Großbritannien
Fiskus verbummelt 25 Millionen Datensätze

Die britischen Steuerbehörden haben sich eine haarsträubende Panne geleistet: Zwei CDs mit den Daten von 25 Millionen Bürgern verschwanden auf dem Weg zur Nationalen Statistikbehörde. Die leichtsinnigen Absender hatten augenscheinlich die bequemste Variante gewählt, um die sensiblen Dateien zu verschicken.

mth/HB LONDON. Auf den passwortgeschützten Disks sind die Namen, Adressen und nationalen Versicherungsnummern aller Kindergeldempfänger auf der Insel, die Namen und Geburtsdaten der Kinder sowie die entsprechenden Kontodaten enthalten.

Schatzkanzler Alastair Darling sprach im Unterhaus von einem „extrem schweren Verstoß gegen die Sicherheitsprozeduren“. Es gebe jedoch keine Hinweise, dass die Daten „in falsche Hände“ gelangt seien. Banken hätten die Aktivität auf allen Konten untersucht. Die Geldinstitute forderten ihre Kunden dennoch auf, ihre Kontostände genau zu prüfen. Den Chef der Steuerbehörde, Paul Gray, kostete die Verfehlung seiner Mitarbeiter den Posten.

Beamte der Finanzbehörde hatten die Dateien entgegen den Richtlinien des Hauses Mitte Oktober mit der Hauspost durch den Kurierdienst TNT an das Nationale Statistikamt NAO geschickt. Dort kam die Sendung nie an. Erst nach drei Wochen wurde die Leitung der Finanzbehörde informiert. Darling erfuhr am 10. November von dem Vorfall. Die Polizei wurde am 14. November eingeschaltet.

Die Affäre setzt die erstaunliche Serie von Pleiten und Pannen der Regierung von Labour-Premier Gordon Brown fort. Erst am Montag musste Schatzkanzler Darling wegen der Northern-Rock-Affäre eine Dringlichkeitserklärung abgeben. Dabei konnte er dem Parlament nicht garantieren, dass die Steuerzahler die Northern Rock gewährten Notkredite in Höhe von 40 Mrd. Pfund vollständig wieder zurückbekommen würden.

„Garantiert der Schatzkanzler nun auch noch die Bankvermögen aller Kindergeldempfänger im Land?“, frotzelte Darlings Gegenspieler von den Konservativen, George Osborne, im Parlament. Osborne stellte Darlings Kompetenz in Frage: „Ist er der richtige Mann für den Job als Schatzkanzler?“ Die Regierung habe in ihrer „obersten Pflicht versagt“, die Bürger zu schützen.

Mit der Affäre betrete man „Neuland“, gestand der Tory-Politiker Nigel Evans, Vorsitzender einer Unterhaus-Kommission über Identitätsdiebstahl. Man könne den Ernst der Situation nicht überschätzen.

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