Großbritannien diskutiert Staatsbegräbnis noch vor dem Todesfall
Staatsbegräbnis für Maggie Thatcher

Als wären Rezessionsängste und Labours Regierungskrise noch nicht genug, zerbricht sich Großbritannien derzeit über den Trauerfall Thatcher den Kopf - vorsorglich, denn noch erfreut sich die frühere Premierministerin ganz robuster Gesundheit.

DÜSSELDORF. Der Naturforscher Charles Darwin bekam eines, der Napoleon-Bezwinger Horatio Nelson ebenso und zuletzt - vor 43 Jahren - der große britische Staatsmann Winston Churchill: ein Staatsbegräbnis.

Nicht jedem Dahergelaufenen wird also diese letzte Ehre zuteil. Der britische Premier Gordon Brown und die Queen machen sich deshalb schon jetzt Gedanken, wer als nächstes in den "Genuss" der Zeremonie kommen könnte. Dumm nur, dass diese Überlegungen vorab publik wurden - schließlich erfreut sich die Kandidatin noch recht robuster Gesundheit: die ehemalige Premierministerin Margaret Thatcher.

Die Boulevard-Zeitung „Daily Mail“ hatte enthüllt, die mittlerweile 82-jährige Thatcher werde von Brown und der Queen für ein Staatsbegräbnis favorisiert. Als wären Rezessionsängste und Labours Regierungskrise noch nicht genug, zerbricht sich die Insel nun noch vorsorglich über den Trauerfall Thatcher den Kopf.

Nur neun Bürgerliche sind in den letzten 500 Jahren überhaupt mit einem großen Staatsbegräbnis betrauert worden. Gewöhnlich ist der Pomp regierenden Monarchen vorbehalten. Er beginnt mit privater Aufbahrung, gefolgt von einer Überführung mit militärischen Ehren und dreitägiger öffentlicher Aufbahrung. Den Abschluss bildet ein Gottesdienst in der britischen Nationalkapelle Westminster Abbey. Nicht mal Lady Di oder Queen Mum war solch ein Aufwand vergönnt.

Offenbar aber der Eisernen Lady, die der englischen Sprache dank ihres kompromisslosen Politikstils und ihrer unverzichtbaren Accessoires so schöne Verben wie „to handbag“ schenkte - frei übersetzt: jemanden ordentlich abkanzeln. Sie selbst hätte mit einem Staatsbegräbnis kein Problem, ließ Thatcher bereits selbstbewusst verlauten; sie würde allerdings St. Paul?s Cathedral der Westminster Abbey vorziehen.

Wie es um das Ansehen Thatchers auf der Insel zumindest in Teilen der Gesellschaft bestellt ist, zeigt sich an den zynischen Reaktionen: die Überschrift „Staatsbegräbnis für Thatcher geplant“ sei unverantwortlich gewesen, schrieb ein Leser im Internet-Forum des eher linksliberalen „Guardian“. Er habe fälschlicher Weise zuerst gedacht, der Tag hätte gar nicht besser beginnen können, da Thatcher gestorben sei. Ein anderer forderte, das Begräbnis per öffentlicher Ausschreibung zu vergeben - und zwar an den billigsten Anbieter. Sicher ganz im Sinne der neoliberalen Lady.

Noch muss der innenpolitisch schwer angeschlagene Brown endgültig entscheiden, wie das Land mit seiner einstigen Spitzenpolitikerin im Todesfalle umgehen soll. Die öffentliche Meinung ist jedenfalls eindeutig: In einer Internet-Umfrage des „Guardian“ lehnten fast 80 Prozent den Staatsakt ab. Ein sonst übliches feierliches Begräbnis würde es auch tun. Was der Unterschied ist, erläuterte die Zeitung gleich mit: im Gegensatz zum Staatsbegräbnis würde der Sarg nicht von Soldaten, sondern von Pferden gezogen. Außerdem gäbe es nur 19 statt 21 Salutschüsse. Protokollbewusste Briten machen da kleine, aber feine Unterschiede.

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