Griechische Abhörpraktiken
„Bei der Drecksarbeit gehören wir zu den Besten“

Der griechische Geheimdienst ist im eigenen Land berüchtigt für Abhöraktionen. Laut Ex-Außenminister Pangalos hat Griechenland jahrelang den US-Botschafter abgehört. Telefon-Spionage hat im Land eine lange Tradition.
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AthenDie US-Botschaft in der griechischen Hauptstadt Athen soll zu einem Netzwerk von Abhörstationen gehören, mit dessen Hilfe die US-Geheimdienste rund um den Globus Telefonate und andere Kommunikationsmittel belauschen. Aber auch die Griechen sind nicht faul: Ihr Geheimdienst EYP habe das Telefon des US-Botschafters abgezapft, enthüllte jetzt der frühere griechische Außenminister Theodoros Pangalos.

Das Botschaftsgebäude der Vereinigten Staaten an der Athener Königin-Sofia-Allee ist eines der wenigen architektonischen Highlights im modernen Athen. Die Kanzlei wurde zwischen 1956 und 1961 nach Plänen des berühmten Bauhaus-Architekten Walter Gropius errichtet. Aber ein merkwürdiger Aufbau verschandelt die klaren, klassischen Linien des Gebäudes. Auf dem Flachdach befindet sich seit einigen Jahren eine Art Verschlag.

Die fensterlose Baracke ist sowohl von einer Seitenstraße aus zu sehen, wie auch auf Luftbildern und bei Google Earth und Maps. Der Aufbau steht auf der südwestlichen Ecke des Dachs. Von hier sind wichtige Gebäude des Athener Regierungsviertels – der Amtssitz des Premierministers, das Palais des Staatspräsidenten, das Außenministerium und das Parlamentsgebäude, in dem das Kabinett tagt, nur rund drei Kilometer Luftlinie entfernt – zu sehen. Auch eine Anzahl von Botschaftsgebäuden befindet sich in direkter Sichtverbindung, darunter die Vertretungen Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens, Ägyptens, der Türkei und Kanadas sowie die Vertretung der EU-Kommission in Athen.

Fachleute vermuten, dass sich in der hellgrauen, fensterlosen Hütte auf dem Dach des US-Botschaftsgebäudes jene Abhöreinrichtungen befinden, mit denen die Amerikaner Mobilfunknetze, WLAN-Netze, Satellitentelefone und andere Formen der Kommunikation ausspähen können.

Doch bevor die griechischen Medien so richtig in das brisante Thema eingestiegen waren, meldete sich Theodoros Pangalos zu Wort. Der 75-Jährige ist ein politisches Urgestein in Griechenland, sitzt seit 1981 ununterbrochen im Parlament und hatte zahlreiche Regierungsämter inne, darunter in den Jahren 1996 bis 1999 auch das des Außenministers. Wenn sich der schwergewichtige Pangalos äußert, greifen die Reporter zum Notizblock, denn meist kommt eine Schlagzeile dabei heraus – etwa wenn Pangalos, wie 1993, das wiedervereinigte Deutschland als „Riesen mit der Kraft eines Ungeheuers und dem Verstand eines Kindes“ bezeichnet oder von türkischen Politikern als „Räubern, Mördern und Vergewaltigern“ spricht.

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„Bei der Drecksarbeit gehören wir zu den Besten“

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„Wir wussten alles, worüber sie sich unterhielten“

Kommentare zu " Griechische Abhörpraktiken: „Bei der Drecksarbeit gehören wir zu den Besten“"

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  • Vielleicht sollte die vorhandene Technik in Griechenland zur Suche von Steuerhinterziehung eingesetzt werden. Dann könnte ich dem Ganzen auch etwas Positives abgewinnen.

  • Die Lösung ist doch ganz einfach! Hängt einfach an jede belanglose Mail die Worte NSA, Taliban, Amerika oder Bombe an. Wenn das jeder macht erstickt die NSA an der Auswertung der Mails.

  • Ich fürchte, das ist genau das, worum es geht. Der freie und schnelle Informations- und Meinungsaustausch ist nicht im Sinne "der Mächtigen". So arbeiten sie darauf hin, daß jeder sich genau überlegt, was er sagt oder tut - aus Angst vor nachteiligen oder unangenehmenFolgen. Aber sie haben recht: die Büchse der Pandora ist geöffnet. Mal sehen, wie sich das Internet weiterentwickelt.

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