Griechische Twitter-Reaktionen
Auf den „#Grexit“ folgt der „Grexin“

Die „Nein“-Wähler in Griechenland sind enttäuscht über die neu präsentierten Reformvorhaben der Regierung. Nach den jüngsten Entwicklungen steht Ministerpräsident Alexis Tsipras auch auf Twitter in der Kritik.
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Das Referendum in Griechenland war eindeutig: Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt die Sparvorgaben der Gläubiger strikt ab – und vertraut stattdessen auf Ministerpräsident Alexis Tsipras, für eine bessere Lösung zu kämpfen.

Umso überraschender daher die Reformpläne, die die griechische Regierung den Gläubigern am Donnerstagabend übermittelte. Die vorgelegte Liste weicht nur minimal von den Vorschlägen der Gläubiger ab. Auf Twitter löste diese Entscheidung teils heftige Reaktionen aus.

Die „Nein“-Wähler fühlen sich ein Stück weit hintergangen von ihrem Premier. Zu deutlich war die Botschaft am Sonntagabend. Und plötzlich steht der einst als „Retter“ gefeierte Alexis Tsipras heftig in der Kritik. „Hat jemand die Hoffnung vom 25. Januar gesehen? Hoffnung, wo bist Du? Wir haben Dich schon wieder verloren“, schreibt ein User in Anlehnung an Tsipras' Worte während des Wahlkampfes im Januar. Damals hatte der Vorsitzende der Syriza-Partei damit geworben, den Menschen die Hoffnung zurückgeben zu können.

Hoffnung sehen die Gegner der Reformvorschläge hingegen in Deutschland. Ein User setzt nun alles auf das Veto des in Griechenland viel gescholtenen Wolfgang Schäuble. „Die letzte Hoffnung ist jetzt Wolfgang Schäuble“, schreibt er. Ein anderer User stellt den Rücktritt von Finanzminister Yanis Varoufakis in Frage. „Varoufakis, Du fehlst“, schreibt er.

Manche Dinge kann man den Griechen aber auch in Krisenzeiten nicht nehmen – ihren Humor, zum Beispiel. Zahlreiche, bearbeitete Bilder von Alexis Tsipras kursieren durch das Netz, die seine Reformliste ins Lächerliche zielen. Dieses Bild vermutet beispielsweise eine durchdachte Strategie hinter Tsipras' Politik. „Beim Referendum habe ich jedenfalls 'Ja' gewählt“, heißt es in der Sprechblase.

Die Rezession in Griechenland ist allgegenwärtig. Die Politikmaßnahmen werden in Griechenland traditionell kritisch beäugt – neue Sparmaßnahmen sowieso. Gegner des Reformplans zweifeln daher die Wirksamkeit der neuen Vorhaben an. „In drei Jahren wird es eine noch viel größere Katastrophe geben. Und dann werden wir nach einem '#Grexit' betteln“, führt ein User aus.

Über einen „Grexit“ wurde in den vergangenen Monaten heftig geschrieben und diskutiert. Nun macht auf Twitter das Gegenteil die Runde – der „#Grexin“. Griechenland steht also irgendwo zwischen Tür und Angel.

Für Menschen, die sich zwischen „#Grexit“ und „#Grexin“ nicht entscheiden können, gibt es noch eine weitere Variante: Ein Politikwechsel, der unter dem Motto „#Alexit“ stehtεκτός αν είσαι σίγουρος ότι θα τα απορρίψουν κι αυτά. Eine Userin schreibt: „Ich glaube, wir werden letztlich keinen '#grexit', sondern einen '#alexit' haben. Nimm alles zurück, Alexis!“

Demzufolge müsste nun der „#alexin“ folgen...

Leonidas Exuzidis
Leonidas Exuzidis
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

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