die EZB und den EFSF rekapitalisieren.

    Die dauernden Mittelabflüße an Griechenland hören aber auf, die anderen PIGS lernen ihre Lektion - die Eurozone wird dadurch solider.

    In Griechenland ist dann zwar immer noch der Euro als gesetzliches Zahlungsmittel verwendet - bloß, außer ein bißchen barem - hat niemand mehr Euros.

  • 'Europaer' sagt
    -------------------
    Da es eine politische Entscheidung fuer Griechenland und die anderen Suedeuropaeischen Staaten war den Euro einzufuehren ist es doch normal das die Handelsbilanzueberschuesse Deutschlands ueber eine Transferunion zurueck an diese Laender gebracht werden muessen.
    -------------------

    LOL!

    Das finden Sie normal?

    Der ganze Unsinn ist doch bloß jahrelang so gelaufen weil die Banken so dämlich waren den Griechen für Billigzinsen Geld zu leihen. Vor zwei Jahren haben sie dann gemerkt, daß Griechenland überschuldet ist und nix mehr geliehen. Und ihre faulen Anleihen inzwischen an den EFSF abgedrückt, und auf 90 Milliarden verzichtet.

    Daß Griechenland zu einem Handelsdefizit kommt liegt eben daran, daß sich die Griechen seit 2001 die Löhne um 53,7% (D: 16,1%) erhöht haben. So verliert man natürlich an Wettbewerbsfähigkeit.

    Und hat mehr Arbeitslose, geringere Staatseinnahmen, höhere Staatsausgaben etcpp.

    Und daß diese phantastischen Lohnerhöhungen auf Pump bezahlt werden finden Sie normal?

    Du liebe Güte!

    Sollten wir auch 'mal probieren.

    Löhne 100% rauf!

    Mal sehen, ob die Griechen uns das dann per Transferzahlung bezahlen werden ;)

  • Das hier:

    "Der relativ harte Euro (im Vergleich zu Drachme, Lira usw.) erschwert diesen Ländern Exporte und bremst Importe nicht ab. Folge: Wirtschaftlicher Niedergang. Der führt dann zu geringeren Staatseinnahmen, die wiederum zu einer höheren Verschuldung, die wiederum zu höheren Zinsen für das Land und seine Wirtschaft.
    Niemand soll sagen, dass diese Dinge nicht absehbar gewesen seien – das ist Ökonomie-Grundstudiums-Wissen."

    ist unumstößliche Tatsache und wird durch die Entwicklungen in Griechenland und anderswo auch sehr eindrucksvoll bestätigt.

    Demnach haben griechische Politiker zum Schaden ihres Landes gehandelt. Warum also, wenn sie nicht korrumpiert worden sein sollten?

    Und was die Vaterlandslosen angeht, die ich meine: Sie gehen mit dem deutschen Volk nicht besser um als mit dem griechischen. Es kümmert sie nicht, wo Landesgrenzen gezogen sind, solange sie nur über alles herrschen, mit welchen Mitteln auch immer.

  • Ernsthaft? Sie fragen warum griechische Politiker sich selbst am Euro bereicherten und Griechenland damit schadeten? Und Sie glauben, deutsche Vaterlandslose die in einem Kingdom of Europe verschwinden wollen um an Identität zu gewinnen, hätten die Griechen absichtlich verarscht?

    Schreiben Sie einen Brief mit der Frage an Schröder und Fischer, 2 von diesen heimatlosen Deutschen, und an die damalige CDU-FDP-Opposition die Ihnen alle zusammen den Euro wohl aus Bosheit eingebrockt haben.....ähhm, ernsthaft?

  • Da muss man sich doch glatt fragen, von wem die griechischen Regierungen sich haben korrumpieren lassen, dass sie so blöd waren, auf den Euro zu setzen:

    Der relativ harte Euro (im Vergleich zu Drachme, Lira usw.) erschwert diesen Ländern Exporte und bremst Importe nicht ab. Folge: Wirtschaftlicher Niedergang. Der führt dann zu geringeren Staatseinnahmen, die wiederum zu einer höheren Verschuldung, die wiederum zu höheren Zinsen für das Land und seine Wirtschaft.
    Niemand soll sagen, dass diese Dinge nicht absehbar gewesen seien – das ist Ökonomie-Grundstudiums-Wissen.

    Fakt ist, dass das deutsche Großkapital Griechenland nun an der Sklavenkette hat, dass dem deutschen Großkapital bald die lukrativsten Teile des griechischen Staatsbesitzes gehören werden.

    Warum also taten korrupte griechische Politiker das, was ihrem Land schadete, vom deutschen Großkapital und seinen Polit-Marionetten wie Merkel und Co. aber gewollt war und ist?

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