Großbritannien
Die Angst vor dem Brexit wächst

Der britische Wirtschaftsverband CBI warnt eindringlich vor den Folgen des Brexits. Großbritannien müsse auch nach dem Ende der EU-Mitgliedschaft im Binnenmarkt bleiben, bis ein endgültiger Deal vereinbart worden sei.
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In Großbritannien wächst die Angst vor den Folgen des Brexits. Der Wirtschaftsverband CBI warnte eindringlich davor, was nach einem Ausstieg aus dem Europäischen Binnenmarkt und der Zollunion passieren könnte – und zum Teil schon passiert sei: Die Aussicht auf Zölle, mehr Verwaltungsaufwand und Regulierung „wirft bereits einen langen Schatten, der sich in Investitionsentscheidungen bemerkbar macht“, sagte CBI-Chefin Carolyn Fairbairn am Donnerstag bei einer Veranstaltung der Universität London School of Economics. Unternehmen hätten Investitionsentscheidungen aufgeschoben – oder sich gegen Großbritannien entschieden. „Eine großes Maschinenbauunternehmen aus Europa hat uns erzählt, dass es Pläne für den Bau eines Innovationszentrums in Großbritannien auf Eis gelegt hat, und eine Firma aus dem Bereich Infrastruktur hat berichtet, dass man Schwierigkeiten hat, Mitarbeiter aus der EU zu halten und einzustellen“ , sagte Fairbairn.

Zu den größten Verlierern dürften Unternehmen aus der Automobil- und der Finanzbranche gehören. Und aus beiden Branchen waren zuletzt skeptische Töne zu hören. BMW etwa will in den kommenden Monaten entscheiden, ob die Elektro-Variante des Minis in Deutschland, Großbritannien oder den Niederlanden gebaut werden soll – eine Milliardeninvestition steht damit auf dem Spiel. Auch haben mehrere Banken bereits angekündigt, eine Verlagerung auf den Kontinent zu prüfen. Die Liste derjenigen Briten, die von der britischen Regierung Unterstützung fordern, wird angesichts dessen immer länger.

„Es geht nicht darum, ob wir die EU verlassen“, betonte Fairbairn, „es geht darum, wie wir den Abschied gestalten“. Selbst wenn beide Seiten sich nach Kräften bemühen würden, sei es „unmöglich“, bis Ende März 2019 – dem offiziellen Ende der EU-Mitgliedschaft – eine Einigung über das zukünftige Verhältnis zueinander erreicht zu haben. „Wir müssen jetzt realistisch sein“, sagte die CBI-Chefin. Sie plädierte für eine Übergangslösung: Solange bis eine endgültige Lösung in Kraft trete, solle Großbritannien im Europäischen Binnenmarkt und der Zollunion bleiben – auch nach dem 31. März 2019. Die Verhandlungspartner müssten sich von ihrem Mantra „nichts ist vereinbart solange nicht alles vereinbart ist“ verabschieden, „zum Wohl der europäischen Wirtschaft“.

Korrespondentin des Handelsblatts.
Kerstin Leitel
Handelsblatt / Korrespondentin

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