Großbritannien in der Isolation
Der kurze Triumph der Briten

Der Jubel der Briten über das "Nein" ihres Premierministers währte nur kurz. Mehr und mehr offenbart sich inzwischen, welche katastrophalen Folgen eine Isolation der Briten für die eigene Wirtschaft hätte.
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Die Ansage an Cameron vor dem Euro-Gipfel war unmissverständlich. Die traditionell europaskeptische britische Presse forderte ihn zur Standhaftigkeit auf. Er solle bloß nicht mit einem wertlosen Stück Papier zurückkommen wie einst Chamberlain, hatte ein europaskeptischer Abgeordneter angemahnt.

Das hat David Cameron geschafft. Er ist beim britischen "Nein" zu Vertragsänderungen geblieben und hat sein Land damit in der EU isoliert. Das Lob weiter Teile der britischen Presse war ihm damit sicher. Die Freude darüber währte allerdings nur kurz. Mehr und mehr wird den Briten bewusst, dass sie sich mit ihrem Nein ein Eigentor geschossen haben.

"Es wäre wirklich saudumm, wenn Großbritannien die EU verlassen würde," sagte der britische Wirtschaftshistoriker Timothy Leunig von der London School of Economics (LSE) im Gespräch mit Handelsblatt Online. Die größten Verlierer wären aus Sicht von Leunig der Exportsektor und die Finanzindustrie.

Durch seine EU-Mitgliedschaft kann Großbritannien bislang in Fragen der Finanzmarktregulierung sein Veto einlegen und so Gesetze verhindern, die dem Finanzplatz London schaden. Bei einem EU-Austritt gäbe es diese Möglichkeit nicht mehr. Zwar wäre Großbritannien dann auch nicht mehr direkt an die EU-Gesetze gebunden. Indirekt hätten diese aber dennoch einen sehr großen Einfluss auf den Finanzplatz London, wie Leunig feststellt.

Vom Kontinent kommen dazu schon klare Worte. So droht EU-Währungskommissar Olli Rehn der Regierung von Premier David Cameron am Montag in Brüssel: „Falls das Manöver dazu diente, Banker und Finanzinstitutionen der (Londoner) City vor der Finanzregulierung zu verschonen: Das wird nicht passieren.“ Rehn ergänzte: „Wir müssen alle aus der derzeitigen Krise die Lehren ziehen und dazu beitragen, Lösungen zu finden, und das gilt für den Finanzsektor genauso.“

Auch der britische Bankenverband zeigte sich besorgt und hofft jetzt auf neue Allianzen innerhalb der EU, um den Schaden zu begrenzen. „Wir müssen sicherstellen, dass wir gute und solide Bündnisse haben. Derzeit wissen wir noch nicht, wie sich andere Länder entwickeln werden. Wir müssen beständig und aufmerksam sein“, sagte BAA-Chefin Angela Knight am Montag bei einer Konferenz. Es sei noch zu früh, Schlüsse aus der Politik der britischen Regierung zu ziehen. Die Vereinigung vertritt unter anderem die vier Großbanken HSBC, Barclays sowie die beiden teilverstaatlichten Geldhäuser Lloyds und Royal Bank of Scotland.

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  • Mal hören, was die Schotten so dazu sagen

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/12/13/dlf_20111213_0912_500cd41f.mp3

  • Vielleicht wird es Zeit, die ganze Euro-Sache mal vom Anfang zu betrachten.
    Der Euro wurde angeblich von Frankreich erpresst von Kohl mit einer Kriegsdrohung.
    Nehmen wir mal an, Mitterand wollte dieses Kunstgeld, wohlwissend, dass es auf Dauer nicht klappten würde. Er wollte es aber, um Deutshland zu schwächen, weil zu mächtig geworden war wirtschaftlich gesehen.
    Denn Krieg machen war ja nicht wirklich das Ziel, das hätte Mitterand ja nicht gekonnt.
    Also mußte was anderes her um Deutschland wieder klein zu machen.
    Vielleicht sollte das mal bei der Presse und Fachleuten überdacht werden.
    Denn es ist ja schon sehr auffallend, dass gerade auch Frankreich so rumkreischt mit dem Rettungsschirm, um selbst wahrscheinlich daraus Geld zu bekommen.
    Und man kennt ja den Hang der derzeitigen Deutschen Politiker jedem hündisch hinten rein zu kriechen.
    Sarkozy weiß doch genau, dass Merkel wie auch die SPD und Grünen im Grudne genomemn Vaterlandsverräter sind und zum Wohle anderer eher das eigene Volk völlig verarmen
    War das also von Anfang an geplant?

  • So, so einen polit. Gesamtstaat wollen Sie also haben.
    Sie vergessen dabei nur, dass Europa kein Staat ist sondern ein Kontinent mit vielen unterschiedlichen Ländern und vor allem diversen verschiedenen Sprachen.
    Also wie will man da einen einzigen Staat machen?
    Das wollen Sie also alles auswischen?
    Und wie soll dieser polti. Zentralstaat dann sein?
    Sozialistisch-diktatorisch, wie Merkel es ja schon länger anstrebt? Und Brüssel ist ja schon Diktatur.
    Denn alles was derzeit geschieht und beschlossen wird in Brüssel, ist ja rein diktatorisch und hat mit Demokratie gar nichts mehr zu tun
    Sie entfachen Unfrieden mit solchen Forderungen.
    In Europa wirdd es Verwerfungen geben und dann werden sich solche wie Sie aber noch arg umschauen.
    Ich glabue, England ist erst der Anfang, es wirden noch mehr Länder sich abwenden, wenn sie erst einmal die Veträge genauestens lesen udn merken, dass sie die Souveränität ihrer Länder aufgeben müssen.

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