Griechische Wahlreaktionen
Zwischen Sonnenschein und Unwetter

Alexis Tsipras gewinnt erneut die Parlamentswahlen in Griechenland. Die linken Medien bejubeln den Wahlsieg von Syriza. Doch die konservative griechische Presse sieht das anders. Ein Überblick.

DüsseldorfBei dieser Wahl ist vieles anders: Die Berichterstattung über die Parlamentswahl wirkt nüchterner und weniger lebhaft als noch im Januar, als die griechische Presse mit einer bunten Mischung aus Enthusiasmus und Hoffnung die Wahl begleitete. In die Hoffnung mischt sich diesmal auch vorsichtige Kritik an Tsipras‘ politischem Kurs, der im Endeffekt erneut in einer Rezession mündete.

Die griechische Presse hatte im Vorfeld ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Syriza-Partei und der konservativen Nea Dimokratia erwartet: Doch letztlich erwiesen sich diese Prognosen als falsch, denn Syriza (35,5 Prozent) und Alexis Tsipras siegten wiederholt mit deutlichem Abstand vor den Konservativen (28,1 Prozent). Eine erneute Koalition mit den Rechtspopulisten „Unabhängige Griechen“ und deren Parteichef Panos Kammenos reicht für die absolute Mehrheit im griechischen Parlament.

Griechenlandwahl
Hochrechnung

in Prozent

Stellung bezieht besonders die weit verbreitete konservative Tageszeitung „Kathimerini“, die bereits in der Vergangenheit nicht mit Kritik am 41-Jährigen gespart hatte. Auch dieses Qualitätsmedium spricht in seiner gedruckten Montagsausgabe von der viel zitierten „zweiten Chance für Tsipras – Kammenos“. Ein Satz, der schon vor der Wahl in vielen Medien – auch in Deutschland – verwendet wurde.

Seinen Kredit hat der charismatische Tsipras noch nicht aufgebraucht: Zu groß ist die Hoffnung der Bevölkerung, dass unter ihm das Leiden endlich ein Ende hat: Auch das Wirtschaftsmedium „Naftemporiki“ spricht auf seinem Online-Auftritt von der „zweiten Chance“. In Großbuchstaben, darüber ein Bild, das in nahezu jedem Blatt abgedruckt ist: Ein übers gesamte Gesicht strahlender Alexis Tsipras, Arm in Arm mit dem ebenso hocherfreuten Kammenos. Die beiden wirken wie alte Schulfreunde, die sich nach Jahren wieder in die Arme schließen können.

Die linksgerichtete Zeitung „Efimerida ton Syntakton“ druckte seine Titelseite fast vollständig in rot, Syrizas Parteifarbe. Dazu ein überdimensionales Jubelbild des Siegers und einer ebenso überdimensionalen Überschrift in Großbuchstaben: „SIEGER.“ Das Sprachrohr der Syriza-Partei „H Avgi“ hält sich mit der Berichterstattung erstaunlich bedeckt: „Eine starke Regierung für vier Jahre. Ein großer Sieg für Tsipras und Syriza“, titelt das Blatt.

Auch da steht der Wahlsieger lachend vor den Kameras, wie gewohnt im weißen Hemd und dunkler Hose. Er jubelt mit ausgebreiteten Armen – im Wahlkampf hingegen hatte Tsipras oft mit der geballten Faust seine Position verdeutlicht. Die offenen Arme waren hingegen das Markenzeichen seines Kontrahenten von der Nea Dimokratia, Vangelis Meimarakis, dessen Partei zwar ein leichtes Plus verzeichnen, den Sieg der Syriza aber nie wirklich gefährden konnte.

Seite 1:

Zwischen Sonnenschein und Unwetter

Seite 2:

Fairer Verlierer

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%