Griechische Verwaltung
Internet soll marode Behörden retten

Modernisierungen hat die griechischen Verwaltung nötig. Eine Internet-Jobbörse löst die Arbeitsvermittlung ab und auch die Steuererklärung läuft übers Netz. So wird das intime Gespräch seltener und Korruption bekämpft.
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AthenDie griechische Arbeitsverwaltung macht harte Zeiten durch. Binnen zwei Jahren ist die Zahl Arbeitslosen um mehr als die Hälfte gestiegen. Aber die Zahl ihrer Mitarbeiter sank um ein Viertel. Und die verbliebenen erleben nun, ähnlich wie viele Kollegen in anderen Verwaltungen, die Folgen: Aus einer kommoden, relativ gut dotierten Position beim Staat wird für sie plötzlich fordernde Arbeit.

Die öffentliche Verwaltung, die in vielen Bereichen ineffizient und korruptionsanfällig ist, muss sich neu erfinden. Aber das ist nicht leicht mit dem alten Personal, das außerdem Lohnkürzungen von bis zu 30 Prozent mitmacht. „Die Rasenmähermethode war ein Fehler“, sagt Panagiotis Korliras, Leiter des Zentrums für Planung und Wirtschaftsforschung (KEPE) in Athen. „Es wäre besser gewesen, sich von den schlechten Beamten zu trennen, als den guten und schlechten gleichermaßen das Gehalt zu kürzen.“

Modernisierungen haben die Behörden bitter nötig. Elias Kikilias, ein Ökonom, der seit Ende 2009 Chef der Arbeitsverwaltung ist, macht nun aus der Not eine Tugend: Er treibt den Aufbau einer internetbasierten Arbeitsvermittlung voran. Das spart Personal. Ähnlich die Steuerbehörden: Sie führen die Steuererklärung per Internet ein. Das soll auch verhindern, dass Steuerpflichtige ihre Angelegenheiten weiter im vertrauensvollen Gespräch mit dem persönlichen Finanzbeamten vor Ort klären. Und es lässt auf höhere Einnahmen hoffen.

Eine Gruppe griechischer und britischer Ökonomen um Michael Jacobides, Richard Portes und Dimitri Vayanos schlägt aber radikalere Schritte vor: Parallel zu den alten Institutionen, denen keiner mehr glaube, sollte man neue unabhängige unter der Regie von Fachleuten gründen – etwa für die Steuerverwaltung, den Einkauf von Gesundheitsdienstleistungen und für die Überwachung des Reformprogramms. So wollen die Forscher alle alten Beziehungsgeflechte durchtrennen.

Doch diese Forderungen sind umstritten. Der Athener Ökonom Manos Matsaganis findet, Griechenland dürfe sich nicht darum drücken, in den bestehenden Institutionen aufzuräumen. Das wirtschaftliche Potenzial, das durch einen effizienteren Staat zu erschließen wäre, ist jedenfalls gewaltig.


Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Griechische Verwaltung: Internet soll marode Behörden retten"

Alle Kommentare

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  • gut , richtig,von "Baier"

  • warum nicht einfach die Korruption härter verfolgen und bekämpfen, z.B. durch ein 4-Augen-Prinzip bei Bauanträgen usw.? Griechenland scheint verwaltungsmässig auf einem vorindustriellen Bakschisch-Status zu verharren. Und dann kommt unsere Kanzlerin mit dem unglaublichen Vorschlag, Schuldensünder vor einem EU-Gericht zu verklagen. Besser kann man Machtlosigkeit nicht äussern.

  • Ich sende meine Steuererklärung seit 1997 übers Netz ab. Was ab 2012 ändert sich, ist, dass man nur online die Steuererklärung abschicken können wird und nicht mehr per Post oder persönlich. Das hat öffentlich nichts mit Korruption zu tun.

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