Großbritannien
David Cameron ist neuer Tory-Chef

Großbritanniens Konservative Partei hat einen neuen Vorsitzenden gewählt. David Cameron ging mit großer Mehrheit als Sieger aus der Abstimmung der mehr als 270 000 Tory-Mitglieder hervor: Er bekam mehr als doppelt so viele Stimmen wie der Gegenkandidat David Davis.

HB LONDON. Der 39 Jahre alte Cameron ist bereits der vierte Vorsitzende der Konservativen, seit 1997 die Labour-Partei ihren historischen Höhenflug mit bislang drei aufeinander folgenden Wahlsiegen begann und die Konservativen in den Schatten stellte. Nach der letzten Schlappe der Tories bei der Parlamentswahl am 5. Mai erklärte deren Vorsitzender Michael Howard seinen Rücktritt. Bei dieser Wahl hatten die Konservativen ihren Stimmenanteil nur unwesentlich auf 32,3 Prozent steigern können.

Cameron wird sich bereits an diesem Mittwoch bei der traditionellen Fragestunde im Unterhaus einem Rededuell mit Premierminister Tony Blair stellen. Das erklärte Ziel des neuen Tory-Vorsitzenden ist es, seine Partei gründlich zu modernisieren sowie insbesondere für Frauen und für junge Wähler attraktiv zu machen.

Cameron wird nicht nur wegen seines telegenen Auftretens häufig mit dem jungen Tony Blair verglichen. Auch seine lebhafte Art, sein Wortwitz und sein leidenschaftlicher Einsatz erinnert viele Beobachter an den britischen Premierminister. Wie sein künftiger Kontrahent studierte auch Cameron an der renommierten Oxford-Universität.

Zuvor besuchte Cameron - wie die Prinzen William und Henry - das Eliteinternat Eton. Sein Lebenslauf sei „scheußlich privilegiert“, gibt der 39-Jährige zu. Da passt es nur zu gut ins Bild, dass Cameron mit der Tochter eines Baronets verheiratet ist. Laut dem Adelsführer Debrett's ist er über eine uneheliche Tochter von König William IV. dessen Urururururenkel und damit ein Cousin zweiten Grades von Königin Elizabeth II.

Kritiker werfen Cameron vor, über zu wenig politische Erfahrung zu verfügen: Er sitzt erst seit vier Jahren im Parlament. Zuvor war er Berater des früheren Premierministers John Major und seit 1988 in der Forschungsabteilung der Tories tätig. Seit seinem Einzug ins Parlament 2001 erwarb sich Cameron rasch einen Ruf als eloquenter Pragmatiker. Zuletzt war er Bildungssprecher der Partei und ein starker Befürworter von Behindertenschulen. Camerons Sohn leidet an zerebraler Kinderlähmung und schwerer Epilepsie.

Cameron will seine Partei, die Kritiker als altmodisch und zu stark rechtsgerichtet bezeichnen, weiter in die politische Mitte rücken. Mit einer Kombination aus sozialem Verantwortungsbewusstsein und freier Marktwirtschaft will er die Konservativen nach drei vernichtenden Wahlniederlagen seit 1997 im Jahr 2009 zurück an die Macht führen. Als sein wahrscheinlichster Widersacher gilt dann der derzeitige Schatzkanzler Gordon Brown, da sich Blair vor der Wahl aus der Politik zurückziehen will.

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