Griechische Streiks
Aus Wut wird Angst im Krisenland

Griechenlands Schicksal steht auf des Messers Schneide - EU und Währungsfonds lassen die zunehmend erschöpften Bürger zappeln. Viele verzweifeln, nicht zuletzt an den ständigen Streiks und Protesten.
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AthenDer Himmel über Griechenland ist strahlend blau an diesem Mittwochmittag. Aber die Stimmung ist trüb. Die Gewerkschaften trommeln zum Streik. Aber immer mehr Griechen merken: die Proteste bringen nichts.

Zum Athener Klafthmonos-Platz hatte der griechische Gewerkschaftsbund GSEE seine Anhänger gerufen – ein historischer Ort. Hier erstritten streikende Staatsbedienstete im Jahr 1911 ihre Unkündbarkeit. Bis dahin war es in Griechenland üblich, dass jede neue Regierung Tausende Beamte entließ, um ihre eigenen Günstlinge mit Posten zu versorgen. Letzteres hat sich nicht geändert. Aber weil seit 1911 praktisch niemand mehr entlassen werden kann, wuchs das Heer der Staatsbediensteten im Laufe der Jahrzehnte immer weiter an. Heute lebt jeder vierte griechische Arbeitnehmer auf Staatskosten.

Der Kündigungsschutz im öffentlichen Dienst ist eines der Tabus, das die Regierung jetzt unter dem Druck der öffentlichen Gläubiger Griechenlands antasten muss: bis zum Jahresende sollen rund 30 000 Staatsbedienstete in eine so genannte Arbeitsreserve überstellt werden. Dort erhalten sie ein Jahr lang 60 Prozent ihres Gehalts. Danach werden sie vorzeitig pensioniert - oder entlassen.

Vor allem die Angst um ihre bisher sicher geglaubten Arbeitsplätze trieb am Mittwoch Zehntausende Beschäftigte des öffentlichen Dienstes auf die Straßen. Ämter und Ministerien, Schulen und Krankenhäuser wurden bestreikt. Auch bei den öffentlichen Verkehrsmitteln gab es Arbeitsniederlegungen, die Fährschiffe blieben in den Häfen. Und weil die Fluglotsen streikten, ruhte auf den griechischen Airports für 24 Stunden der Verkehr. Griechenlandurlauber kamen so in den Genuss eines zusätzlichen Ferientages. Ob sie ihn wirklich genießen konnten, war zumindest in Athen nicht sicher. Es gab Befürchtungen, Anarchisten könnten versuchen, die Protestkundgebungen als Trittbrettfahrer zu nutzen und ihre eigene Agenda zu verfolgen. So war es bereits im Frühsommer, als es am Rand von Gewerkschaftskundgebungen zu schweren Ausschreitungen kam: vermummte Chaoten lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, fackelten Autos ab und demolierten Geschäfte. Diesmal verliefen die Demonstrationen zunächst friedlich.

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Noch vier Wochen bis zur Staatspleite

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  • hmm, die französiche Lösung naht.

    Offensichtlich die einzige Lösung für das Verhalten der Politiker. Denn machen wir keinen vor, aber das Volk hat hier nun echt nix verbockt.

    »[...] Am meisten befürchtet der Bilderberg-Club einen organisierten Widerstand. Seine Mitglieder wollen nicht, dass die einfachen Leute dieser Welt dahinterkommen, welche Zukunft sie für die Welt planen, nämlich eine Weltregierung bzw. ein Weltunternehmen mit dem einzigen, weltweiten Marktplatz, der von einer Weltarmee beaufsichtigt und von einer Weltbank mit einer globalen Währung geregelt wird. [...]«
    Mehr zu den Absichten der Bilderberger bei www.wearechange.ch, 2. Juni 2010

  • Griechenland muß wieder eine Militärregierung haben ,sonst
    geht das Chaos los. Der erste Schritt ist der Austritt
    aus dem EURO ,dann Einführung der Drachme .
    Nur so geht es !

    Das Volk soll die Papandreou-Regierung zum Teufel jagen .
    Die ist nur für die Rettungsschirme an die Banken ,das Volk ist Papandreou egal !

  • Unsere Politiker verdrängen die Realität und saufen sich eine Situation schön, die durch ihre Unterlassungen entstanden ist.
    Ihre Akzeptanz im Wahlvolk ist dahin.
    Beendet wenigstens die griechische Insolvenzverschleppung. Ihr werdet das Geld noch nötig für andere Staaten des Euro-Raumes brauchen.

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