Griechische Wirtschaft am Boden
„Niemand produziert, niemand kauft, alle haben Angst“

Noch vor sechs Monaten gab es in dem angeschlagenen Land erste zarte Zeichen für Wachstum nach schwerer Rezession. Doch das ist vorbei. Und die neuen Sparauflagen dürften für einen weiteren Einbruch sorgen.
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AthenGriechenland hat sich einen Rettungspakt erhandelt. Doch die Erleichterung, dass das Land nicht aus der Euro-Zone fällt, wird wohl nicht lange währen. Denn die Wirtschaft liegt am Boden. Monate der politischen Zänkereien, die Unsicherheit über die Zukunft des faktisch bankrotten Landes und nicht zuletzt die Bankenschließung lähmen die Wirtschaft im Alltag. Und die neuen Sparmaßnahmen, die das dritte – noch nicht beschlossene – Rettungspaket der Gläubiger flankieren sollen, dürften die Krise noch vertiefen.

Analysten schätzen, dass Griechenlands Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr um etwa 4 Prozent schrumpfen wird ein heftiger Rückschlag von dem leichten Wachstum, das die Wirtschaft vor sechs Monaten nach Jahren der Rezession erzielt hatte. Damals wirkte auch die Haushaltslage etwas stabiler, und die damalige Regierung liebäugelte damit, finanziell wieder auf eigenen Beinen zu stehen.

Doch im Frühjahr, inmitten der Streitereien zwischen der neuen Athener Regierung um die linke Syriza-Partei von Ministerpräsident Alexis Tsipras und den internationalen Geldgebern, kam der Rückfall in die Rezession. Die Entscheidung der Regierung vor zwei Wochen, alle Banken zu schließen, um einen Sturm auf die Geldhäuser zu vermeiden und einen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern, versetzte der Wirtschaft einen weiteren schweren Schlag.

„Niemand produziert, niemand kauft, alle haben Angst“, sagt der 59-jährige Dimitris Farmakis, der eine Textilfabrik in Athen besitzt. Er sieht sich von den Kapitalverkehrskontrollen der Regierung getroffen. Die Limits für Geldüberweisungen machen es dem Unternehmer unmöglich, Vorräte oder Rohstoffe im Ausland einzukaufen. „In wenigen Wochen werden wir wegen dieser Engpässe nichts mehr produzieren können“, sagt er und spricht das aus, was viele Unternehmer befürchten.

Auch Lebensmittel könnten knapp werden, warnen Experten. Importe nach Griechenland sind ebenfalls durch die Kapitalverkehrskontrollen so gut wie unmöglich geworden. „Wir bekommen derzeit nur die Ware, die bereits bezahlt und importiert ist“, sagt Natassa Voudouri, Eigentümerin der Firma Contlift, die Güter aus Schiffscontainern im Lande verteilt. „Im Moment liefern wir die letzten Güter aus, dabei handelt es sich um Lebensmittel.“

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Banken-Schieflage wird größer

Kommentare zu " Griechische Wirtschaft am Boden: „Niemand produziert, niemand kauft, alle haben Angst“"

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  • Die Geldmacht "EZB" quält und schleift Griechenland, bis sie die Regierung Tsipras kippen. Bis zum Regierungswechsel geht jetzt das Chaos.

    Und die neue Regierung soll sich vollkommen der Geldmacht aus Brüssel unterwerfen.

    Das ist der Preis, um zum EURO "dazu zugehören".

    Ist der Preis nicht etwas zu hoch, Griechen ? Geht lieber zurück zur Drachme !!!

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