Großbritannien
Der saudische König sorgt für Verstimmung

Der „Dialog der Königreiche“ kam nur schwer in Gang. Noch bevor sich König Abdullah von Saudi Arabien mit seiner Amtskollegin Queen Elizabeth II. zum Staatsbesuch traf, sorgte er mit einem Interview für Verstimmung. Außenminister David Miliband reiste daraufhin plötzlich in die USA ab. Die Queen blieb und lächelte stumm.

LONDON. Wie meist bei solchen Gelegenheiten behielt Queen Elizabeth II., Verteidigerin des Glaubens, ihre Gedanken für sich, als sie am Dienstag den Hüter der islamischen Städte, König Abdullah von Saudi Arabien, offiziell zum Staatsbesuch begrüßte. Stumm lächelnd winkte sie aus der goldenen Kutsche. Fragte sich die Queen insgeheim, wann Frauen in Saudi Arabien Autofahren dürfen?

Nur schwer kam der „Dialog der Königreiche“ in Fahrt, der als Thema über dem ersten Staatsbesuch eines saudi-arabischen Herrschers seit 20 Jahren steht. Der König sorgte für Verstimmung, als er in einem BBC-Interview behauptete, Großbritannien hätte den Londoner Terroranschlag 2005 verhindern können, wenn es nur saudische Warnungen befolgt hätte. Eine Behauptung, die der Geheimdienst MI5 sogleich mit einer empörten Gegendarstellung auf seiner Webseite dementierte. Dann rückte der „Independent“ groß das Bild des Königs auf die Titelseite und dazu die Schlagzeile: „König Abdullah fliegt ein, um UNS über Terrorismus zu belehren“.

Nach 20 Jahren Schmeicheldiplomatie ist vielen Briten immer noch unwohl bei diesem Besuch. „Menschenrechte sind wichtiger als Jobs bei BAe Systems“, stand auf einem Plakat vor dem Buckingham Palast. 3,5 Mrd. Pfund betrugen die britischen Exporte nach Saudi Arabien im vergangenen Jahr. Saudi Arabien hat bei BAe Eurofighter für 20 Mrd. Pfund bestellt, 20 000 Jobs hängen davon ab. Man sieht die Saudis auch als wichtigen diplomatischen Partner im Nahost-Friedensprozess. Aber die Briten haben die Rüstungsgeschäfte nach nie dementierten Medienberichten mit einer Milliarde Pfund Schmiergelder und mit viel Ehre bezahlt – vor allem, als Tony Blair die Ermittlungen wegen Bestechung einstellte – angeblich weil die Saudis drohten, die Geheimdienstzusammenarbeit aufzukündigen. Zeitungen sind nun voller Berichte über Menschenrechtsverletzungen in Saudi Arabien oder über die fundamentalistische religiöse Literatur, die in britischen Moscheen ausliegt und größtenteils von Saudi Arabien finanziert wird.

Verständlich vielleicht, dass Großbritanniens Außenminister David Miliband am Montag, statt die Festrede bei der „Zwei-Königreiche-Konferenz“ zu halten, plötzlich in die USA abreiste, um ein Kind zu adoptieren. Staatsminister Kim Howell wollte etwas Positives sagen und sprach von „gemeinsamen Werten“, löste aber nur Hohngelächter aus. Der amtierende Parteichef Chef der Liberaldemokraten, Vince Cable, sagte die Teilnahme beim Festbankett am Dienstag ab. Er findet, dass Menschenrechtsmaßstäbe, die Briten von Ländern wie Sudan oder Simbabwe verlangen, auch für Saudi Arabien gelten sollten. Aber dann überwog beim Staatsbankett doch wieder die Staatsräson. Die Königin tat mit undurchdringlichem Gesicht ihre Pflicht und nahm die Festrede aus der Handtasche. Das größte Opfer aber brachte Premier Gordon Brown: Aus Gründen der Staatsräson trug er zum erstenmal das ihm so verhasste Symbol gesellschaftlicher Anpassung: einen Frack.

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