Großalarm
Wie die EU die Krise übt

In Afrika geht es drunter und drüber. Ein Land steckt das andere an. Die EU ist alarmiert, fliegt Truppen ein. Dieses Szenario lässt die EU-Außenbeauftragte Ashton jetzt mal durchspielen. So sieht das Drehbuch aus.
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"Alisia" könnte als Mädchenname durchgehen. Irgendwie ein "i" zu viel - aber es gibt ja nichts, was es nicht gibt. Ist aber falsch. "Alisia" ist der Name eines Staates in Afrika, keines richtigen Staates zwar, das war auch den Afrikanern zu doof. In der Europäischen Union allerdings existiert dieser afrikanische Staat von übermorgen an, genau also vom 18. November bis zum 6. Dezember. Solange nämlich spielen die Europäer "Krise in Alisia". So nennt sich eine Übung, bei der die EU durchexerziert, wie sie sich verhalten würde, wenn auf dem Nachbarkontinent mal nicht Menschen verhungern, Diktatoren durchdrehen oder sich gegenseitig niedermetzeln, sondern etwas wirklich Ernstes geschieht.

Die Übung zum Krisenmanagement spielt sich in Brüsseler Büros ab - Truppen werden in Wirklichkeit nicht eingesetzt. Das Szenario sieht Unruhen im fiktiven Staat "Alisia" sowie vier Nachbarländern vor. Ganz real ist, dass an der Übung die Dienststellen des Ministerrates, des europäischen Auswärtigen Dienstes sowie die EU-Delegationen in Äthiopien, Kenia, Ruanda, Uganda und bei der Afrikanischen Union beteiligt sind. Zudem wird vorübergehend eine Kommandozentrale eingerichtet, über die die EU bisher in der Realität nicht verfügt. Bis zum Hausmeister hinunter dürften die Übung gut und gerne 1000 Mitarbeiter der EU in Atem halten, schätzt ein Brüsseler Abgeordneter. Schließlich soll dabei an den EU-Schreibtischen „das ganze Spektrum der EU-Instrumente“ zur Krisenbewältigung durchgespielt werden. Dazu gehöre nicht nur der Einsatz von Truppen zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung und die Evakuierung von Gebäuden, sondern auch die Entsendung einer zivilen EU-Krisenmission, humanitäre Hilfe und der Aufbau rechtsstaatlicher Verhältnisse, sobald "Alisia" dazu bereit ist.

Maßgeblich Ideengeberin für die "Krise in Alisia" ist die Hohe Beauftragte für die EU-Außenpolitik, Catherine Ashton, die damit zum ersten Mal so richtig von sich reden macht. Bislang war Ashton eher dadurch aufgefallen, dass sie beispielsweise über zu große Arbeitsbelastung klagte. Von ihren Vorgängern habe sie 500 Termine im Jahr geerbt, jammerte sie und äußerte den Wunsch nach einem eigenen Flugzeug, der ihr aber bislang verwehrt wurde. Wahrscheinlich ist das der Grund, weswegen die Übung "Alisia" nun auch in Brüssel stattfindet.

Die Amerikaner hätten so etwas vermutlich ganz anders angepackt. Eine ausgediente Airbase in Good old Germany wäre bei Barack Obama höchstwahrscheinlich erste Wahl gewesen, wenn er zu seiner Übung unter dem Namen "The Eurocrisis" einladen würde. Der US-Präsident hätte vermutlich auch einen detaillierten Schlachtplan: Als erstes die Europäische Zentralbank unter die Fittiche von Ben Bernanke stellen und die Notenpresse anwerfen. Als nächstes die Nachfahren George Marshalls mit der Entwicklung eines Marshallplans 2.0 beauftragen und zum Schluss mit Hilfe von Fanny Mae und Freddy Mac ein Wiederaufbauprogramm für griechische Häuslebauer anwerfen. Aber Ashton ist eben nicht Obama. Ist ja letztlich auch ganz gut so.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Großalarm: Wie die EU die Krise übt"

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  • Vielleicht liegt "Alisia" ja gar nicht in Afrika, sondern viel näher. Lieber mal den Notenpressen noch ein paar Umdrehungen mehr geben...

  • Wird Deutschland demnächst in Uganda verteidigt? Es gab ja schon mal einen der dieser Meinung war. Der Mensch ist von Natur aus dumm und faul. Das Ergebnis sehen wir heute. Was will diese Tante in Afrika? Schickt sie in einen Kral und da kann sie bleiben.

  • nicht nur das, sondern auch vollkommen undemokratisch an die Macht gekommen. Kann die "Dame" nicht ernst nehmen. Hoffentlich bricht der Laden bald zusammen!

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