Großbritannien
Briten spekulieren über Neuwahl im Frühjahr

Gordon Brown galt schon als abgeschrieben. Nun profiliert sich der Premier als Retter in der Krise. In Großbritannien wachsen die Spekulationen, dass Brown auf eine Überraschungswahl im Frühjahr setzt. Nach Umfragen liegen Labour und Tories fast gleichauf.

LONDON. In Großbritannien wachsen die Spekulationen, dass Premierminister Gordon Brown auf eine Überraschungswahl im Frühjahr setzt. Zwar haben die von David Cameron geführten Konservativen in Meinungsumfragen noch einen Vorsprung. Doch Browns Strategie, sich in der Wirtschaftskrise als "ernster Politiker für ernste Zeiten" zu präsentieren, hat Erfolg.

Im September lagen die oppositionellen Tories in den Umfragen mit einem Vorsprung von 20 Prozentpunkten noch scheinbar uneinholbar vorn. Vor zwei Wochen betrug der Abstand noch elf Punkte, doch seither hat Brown ihn nach einer gestern im "Daily Mirror" veröffentlichten Umfrage von Ipsos Mori auf fünf Prozentpunkte reduziert. Nach dem britischen Mehrheitswahlrecht reichte dies aus, um eine Regierungsmehrheit der Tories im Unterhaus zu verhindern und Labours Sitzverluste in Grenzen zu halten. Nach einer Umfrage für den "Sunday Independent" führen die Tories sogar nur noch mit einem Prozentpunkt Vorsprung.

Auch die Konservativen rechnen offenbar bereits mit einer Wahl im Frühling. Parteichef Cameron hat sein Schattenkabinett angewiesen, Politikvorschläge für den Wahlkampf zu machen. Im Januar wollen die Tories mit einer Flut von Ankündigungen Browns Behauptung widerlegen, sie reagierten auf die Krise mit "Nichtstun". Beobachter gehen davon aus, dass Brown als überlegener Krisenmanager nur ein kurzes Chancenfenster für eine Wahl hat. Die "Sun" brachte gestern über einem Kommentar des einflussreichen Kommentators Trevor Kavanagh eine Karikatur, die Brown als Sprinter zeigt, der von einem Wirbelsturm von Schulden verfolgt wird. Auf einem Wegweiser steht: "Februarwahl".

Die Kritik von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück an Browns "krassem Keynesianismus" schlug in Großbritannien auch deshalb so hart ein, weil die hohe britische Verschuldung bereits ein Wahlkampfthema ist. Cameron forderte gestern erneut, für Mittelstandskredite Bankbürgschaften in Höhe von 50 Mrd. Pfund anzubieten - eine Forderung, die von Unternehmern in einem Brief an die "Financial Times" unterstützt wurde. Der Tory-Chef verlangte zudem, betrügerische Finanzpraktiken, die zu der Krise führten, rigoros strafrechtlich zu verfolgen.

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